Sy] SS] 2 PN 74 DES LUXEMBURGER
LANDES
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Darbard College Library
FROM THE REQUEST or
JOHN AMORY LOWELL,
(Olass of 1815.
This fund is 820,000, and of its income three quarters shall be spent for books and one quarter be added to the principal.
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Sagenfehatz
des
Suremburger Landes.
Gelammelt von
p' N. Ereor, Hub-Pirektor des Athenãäums zu Suzxemburg, Wirt. Mitglied der Hiftorifchen Abteilung bed Lugemburger Inſlitutes.
Kuremburg. Drud von B. Bück, Paftoritraße, 5.
1883.
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N "Gr X SEP 9.1800 |
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Auszug aus den Publienlions de la Section historique de Ulnstitut r. g.-d. de Luxembourg, vol. XXXVI.
Vorwort,
Der Grund zu vorliegender Sagenfammlung ward vor etwa dreißig Jahren gelegt im Verein mit Herrn Klein, Pfarrer zu Dalheim, und dem verdienit- vollen Redakteur der „Luremburger Gazette”, Herrn Gonner zu Dubugque, der mir bei feiner Abreife nach Amerifa das damals gemeinjam gefammelte nicht unanjebnlibe Material zur Verfügung ftellte. Herr Gonner hatte da- mals vierzig Sagen beigebracht, die in diefe Sammlung aufgenommen tworden find ; der Beitrag des Herrn Klein belief fih auf fieben und vierzig Sagen. Nachdem im Laufe der Jahre das Werf zwar nicht aufgegeben, doch nur jpärlich gefördert worden und ich die Weberzeugung gewonnen batte, daß obne alljeitige Mitwirkung eine möglichſt vollftändige Iuremburgiihe Sagen: ſammlung nicht bergeitellt werden fünnte, war ich beflifjen, zunächft die Herren Primärlehrer zum Sammeln anzuregen. So erſchien denn im „Luxem— burger Schulbote”, Jahrgang 1877, S. 240—265, ein „Aufruf an die Herren Sebrer” mit den notwendigen Anweifungen zum Sammeln von Sitten und Sagen, jowie mit zahlreihen Mufterproben. Bon zwei und zwanzig Lehrern liefen mehr oder weniger ausgedehnte Beiträge ein, die mir von der archäo- logiihen Gejellichaft zur Verwertung übergeben wurden. Die Namen diefer Lehrer findet man dem von ihnen gelieferten Sagenftoff beigefügt.
Bejonders erwähnt zu werden verdient Herr Prott, früher Pfarrer zu Tadler, jebt zu Contern, der, unermüdlich im Zujammentragen von Ma: terial, an dem Werk einen lobenswerten Anteil genommen bat.
Nachdem einmal dieſe Bahn betreten war, und Damit auch nicht ein Winkel des Landes unerforicht bliebe, wandte ich mich an die Zöglinge unjercs Atbenäums mit der Bitte, mir die in ihren Heimatsorten nod lebenden Sagen, Bräuche u. |. w. zu dem genannten Zwede zu notieren. Die waderen Studenten entſprachen den Erwartungen, die ich von ihrer jugendlichen Be: geifterung begte, in vollem Mafe. Da ich außerdem von Herrn N. Moves, Nedakteur des „Touriſt“ und des „Luremburger Yand“, ermächtigt wurde, die dort erjchienenen und ebenfalls auf lebendiger Volfgüberlieferung beruhenden
Zu
Sagen meiner Sammlung einzuverleiben, jo floffen allgemad die Sagenquellen zum breiten Strom zufammen. Freudig benutze ich dieje Gelegenheit, den ge: nannten Herren, ſowie den waderen Studenten *) meinen wärmſten Danf auszusprechen.
*) Ich laſſe nachitebend die Namen der Studenten folgen, welche zu ber Sagen: Sammlung beigetragen baben :
Zunächſt find bier zu nennen zwei brave bofinungsvolle Zöglinge, Joh. Joſ. Dondel aus Mertert und Luc. Feltgen aus Berſchbach (Merich), die dur den Tod ihren Familien und dem Atbenäum leider entriffen wurden. Dann die nach Beendigung ihrer Studien an unferer Anftalt ansgetretenen Job. Pet. Kirih aus Dippach, Nik. Donvel aus Beringen (Merſch), Heinr. Infalt aus Dielirh, Nil. Todert aus Dommeldingen, ob. Zieſer aus Redingen (Merich), Leop. dames aus Beckerich. Aus dem Oberkurſus: Vikt. Dasburg aus Feld, Aug. Gredt aus Yuremburg, Mich. Yang aus Säul, Kal. Meyers aus Bondorf, Mich. Meyers aus Borhorn, Pet. Schmit aus Born. Aus I»: Nik, Antony aus Niederbefllingen, Joh. Bertemes aus Urjpelt (Klerf), Nil. Drees aus Elwingen, Job. Pet. Mepler aus Krautem, Bilt. Müller aus Quremburg, Bet. Nepper aus Arsdorf, Joh. Paulus aus Eich a. d. Alz., Dan. Rouffeau aus Eich a. d. Alz., Leo Schmit aus Remih, Nik. Wilmes aus Merih. Aus 1a: Jak. Aleſch aus Wald- bredimus, Job. Pet. Aftgen aus Keblen, Nik. Bellwald aus Nemerjchen, Andr. Clemens aus Mörsdorf, Joh. Eifchen aus Schandel, Job. Pet. Enjch aus Piſſingen, Eug. Faber aus Wilz, Nik. Frieden aus Ehnen, Bet. Haftert aus Roodt a. d. Syr, Nik, Kolbach aus Eih a. d. Alz., Joh. Pet. Meder aus Ettelbrüd, Pet. Nommeſch aus Greimeldingen, Theoph. Schilg aus Hofingen, Peter Schram aus Schwebfingen, Nil. Sibenaler aus Remich, Pet. Steffes aus Betzdorf, Math. Wahl aus Kopftal, Nil. Wendert aus Ober- anmwen. Aus Ile: Jak. Delahaye aus Luxemburg, Job. Fabritius aus Oberwampach, ob. Feltgen aus Steinjel, Friedr. Fürft aus Simmern, Paul Gredt aus Luxemburg, Fel. Hoffmann aus Schandel, Wild. Kept aus Biwiſch, Edm. Klein aus Wilz, Job. Pet. Kohl aus Ehnen, Ant. Kolb aus Differdingen, Wild. Krombach aus Ettelbrüd, Job. Pet. Lenertz aus Leubdelingen, Joh. Bet. Lippert aus Bartringen, Ant. Maas aus Ech— ternach, oh. Bapt. Mandy aus Künzig, id. Moes aus Bus, Nik. Beterd aus Erms— dorf, Nik, Rehlinger aus Dondelingen, Mich. Schand aus Hüpperdingen, Phil. Schmit aus Hemsthal, Mich. Schwark aus Heisdorf, Joh. Schwind aus Simmern, Pet. Ugen aus Eich, Paul Walking aus Quremburg, Job. Bet. Weber aus Leudelingen, Joh. Weirig aus Holzem, Jul. Wilhelm aus Luremburg, Jul. Heber aus Dalbeim. Aus IVe: Ernft Demuth aus Wormeldingen, Al. Küborn aus Niederferfchen, Eug. Leven aus Schweich, Eug. Ruppert aus Luremburg. Aus Ve: Job, Pet. Hemmer aus Straßen, Joh. Bet. Mitih aus Strafen. Aus Via: ob. Pet. Erpelding aus Garni, Joſ. Eblinger aus Dalbeim, Als fleifiger Sammler bleibt noch der am Atbenäum angeftellte Diener Theod. Mafjarette zu erwähnen,
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Auf die angegebene Weije ift es möglid geworden, eine jo reichhaltige Sagenjammlung unjeres Landes berzuitellen, und troßdem, obgleih es mir daran gelegen war, diejelbe jo vollitändig als möglib zu maden, mag noch dieje oder jene Sage fehlen. Die mir noch zugehenden Sagen, fowie er: gänzende und berichtigende Zuſätze, die ich mit größtem Danfe entgegen- nehme, werden in einem Nachtrag zu diefer Sammlung jpäter einen Platz finden.
Für die vorliegende Sagenfammlung ift der Volfsmund, die lebendige Voltsüberlieferung, die Haupt: und faſt einzige Quelle gewejen. Deshalb finden jich in derjelben jo wenige Schriftwerfe angeführt, aus denen gejchöpft worden : L’Ev&que de la Basse-Moüturie *), Engling’3 Manujfript **), einige nun leider unauffindbare Manujfripte der archäologiſchen Geſellſchaft, Ber: tbolet, und diefe nur, wenn der von ihnen mitgeteilte Sagenftoff im Volks— munde verklungen war.
Andere Quellen al3 der Volksmund find entweder als poetifche Bearbeitung oder als breit und zu eigenmächtig ausgefhmüdt und anderen Zwecken bul- digend, wenn nicht geradezu entitellt, doch jedenfall$ mehr oder minder ver: dächtig. Aus ſolchen Quellen in einfache ſchlichte Proſa überjegen — damit glaube man nicht, die Volksſagen berzuftellen und der Forſchung mwefentliche Dienfte zu leiten. Eine entitellte Volksſage läßt ſich nur berichtigen, indem wieder auf den Volksmund, als die ungetrübte Quelle, zurüdgegangen wird, Denn nit das bloße Gewand, die einfache naive Sprache macht ſchon die Sage; ald Inhalt muß darin des Volkes eigenftes, innerftes Leben pulfieren. So babe ih denn für alle Sagen gejucht, wieder aus dem lebendigen Quell der Volfsüberlieferung zu fchöpfen ; zu einer einfachen Transjfription babe ich mich nur dann erjt bequemen fünnen, nachdem alle Mühe vergeblich war, auf andere Weiſe des Sagenjtoffes habhaft zu werden. Unter diejen trans: ffribierten Sagen fteht auch die Quelle, aus der fie gefloffen, ala verdächtiger Geburtsihein angegeben.
Die Behandlung, wie fie L’Evöque de la Basse-Moüturie den Sagen hat angedeihen laſſen, hat diejelben als Volksſagen völlig entjtellt, da doc in
*) Itineraire du Luxembourg germanique ou Voyage historique ei pittoresque dans le Grand-Duche.
**) Die Vollämweisheit im Gewande der Pichtung oder Qugemburger Sagen, ge— fammelt und metrijch bearbeitet von Prof. Joh. Engling.
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einem Buche über Land und Leute die Volkstradition hätte ſtreng aewahrt werden müffen. Aus diejer trüben Quelle zu fchöpfen, bat man fich zumeijt begnügt ; und jo fommt es, daß man verfchiedene Quellen für eine und die: jelbe Sage citieren fann, die aber alle auf die eine, auf Basse-Moüturie . zurüdzuführen find. Um die eigentliche Urquelle, das Bolf, bat man ſich weniger gekümmert.
Im großen Ganzen babe ich gejucht, ven von den Gebrüdern Grimm be: tretenen Meg einfacher jchlichter Darftellungsweife einzuhalten, mich dabei aber gebütet, allzujehbr an den gemachten Mitteilungen auf Kojten ihrer naiven Friſche und Originalität berumzuarbeiten. Auch tritt die eine Sage breiter auf als die andere, je nachdem die Sagenquelle reichlicher oder ſpär— licher floß, und je nachdem ein mehr oder weniger entwidelter Sagenitoff gegeben war.
Hoffen wir, daß es auf dem nun angebabnten Wege gelingen werde, wie bier die Sagenſchätze, ſo in naber Zukunft die Sitten und Bräuche des Luremburger Volkes zufammenzuftellen und jo dem Altertumsforicher das Material zu liefern, die Urgejchichte unferes kleinen Vaterlandes in mög: lichfter Klarheit und DVollftändigfeit bloßzulegen. Dem luremburger Bolfe aber, das in diefer Sammlung die Kinder feines eigenen jchöpferiichen Geiſtes wiedererfennen wird, bieten wir diefelbe als wahres Volksbuch zum geiftigen Genufje an.
Luremburg im April 1883.
Der Herausgeber.
I. Wnfferfagen,
1. Die Sage von ber ſchönen Melufina, der Ahnfrau der Iuremburger Grafen.
Vor vielen hundert Jahren lebte auf dent Schlofje zu Körich ein edler Nitter, Graf Siegfried. Diejer verirrte fich einit auf der Jagd und gelangte gegen Abend in ein tiefes, enges, wildverwachjenes Thal. Es war das Thal der Alzet an der Stelle, wo beute Luxemburgs Vorftädte ſich maleriſch um den Felſen jchmiegen. Der Graf jab vor ſich den Bockfelſen emporragen und oben auf demjelben eine alte verfallene Römerburg. Plöglich ſchlugen Töne eines wundervollen Gejanges an des eritaunten Ritters Obr. Nachdem der Graf eine Zeitlang dem Gejange gelaujcht, eilte er dem Orte zu, wober die Töne erflangen, und bald gewabrte er oben auf den Trümmern der Burg eine Jungfrau jigen, bei deren Schönbeit er wie gefefjelt jteben blieb. Es war Melujina, die Nire der Alzet. Unverwandten Blides jtarrte Siegfried nad der überirdiihen Erſcheinung. Wie die Jungfrau den ftattlihen Nitter jab, ließ fie ihren grünen Schleier über das Antlig fallen und verſchwand mit den legten Strahlen der Abendjonne.
Von Müdigkeit überwältigt, legte fih Graf Siegfried unter einen Baum nieder und jchlief ein. Am anderen Morgen wedte ibn der Gejang der Vögel aus einem feligen Traume. Er erbob fich, folgte dem Laufe des Fluſſes und befand fich bald in der Gegend von Weimerskirch, die ihm befannt war, und von wo er der Heimat zueilte.
Die Erſcheinung der Schönen Jungfrau aber und ihr wundervoller Gejang batten des Grafen Seele mächtig erfaßt ; oft zog es ihn nun in dieje Gegend, die er liebgewonnen, um fich von neuem an dem Gejang und der jchönen Gejtalt der Jungfrau zu erfreuen. Einft traf er fie im Thale, denn der Beſuch des Grafen war ihr angenehm, und fie batte den jtattlichen Nitter liebgewvonnen. Raſch trat diejer zu ihr bin, geſtand ihr jeine Liebe und bat fie, jein Weib zu werden. Sie willigte ein unter der Bedingung, daß fie den Felſen nicht verlafe und er fie nie an den Samstagen, an denen jie allein jein wolle, zu jeben wünſche. Der Graf gelobte es ihr unter Eid: ſchwur.
Siegfried machte nun mit dem Abte von St. Marimin bei Trier einen
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Tauſch, durch welchen er ſeine ſchöne Herrſchaft Feulen bei Ettelbrück gegen den kahlen Bockfelſen und die umliegenden Waldungen abtrat. Da es ihm aber jahrelang an Geldmitteln gebrach, um auf dem Bockfelſen ein Schloß zu erbauen und Meluſina als ſein Weib heimzuführen, ſo nahm er Satans Hilfe gerne an, der ſich erbot, ihm das Schloß zu erbauen und ihn mit Reichtum zu überhäufen, wenn er nach dreißig Jahren ihm zu eigen ſein wolle. Da prangte über Nacht auf dem Scheitel des Bockfelſens eine herr— liche Burg, die ſtolz in das umliegende Thal herniederſchaute. Siegfried ver— mählte ſich mit der ſchönen Meluſina und verlebte fröhliche Tage. Meluſina ſchenkte ihm ſieben Kinder.
Aber ſtets an den Samstagen hielt ſich die Nixe den Augen aller ver— borgen, zog ſich in ihre Kammer zurück und ſchloß ſich ein. Lange Jahre ſchon hatte ſie das gethan, ohne daß es ihren Gemahl verlangte zu erfahren, was ſie an jenem Tage treibe; aber ſeine Freunde, die mit der Zeit Kunde hievon erhalten hatten, weckten in des Grafen Seele Mißtrauen gegen ſein gutes Weib. Nun wollte Siegfried um jeden Preis wiſſen, warum ſich Me— luſina an den Samstagen vor ihm zurückziehe. Am nächſten Samstag eilte er heimlich zu ihrer Kammer; ein auffallendes Rauſchen und Plätſchern tönte ihm aus dem Innern entgegen; er ſpähte zum Schlüſſelloch ins Zimmer hinein: da ſieht er ſeine Gattin in einem Wogenbade ſich das lange blonde Lockenhaar mit goldenem Kamme glätten; ihre jchönen Glieder enden in einen ungebeueren, jcheußlihen Fiſchſchwanz, mit dem fie die Wellen peiticht. Der Graf ftieß einen Schrei des Entjepens aus, Melufina aber verfanf im jelben Augenblid in des Felſens Tiefen : fie war auf immer für Siegfried verloren.
Man erzählt, die Amme, die das jüngjte Kind in ihrer Pflege hatte, habe manchmal nachts eine weiße Geftalt im Zimmer bemerkt, die das Kind zu wiegen gekommen jei.
Melufina erſcheint nun alle fieben Jahre in menjchlicher Geftalt auf der Oberwelt über dem Bodfeljen, um die Vorübergebenden zu ihrer Erlöfung aufzufordern. Erfolgt diejelbe nicht, dann jchwebt die weiße Gejtalt über die Stadt mit dem Ruf: „An fieben Jahren nicht mehr!” und verſinkt wieder in den Feljen.
Dadurh ward zur Zeit, als Luremburg noch eine Feltung war, der Wachtpoſten am Bod jo verrufen, daß es fogar den mutigiten Soldaten bangte, wenn fie dort nachts auf Poſten ftehen mußten. Einjt jtand ein be- berzter Soldat, der mit einem Kameraden die Poltennummer gewechjelt hatte, zwifchen zwölf und zwei Uhr nachts am Bockfelſen Schildwade. Da erſchien ibm Melufina in Geftalt eines ſchönen Mädchens und bat ihn, fie zu erlöjen. 63 fei dies, fagte fie, ein fchweres, do nicht unmöglihes Werk. Gedente er e3 aber nicht zu vollbringen, jo ſolle er es nicht unternehmen, da fie jonft dreimal tiefer in die Erde verjänfe. Während diefer Worte entjtand ein jo
er
beftiges Gebraufe um den Bodfeljen, daß der Soldat meinte, derjelbe ftürze zufammen. Die Schildwadhe verſprach, Melufinens Begehren zu erfüllen, was es auch jein möge, dem er fich zu unterzieben babe. Er müſſe, ſagte fie, wäbrend neun aufeinanderfolgender Tage jeden Abend Schlag zwölf Uhr hinter dem Altar in der Dominikanerkirche jteben, feine Minute zu früb und feine Minute zu jpät. Habe er dies neunmal getban, dann werde fie ibm am zebnten Abend als feurige Schlange mit einem Schlüfjel im Munde erjcheinen ; diefen müſſe er mit jeinem Munde aus dem ibrigen nehmen und ihn dann in die Alzet werfen, worauf ihre Erlöfung vollbracht jei; die Nömerburg auf dem Bodfeljen jtebe dann wieder da wie vordem.
Acht Abende jtand der Soldat Schlag zwölf hinter dem bezeichneten Altare, am neunten aber verjpätete er ſich. Da hörte er auf feinem Rückwege ein joldes Gebeul und Gebrüll am Bodfeljen, daß er fait glaubte, alle wilde Tiere jeien in der Luft bei einander. Hein anderer Menjch jedoch hörte diejen Lärm.
Auch joll Melufina jedesmal, wenn Gefabr und Unglüd der Stadt Luxem— burg drobt, den Bodfeljen umkreifen und Slagelaute ausjtoßen.
So iſt Melufina bis auf den beutigen Tag noch nicht erlöst. Wird fie mit der Zeit nicht erlöst, dann wehe der Stadt Luremburg. it das Hemd einft fertig, an dem fie arbeitet, zu dem der Fable Feljen des Bod den Flachs liefert und an dem jie alle jieben Jahre bei ihrem Erjcheinen auf dem Feljen einen Stich madt, dann ift fie erlöst; aber die Trümmer der Stadt werden der treuen Wächterin zum Grabmal dienen.
Nah N. Gonner's Mitteilungen und mündlich.
2. Melufina (Solvatenjage).
Einjt trat um Mitternacht Melufina zu der Schildwache unterhalb der Schlogtborbrüde. Sie begehrte von ibm, er jolle jie erlöfen, indem er in der folgenden Mitternacht ihr, die als Schlange erjcheinen werde, einen Schlüfjel, den jie im Munde halte, mit jeinem Munde erfaſſe und auf den Altar der Dominifanerfirche niederlege. Dann geböre jie ibm als Braut nebit ihren Schätzen.
Bei dieſer Erſcheinung überlief es den Soldaten eiskalt, Grauſen erfaßte ſeine Seele. Am folgenden Tage ertönte die Totenglocke vom alten Münſter herab, und man grub dem jungen Krieger ein Grab auf dem Soldaten— Friedhof.
Gederftolpe, Sagen von Quremburg, poetiich bearbeitet, ©. 5.
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= A 3. Die Nire und das Schaffmännden.
Mit dem Namen Schaffmännden bezeichnet man einen in uralter Zeit verunglüdten Schiffer, der in mondbeller Nacht nach reibem Fiſchfange das diht an Mörsdorf gelegene Wehr durchſchiffen wollte und dabei den Tod in den Wellen fand. Der Sage gemäß war die Nire, die im Wehr ihren Wobn: fit bat, befonders gegen diejen Fiſcher jebr aufgebracht, weil er ibr die fetten Fiſche, namentlih Forellen, in Menge wegfing und durch das fejte Auf: ftampfen feiner mit jcharfer Eijenfpige verjebenen Schiffitange ihre Wohnung jehr bejchädigte. Da bat jie in ibrem Zorne den Schiffer in die Wafjerfluten bereingezogen. Seit diefer Zeit baben viele vernommen, wie nächtlih ein Fiſcher mit den jhäumenden Wogen kämpfte, um das Webr zu durbiciffen ; jeben fonnte man nichts, nur börte man den Schlag und das Aufjtoßen der Schiffſtange; das dauerte fait ganze Nächte bindurd. Keinem fügte der nächt: libe Fisher ein Leid zu, wol aber jagte er den allzu Borwigigen nit Schmähungen und Drohungen in die Flucht.
4. Das Baachjöfferchen zu Ettelbrüd.
Zu Ettelbrüd taucht nachts das Baachjöfferchen, auch Waaßerkätchen oder Plätjchkäthen genannt, im Millewo (Miüblenteih) auf, gebt eine Etrede weit plätihernd den Bad an der Feulener Straße binauf, wendet fih dann rechts über einen janften Abbang, um im Bogen an diejelbe Stelle zurüdzufehren, wo fie aufgetaucht, und plätjcbert dort wieder ins Waller hinein. Das Baachjöfferchen trägt weiße Kleider.
5. Das Plätfchmännden.
Das Plätſchmännchen kam allabendlih durch den Bach, welder das Dorf Oberanwen durcfließt, und pläticherte wie mit einer Rute oder Gerte im Waſſer. Jedoch befam ihn niemand zu Bejichte.
6. Das Dliggmännden.
An der Quelle der Oligsbaach, welche ſich nach jehr kurzem Laufe zu Emeringen in die Alt: oder Gaanerbaach wirft, und welde oft zum rei- ßenden Strome wird, geht das Dligsmännden um. Wehe demjenigen, der fih nah Sonnenuntergang auf der Wieſe erbliden läßt! Unrettbar ift er verloren, denn im Nu bat ihn der unbeimliche Alte bei den Haaren erfaßt und mit ji in den Abgrund gezogen.
Eug. Klein.
u 44:
7. Der grofe Wafjergeift bei Echternach.
Ein ungeheuer großer Waſſergeiſt hat feinen Aufenthalt während des Tages im Spelzbujche bei Echternac ; bei einbrechender Nacht erit taucht er in die Sauer. Dieje Niejengeitalt in langwallendem weißem Gewande ift von den Fiichern gefürchtet, weil jie beim Hinabftürzen ins Waſſer die in der Nähe befindlichen leichten Kähne durch den wuchtigen Fall zertrümmert.
AR, Echtern. Volksſ., ©. 48.
8. Das Platſchmrechen in dem Mühlbach.
In dem zwiichen Mutfort und Contern gelegenen Mühlbachthälchen läßt jich zuweilen nachts bald an der Syr bald an dem Mühlbach ein Klatfchen wie das eines Bläuels hören. Es ijt das Platſchmrechen (Platihmariedhen), eine geiiterbafte MWäjcherin, von der man ſich behutſam ferne balten fol. Will man fih ihr nähern, um fie zu beobachten, jo ift fie plöglich ver: ſchwunden. Auch jcheint es manchmal ihre Luft zu fein, die Neugierigen zu neden. Sigt fie an der Syr, und man will in ihre Näbe jchleihen, jo läßt ich plöglich das Klatiben an dem Müblbach vernehmen ; und eilt man dann an den Mühlbach, jo wird es jchnell wieder an die eine oder die andere Stelle der Syr verjeßt.
I. Brott, Biarrer.
9. Das Platſchmrechen bei Schraffig.
An dem jogenannten Gruesbur bei Schrajjig läßt eine geipenjterbafte Waſchfrau um Mitternacht das hoble und geifterhafte Klatjchen ihres Bläuels vernehmen. Man nennt jie allgemein das Platſchmrechen.
J. Prott, Pfarrer.
10. Das Platſchurechen auf Stöckels.
An dem in der Nähe von Izig gelegenen Stöckelter Moor, wo einſt ein Heidenſchloß geſtanden hat, und auch an dem zwiſchen Stöckels und dem Scheid fließenden Hohlbach läßt in gewiſſen Nächten eine geſpenſterhafte Wäſcherin, das Platihmrehen, das unbeimliche Klatiben ihres Bläuels bören, ohne daß es je einem Menjchen gelingen kann, ibrer anjichtig zu werden. Sie jucht immer nur trübes Waſſer auf und pflegt nie an reinen Quellen zu waſchen.
%. Brott, Pfarrer.
11. Das Gelöfräden zu Weller zum Turm.
Bor Jahren fam an dem Gels genannten Schloßbache nachts das Gelsfrächen und wuſch. Die Yente aus den umliegenden Häufern konnten das Klatſchen des Bläuels oft bören. Hatten die rauen oder Mägde feine Zeit zum Wajchen, jo wuſch das Gelsfrähen an ibrer Statt, und mebr als einmal fanden die Knechte aus dem in der Näbe gelegenen, früber zum Schloſſe -gebörigen Meierbofe des Morgens ibre Ueberbojen, welche fie am Abende vorber von der Feldarbeit beibmust abgelegt batten, friſchgewaſchen an den Stafeten bangen. Das Gelsfrächen batte diejelben gewaicen.
Eine frübere Schloßdame bie Von der Gelb.
IN. Moes.
12. Das Wäſchfrächen in der Sauer.
Beim Gebansbujch zwiſchen Echternach und Zteinbeim, gegenüber der Mindenerlay, fommt oft nachts das Wäſchfrächen und wäjct. Alte Yeute aus der Umgegend bebaupten, das Klaätſchen des Bläuels oft gebört zu baben.
Nach anderen jollen auf derjelben Stelle von Zeit zu Zeit drei unheim— lihe Gefellen wiederfommen. Ein alter Fiſcher erzäblte, wie er diejelben eines Abends bei feiner Rückkehr von Echternach an einem mit Flaſchen bejegten Tiſche spielen und zecben jab. Sie winkten ibm, an dem Gelage Teil zu nebmen; wovor, fügte er binzu, ich mich aber beilig bütete.
ZN. Moes.
13. Die Wäſcherin bei Manternach.
Zwei Frauen aus Manternah famen gegen Abend von Lellig. Am Orte Helgenbeischen (Heiligenbäuschen) angelangt, jaben fie einige Schritte vom Wege mitten im Bace eine weißgefleidete rau ſitzen, welde im Waſſer plätjcherte und klatſchte, als bätte jie einen Bläuel. Die beiden Frauen famen leichenblaß nah Hauſe.
Oswald, Lehrer zu Manternad).
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14. Die Burjoffern zu Niederkorn.
Am großen Waſchbrunnen zu Niederforn ließ fich jehr oft um Mitternacht ein ſtarkes Klaticben vernebmen, wie wenn viele Wäjcherinnen dort ibr Geſchäft betrieben. Wollten dann Vorwigige nachjeben, wer diejes jonderbare
Seräufch veruriahe, jo wurden diejelben plößlich jo ſtark mit Waſſer über- goſſen, daß jie joaleih das Weite juchten, jedoch auf diefe Weije bis zur Thürjchwelle ihrer Wohnung verfolgt wurden, ohne zu jeben, wer fie mit Waſſer übergof.
Walch, Lehrer zu Niederlorn.
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15. Das Bombatſche Kätchen.
Im Walde von Greiweldingen, in der Föllewies, kam das Bombatſche Kätchen und wuſch in dem Bache, der dort vorbeifließt. Ihre Wäſche beſtand aus kleinen Stücken Tuch ſo groß wie eine Hand. Die Leute behaupten, ſie hätten die Stücke Tuch auf den Hecken hangen ſehen. Wenn darum jetzt jemand zerriſſene Lumpen wäſcht, ſo ſagen die Leute: der hat eine Wäſche wie das Bombatſche Kätchen. Erwachſene Leute nicht weniger als die kleinen Kinder ſcheuten ſich, dort vorbeizugeben, aus Furcht, Bombatſche Kätchen würde ibnen ein Yeid anthun. Die Gegend aber, wo das Kätchen ſich auf: bielt, it ganz unfruchtbar, nicht einmal Bäume wachſen dort.
16. Die Wäſcherinnen bei Sandweiler.
Beim Bireler Hof (Sandweiler) wuſchen ſonſt allnächtlich jieben Mädchen. Einft ging- ein Mann vorbei und rief ihnen zu: „Wafcht mir mein Hemd auch einmal!” Erzürnt ergriffen ihn die Wäjcherinnen und bieben mit ibren Bläueln tühtig auf ihn los. Der Mann bütete jih in Zufunft, die nächt- lichen Wäſcherinnen anzureden.
17. Die Waſchfrauen bei Lieferingen.
In der Umgegend der Liefringer Mühle (Kanton Wilz) hörte man in finſteren ſtillen Nächten das Klatſchen und Geplätſcher von vielen Waſch— weibern. Wenn das Klatſchen ſich vernehmen ließ, wagte es niemand, den Fuß vor die Thürſchwelle zu ſetzen.
Schlöſſer, Lehrer zu Eſch a. d. Sauer.
18. Das Bichelgretchen an der Syr.
Nicht weit von Mensdorf hörte man ſonſt allnächtlich das Bichelgretchen an der Syr bei der Bichel (Wald) waſchen. Sie ſoll einen eiſernen Bläuel gehabt haben. Wenn ein Vorübergehender in die Hände klatſchte, um den
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Schlag des Bläuels nachzuahmen, jo fiel er ins Waifer, worauf lautes Lachen erſcholl. Bichelgretchen bejaß eine große Körperfraft und erichlug unter ihrem Dläuel jeden, der ihr zu nahe kam.
19. Die Wäſcherinnen unter der Läuferbrücke.
Als einft abends eine Frau am Walde Fötzbuſch zwiſchen Götzingen und Kapellen vorbeiging und auf die Läuferbrüde fam, welde dicht am Walde gelegen ift, fehte fie fi dort nieder, um auszuruben. Da börte fie plöglich unter der Brüde Gewölbe ein Geräusch ähnlich dem Gebläuel mehrerer Wäſcherinnen.
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20. Rächtliche Wäſcherinnen zu Meisborf und Behborf.
Beim Lebur in Reisdorf bört man um Mitternacht beftige Bläuelichläge. An der Syr ſoll jede Naht in den Bepter Wiejen (in der Nähe von Besdorf) ein Mädchen gewaſchen haben.
21. Das Bofferdbanger Moor bei Oberkerſchen.
Auf dem Banne von Oberkerfhen ungefähr 300 Meter von der öftlichen Ede des Gemeindewaldes befindet ſich ein Moraſt, genannt das Bofferdanger Moor, dejien Flächeninhalt zwei bis drei Morgen Land umfaßt und das ein längliches Dreied bildet. Während der nafjen Jahreszeit ijt es ringsum von Waffer umgeben, aus welchem bobes Scilf bervorwähst. Während des Sommers fann man obne Gefahr auf demjelben einbergeben; nur muß man fih vor einer Stelle hüten, wo ſich der tiefe Brunnen des verfunfenen Schloſſes befinden foll. Die ganze Oberfläche des Morajtes ift mit Moos bededt, das jo feit zuſammengewachſen ift, daß man nicht leicht in dem darunter befindlihen Schlamme verjinfen kann. Das Waſſer flieht nach zwei Seiten ab.
An diefen Moraſt knüpft ſich folgende Sage. Vor vielen, vielen Jabren ftand dort ein Schloß, dejien Herrſchaft wegen ihres Geizes und ihrer Herz: lofigkeit gegen arme Leute im ganzen Lande berüchtigt war. Bettler, die hier flebend um ein Almojen baten, wurden mit Hunden binausgebett, jo daf bald fein Hilfsbedürftiger es wagte, dort um eine milde Gabe zu fleben.
Eines Tages ericbien ein ebriwürdiger Bettlergreis im Schloßbofe und bat, hungrig und ermattet auf jeinen Stab gelebnt, um ein Almojen. Allein der Hausherr lieh die Hunde auf ibn beten. Cine Magd jedoch, die bei diejem graufamen Anblide gerührt wurde, rief die Hunde zurüd, eilte auf ihr
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Zimmer und bradte dem Bettler einen Teil ihrer Erſparniſſe. Als diefer das mitleidige Herz der Magd erfannt hatte, bat er fie dringend, das Schloß fofort zu verlaffen und ibm jchnell zu folgen. Zugleih befahl er ihr, nicht eber hinter fich zu fchauen, als bis er ſtehen bliebe. Nachdem fie eine Heine Strede Weges zurüdgelegt, ‚blieb der Greis bei zwei großen Birnbäumen fteben. Da ſchaute das Mädchen um, aber von dem berrliben Schloſſe, das fie eben verlaffen, war nichts mehr zu ſehen; es war verjunfen, nur der Schornſtein ragte aus einem tiefen Waſſer hervor. Eine prächtige goldene Wiege, in welcher ein Eleines Kind lag, ſchwamm noch eine Weile auf dem Mailer (nach einer Mitteilung jogar acht Tage lang) und verjanf gerade an der Stelle, wo ſich der Schloßbrunnen befand.
Als das Mädchen fich nach ihrem Begleiter umjab, war er verſchwunden. Sie allein war gerettet, während alle andere Schloßbewohner im Morafte einen Fägliben Untergang gefunden batten. *)
Nah anderen Mitteilungen boten ein Knecht und eine Magd, über ihres Herrn Handlungsweije entrüftet, dem greifen Bettler ihr eigenes Mittags: mabl an. Um ihre Barmberzigkeit nicht unbelohnt zu laſſen, befabl diejer dem Knecht, das beſte Pferd, und der Magd, die bejte Kuh aus dem Stalle zu nehmen und ihm zu folgen. Einige bundert Meter vom Schloffe entfernt, ſahen fie rüdwärts und erblidten vom Schloſſe nur nod die Türme, welche allmälig ebenfalls in den Boden verjanfen. Der Hahn flog auf die Iepte Zinne, that no einen Schrei — und fort war er. Noch heute bezeichnen die Kinder verjchiedene Stellen, wo jih Brunnen befunden haben follen. Nur ein Kind, jo behauptet man, in einer goldenen Wiege wurde gerettet, und die Nachkommen desjelben würden dort wieder ein Schloß bauen und mächtig werden.
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22. Das verfunfene Schloß zu Leubelingen.
Auf dem Banne von Leudelingen, im Ort genannt Heijenfopp, etwa zehn Minuten von Kockelſcheuer entfernt, befindet jich ein mit niedrigem Geſträuch bewacjenes Moor. Auf dieſer Stelle joll einjt ein Schloß geitanden haben, In diefem Sclofje wohnten jebr geizige, bartberzjige Leute, wenn Arme um ein Almojen baten, jo beste man ein Paar große Hunde auf fie. Eines Tages kamen wieder einige Bettelleute und flebten um eine milde Gabe. Da trat der Herr des Schlofjes hervor und rief jeinen Dienern zu, die Hunde auf das Gejindel Ioszulaffen. Die armen Leute entfernten fih auf dieje Drobung bin; als fie aber im Weggehen umjchauten, ſchien es ihnen, als ob das Schloß tiefer jtehe als vorher. Es ſank allmälich tiefer, bis zulegt
*, Man behauptet, noch vor etwa 120 Jahren jeien Ueberrefte jenes Schloffes fichtbar gewejen; das Schloß jei einftödig gewejen und habe in der Mitte des Moraftes geftanden.
nur mehr die Schlote und Türmchen jichtbar waren. Die - Bettler kamen nad Yeudelingen und erzäblten, was fie gejeben. Als nun die Dorfbewohner neugierig dem Schlofje zueilten, war es jchon tief in den Erdboden ver: ſunken.
23. Das verſunkene Schlof zu Holzem.
Auf der Südſeite von Holzem iſt ein Moraſt genannt Fockenmoor. Vor vielen Jahren ſtand an dieſer Stelle ein feſtes Schloß, das im Moor ver— ſunken iſt. In dieſem Schloſſe wohnte ein Mann von ungewöhnlicher Stärke, welcher der Plagegeiſt der ganzen Gegend war. Niemand war vor ſeinen Mißhandlungen ſicher. Da beſchloſſen die Leute der Umgegend, ihn zu ver— derben. In der Nähe des Schloſſes war ein Tiergarten und in dieſem ein Einhorn, ein großes Tier mit einem Horn auf der Stirn. Einige herzhafte Männer liefen nun im Augenblide, wo der Schloßberr vor dem Schloſſe ſtand und vielleiht auf irgend eine Grauſamkeit ſann, das Cinborn aus feinem Käfig. Wütend jtürzte fih das Tier auf feinen Herrn los, der ſich in die nahe Kapelle flüchtete und die Thüre derjelben jchmell binter fich zuzog und verriegelte. Das wütende Tier aber nahm einen ſolchen Anlauf gegen die Thüre der Kapelle, daß es mit dem Horn in der Thüre fteden blieb. So war der Schloßberr in der Kapelle eingeiperrt und mußte elendig- lich verhungern. Bald aud) ereilte die Strafe fein ganzes Haus. Eines jchönen Morgens war fein Schloß verfunten, und an der Stelle ijt jegt ein Moraſt, den man Fokenmüdr nennt.
24. Berfunfenes Ehlof zu Dippadh.
Im Braferbur bei Dippach, jo erzählt man, ift vor vielen jahren ein Schloß verjunfen. Näheres weiß das Volk nicht mehr mitzuteilen.
25. Das Wibelömierden bei Budersberg.
Zwiſchen Budersberg, Büringen und Bettemburg liegt das jogenannte Wibelömierden, ein ziemlich großer vierediger Morait. Bei dem Volke gilt diefer Ort für jebr umbeimlich. In der Mitte diefes Moores foll vor Zeiten ein tiefer Brummen gewejen jein, der aber jest verfandet it. In dieſen Brunnen, beißt es, jeien vor Jahren zwei Gloden verjenft worden, die noch lange nachher in der Nacht ihrer Verjenfung von ſelbſt geläutet haben.
Dieſelbe Sage wird auch von dem Hellinger Moor erzäblt.
%. Prott, Piarrer.
— |, BR 26. Der Schmillberbur bei Contern.
Im Schmillberbur, einer tiefen moraftigen Quelle unterhalb Gontern, joll, wie die Sage gebt, eine practvolle Kutſche mit jechs Pferden und. ſechs Perjonen verjunfen fein.
J. Brott, Piarrer.
27. Der Hungerbrunnen bei Eſch a. d. Alzet.
Auf der Gemarkung der Gemeinde Eich, öjtlich vom Dorf, wenn man nad) Kayl gebt, unweit der Nümelinger Höhl, befand jich, bevor die Erzbergwerke in Betrieb gejegt waren, eine Quelle, genannt der bongerige Bur. Dieje Quelle ift beute gänzlich verfiegt, und die jeßige Generation wei faum mehr die Stelle anzugeben, wo diejelbe gefloſſen. Bloß einige alte Eicher können jib noch erinnern, diejelbe fließen gejeben zu baben. Dieje Quelle, jo bieß es früber im Volksmund, war gewöhnlich, namentlih in quten Jahrgängen, verfiegt. Floß diejelbe aber, jo war das von jchlimmer VBorbedeutung, und man erwartete mit Bejtimmtbeit Mißernte, Teurung und Hungersnot.
Andere behaupten, die Quelle jei regelmäßig in den Jahren wieder zum Vorſchein gefommen, wo wichtige politiiche Ereigniffe eintraten, und jei ſtets vor Ausbruch eines Krieges gefloſſen; man citiert bejonders das jahr 1794, in weldem die Ortſchaft Eich von den Franzoſen eingeäjchert wurde.
Joh. Schmit.
28. DaB Deier-Birdhen zu Mebingen.
„Auch wir haben ein „Deier:Birchen“ (Teuer:Brunnen, Hungerquelle) bier zu Nedingen. Es befindet jih in einem Stüd Land des Hrn. Hemmer, am Abbange eines Berges, und kam während zwei und zwanzig Sabre nur dreimal zum Vorjchein. Ich dachte bei mir, es beſteht dort eine Kluft, und wenn der Boden während des Winters ganz durchwäflert ift, jo nimmt das Waſſer dort an der Kluft jeinen Ausfall. Dem ift aber nidht fo. Denn wenn er floß, gingen meiſt trodene und kalte Winter vorber ; das Malter Weizen aber bezablte man dann jiebzjig bis achtzig Franken. So floß derjelbe auch im Mai 1870, al$ der Krieg ausbrad. In dieſem naffen Jahre (1882) ift das Birchen noch nicht gelaufen.“
Liez, Apotbeter.
29. Der Schlofbrunnen zu Falkenſtein.
Ueber die Entitebung des Schloßbrunnens zu alfenftein, der neben den beiden nod erhaltenen Turmmauern im ehemaligen Burghof ungefähr
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anderthalb Meter tief in den harten Schieferfelien eingebauen ift, erzäblt der Volksmund folgendes : Eine weiße Taube joll einen Tropfen Waſſer aus ihrem Schnabel dortbin baben fallen laffen, worauf ein nie verfiegender Quell dem Schiefer entiprudelte und den Behälter füllte.
IN. Moes.
30. Der St. Pirminäbrunnen. 1,°
Sanft Pirmin, ein berühmter Wallfahrtsort im Kanton Wilz, der Pfarrei Kaundorf zugebörig, liegt etwa eine halbe Stunde von legterem Orte entfernt. Auf einem fleinen Plateau nabe an der Straße von Ettelbrüd- Baſtnach erhebt fi das alternde Kapellen. Alljährlib am Pfingitmontage pilgert in feierliher Prozejlion die Pfarrei Kaundorf zu dem Gnadenorte. Bon nah und fern ftrömt an diefem Tage eine Menge Wallfabrer berbei, um von dem bi. Pirmin Hilfe in ihren Nöten zu erfleben. Nördlich von der Kapelle, etwa zweihundert Meter entfernt, liegt eine Heine Klauje mit dem fogenannten Pirminsbrunnen. Dortbin werden bejonders kleine Kinder ge: bracht, welche dickbäuchig find oder nicht geben können; man taucht diejelben dreimal bis über den Kopf ins Waſſer, wodurd fie in der Negel die Geſund— beit wiedererlangen.
J. Hennes, Lebrer.
2.
Einjt fam nachts ein Wilzer an der Pirminsfapelle vorbei und begann über den Heiligen und feinen Brunnen zu jpotten. „Du beiljt die diden Bäuche,“ rief er, „Jo beile denn auch mich.“ Mit diefen Worten jprang er in das eisfalte Waffer, ftieg aber bald wieder heraus und kehrte nach Haufe zurüd,. Am anderen Morgen waren alle Teile des Körpers, welcde das Wafler berührt hatte, mit Geſchwüren bededt, und lange mwährte es, bis er wieder genas. Der Mann lebt noch und glaubt fich ſtets von St. Pirmin oder vom Teufel verfolgt.
Nach einer anderen Mitteilung babe der beitrafte Spötter den Pfarrer aufgejucht und demjelben den Hergang der Sache erzäblt. Diefer habe ihm den Nat erteilt, fich zum Brunnen zu begeben und dort vor dem Heiligen Abbitte zu thun. Diefen Nat babe der Mann befolgt und fei zur Stunde von feiner Plage befreit gewejen.
31. Karl der Große auf Helpert.
Nah der Tradition foll Karl der Große an der Schwindfucht gelitten haben. Alle Aerzte gaben ihn auf. Jung und lebensluftig, wie er war, be:
trübte dies ihn doch jehr. Ein ebrivürdiger Abt machte ibm guten Mut und riet ihm das Neijen und Jagen als Heilmittel an. Karl befolgte gern diefen Rat und begab ſich gleich auf den Weg. Auf feinem Zug fam er auch ins Luremburger Land in die Gegend von Helpert. Am 5. Mai jtellte man bier eine Jagd an. Der Tag war ſchwül, und es dürftete den Kaiſer, doch nirgends war eine labende Quelle. Endlich fand er am ſüdlichen Abhang eines Berges einen Brunnen. Er trank nad SHerzensluft. Die grüne Matte ud ihn zur Ruhe ein, von Müdigkeit überwältigt, jchlief er ein. Doch, neuerdings von Durſt gequält, wachte er bald wieder auf; er tranf abermals und fchlief wieder ein; aber auch jetzt ließ ihn der Durft nicht lange ruben, er tranf zum drittenmal und erbob jih, um zu jeiner Begleitung zu reiten. Da empfand er eine merklihe Veränderung in jeinem Körper, es war ihm fo leiht und jo wohl, daß er nicht daran zweifelte, er babe dem föjtlichen Waſſer feine Gejundbeit zu verdanfen. Freudig blies der Kaiſer ins Horn und rief feine Leute um jich, teilte ihnen das glüdliche Ereignis mit und nannte den Brunnen „Gejundbrunnen“, den Berg aber „Berg des Heils, Heilberg, mons salutis“. Aus Dankbarkeit gegen Gott ließ er dort eine Kirche bauen zu Ehren des bl. Johannes des Täufers. Die Kirche ift zwar jet verfallen, aber ein Jahrmarkt, der bis 1832 bier gehalten wurde, erinnerte an die Genejung des Kaijers. Im bejagten Fahre wurde diefer Markt in das nah dabei liegende Finjtertbal verlegt.
Das Waſſer der erwähnten Quelle ſoll wirklich eine heilende Kraft befigen; jabrelang in einem Gefäß aufbewahrt, verliert e8 weder an Helle noch an Geichmad.
Klein, Pfarrer; nach einem nun unauffindbaren Manujfript der archäol. Gefellichaft.
32. Der Bitfchter Weiher.
In den tieren Thale zwiichen dem Torfe Buderſcheid und dem Pirmes— fnapp lag der alte, weit und breit befannte Bitichter (Buderjcheider) Weiber. Diejer Teich, der jegt ganz verſchwunden it, batte einen großen Umfang; er erjtredte jih von der Buderjcheider Vtüble bis an den Pirmesberg und füllte, wenn er hoch angeichwollen war, noch dejjen beide Nebentbäler. Zwiſchen dem Teich und der Mühle befand jich ein bober breiter Damm, über welchen die jeßige Wilzer Strafe bingebt.
Heiratsluftige Mädchen, die nicht zu dent ibrigen kommen konnten, braud: ten jih nur auf den Damm des Bitichter Weibers zu begeben und dort dreimal „Piwitſch!“ zu rufen. (Piwitſch nennt man zu Bellingen einen Vogel von der Größe einer Eljter, der jich in morajtigen Gegenden, wie 3. B. zwiſchen Beillingen und Gouvv, aufbält.) Das Spridwort: „Geb auf den Bitjchter Weiber“, ijt jedoch bekannter in den umliegenden und entfernteren Ortichaften
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als am Platze ſelbſt. „Du wirſt keinen kriegen“, ſcherzen oft die Mädchen unter einander. „O“, lautet dann die ſpaſſige Antwort, „wenn ich feinen friegen fann, jo gebe ich auf den Bitichter Weiber und rufe: Piwitſch!“
Am Bitichter Weiher wars vorzeiten nicht ganz gebeuer ; dort ging allerlei Spuk um. Um dieſen Teich ber, der fonit von wildem Gehölz um: geben war, hauste in alter Zeit eine Herenzunft. Die Heren tanzten nächt— (ih im Mondenſchein auf den Bäumen des Waldes und machten dabei Muſik und mandmal einen entjeglihen Lärm. Auch fchwebten fie oft um den Pirmesberg, tanzten in deſſen beiliger Waldung mit wilden Getöfe und ſchwebten durch die Lüfte nah allen Seiten bin aus und ein.
An diefem Teiche wohnte die alte berüchtigte Bitſchter Here, die ſich mit Wahrfagen und Kupplerei abgab. Sie beſaß eine Flaſche, in welcher ſich ein Ei befand und ein gefreuzigter Chrijtus. Nachts flog fie wie ein Vogel über dem Teiche ber und ftieß dabei einen beiferen frächzenden Schrei aus. Junge Leute, Burſchen und Mädchen, welche beiraten wollten und nicht recht zu dem ibhrigen fommen konnten, fuchten fie auf. Mit Hilfe ibrer Flaſche fagte fie ihnen dann, welche Perfon für fie bejtimmt fei, wo die erjehnte Perſon wohne, und wie fie fih zu benehmen bätten, um zu ihrem Zwede zu fommen. Als man aber am Ende ihr Unweſen entdedte, wurde jie in den Bitſchter Weiher geiprengt. Gleich entitand ein furchtbares Ungewitter, welches den Weiber überflutete und in einen großen Moraft verwandelte.
Noch heute ift es dort nicht beimlid. Der Glaube an den alten Spuf beiteht noch immer, und fürchten ſich die Leute, nachts an der Stelle des alten Weihers vorbeizugeben.
%. Prott, Pfarrer.
33. Der Brunnen zu Helzingen.
Neben der Waldfapelle von Helzingen befindet fih ein Brunnen, Fons felix genannt. Jeder Unverbeiratete, der an dem allgemeinen Wallfahrtstag dreimal im Brunnen trinkt und in einem Atem dreimal um die Kapelle läuft, wird noch im nämlichen Jahr verbeiratet. In früheren Zeiten geſchah e3 oft, daß Heiratäluftige aus diefem Brunnen tranfen und den Lauf um die Kapelle auszuführen verſuchten.
Jacoby, Lehrer zu Helzingen.
34. Der Willibrordußbrunnen bei Wilwerwilz.
In der Nähe von Wilwerwilz befindet ſich in einem Wieſenthale der jo: genannte Willibrorbusbrunnen. Die Volksſage erzäblt von diefem Brunnen folgendes: Auf feinen Reifen kam einft der bl. Willibrordus in diefe Wieje
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und ließ dafelbit fein Laſttier graſen. Da fam der Beliger derjelben, ein Heide, und jchimpfte über den Heiligen, daß diejer jo unverichämt ſei, da— jelbjt jein Tier meiden zu laſſen. Der Heilige antwortete ibm liebevoll : „Dein lieber Freund, für den Fleinen Schaden, den ich dir zufüge, will ich dir einen großen Nuten machen”. Drauf jtieß er feinen Stab in den Boden, und es jprudelte jofort eine Quelle an der Stelle bervor, Durch wobltbätige Hand ward der Brummen in jüngiter Zeit mit einer Mauer eingefaßt. Bon den Bewohnern der Gegend wird das Waſſer des Brunnens zur Heilung des Wildfeuers gebraucht und darum bob in Ehren gebalten.
Lehrer Schaus zu Wahlhauſen.
35. Sanft Hubertusweiher bei Yunglinfter.
In der Mitte zwiichen Burglinjter und Schwactgesmiüble liegt der Ort Sankt Haupertsweiber, jet zum Teil Yand und Wieje, vorzeiten ein Weiber der, weil viel Vieb von tollen Hunden gebiſſen worden war, gejegnet wurde, worauf das gebiſſene Vieh bineingetrieben und jo gebeilt wurde.
Lehrer Brandenbourg zu Burglinfter.
36. Der Tadler Brunnen.
Das Waller des Tadler Brunnens wird zu Ehren des bl. Willibrordus gejegnet und zur Abwaſchung des Wildfeners gebraucht.
J. Prott, Pfarrer.
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37. Das Steipmännden bei Ehnen.
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In alter Zeit hauste bei Ehnen ein ſchlimmer Geift, das Steimnännden genannt, der bejonders die Schiffer bäufig nedte und ibnen böje Streiche jpielte. Wenn das Steipmännden in jtürmiichen Nächten im halben Kahne das Ehnener Wehr binauffubr, jo machte es im Waffer mit Nuder und Stange ein großes Geplätjcher, und man börte es fort und fort rufen: „Hilfe, Hilfe, jonit geb’ ich zu Grunde!” Kam dann ein mitleidiger Schiffer, nichts Böjes abnend, mit feinem Nahen bis zur gefäbrliden Stelle gefahren, fo fand er nicht nur feinen Hilfsbedürftigen, jondern hörte auch noch, wie das Steipmännden in die Hände klatſchte und ibn vom feljigen Ufer aus ver: lachte. Zürnte und fluchte ibm dann der Schiffer, jo warf der Geift deſſen Nahen um, und er mußte jeine Dreijtigfeit mit einem fühlen Bade bezahlen.
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Häufig rief das Steipmännden bei Nacht von der jenjeitigen Fähre: „Hol über !? War endlih ein Schiffer an die Fähre angelangt, um den vermeint: lihen Neijenden aufzunehmen, jo empfing ibn von ferne jpöttiiches Gelächter und Gefiher. Wenn dann der Schiffer, unmutbig über die geitörte Nube, nad Hauſe zurüdfuhr, jo börte er den nediichen Geift im naben Walde „Braas“ auch bald wieder fein langgezogenes „Huol iwer!“ rufen.
Lehrer Linden zu Rollingen.
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Vor Jahren börte man in der Geifterftunde einen Schiffenden in ber Mojel, der von MWormeldingen bis an die Statue des beil. Nikolaus kam. Weiter fam er nicht hinauf. Hier angekommen, wandte fich jchnell der Kahn, und brr! gings wieder jtromabwärts. Er kam ein zweites, drittes Mal, und jo jegte er feine Wafjerfabrt fort, bis die Geifterftunde um war. Kein Menſch batte je das Steipemännden, wie das Volk ibn nannte, gejeben, wol aber gebört.
38. Der Mofelgeift zwiſchen Grevenmader und Waſſerbillig.
Fiſcher, welche nachts filchten, vernabmen an dem Orte „ob em Meilejteen“, eine Viertelſtunde oberhalb Mertert, in der Moöſel ein foldhes Gepläticher, als ob ein paar taujend Karpfen dort mit ihren Schwänzen das Waſſer peitjhten. Das war, heißt es, der Mojeljtadtgeiit, auch kurz Mojelgeijt ge- nannt. Das Geplätjcher trieb ftromabwärts bis Mertert und noch weiter, bei Waſſerbillig joll es plöglich verftunmt fein „in der Moſelſtadt“. Denn früber fol dort eine große Stadt, Mofeljtadt genannt, geitanden baben.
Andere Fiſcher jollen an derjelben Stelle „ob em Meilefteen“ nachts einen unbefannten Schiffer gejeben haben, der in jeinem Nahen quer die Mojel binausfuhr und dann urplöglihd im Waller verſchwand.
39. Die Birkenjungfer oder Birlefrächen. 1.
Einem Danne aus Mutfort erjchien jehr oft in der Birk ein weiß geklei— detes Fräulein. Sie breitete einen weißen Teppich vor ibm aus, auf welchem dann plögli ein Ziegenbödlein ftand. Dies Fräulein war die Birkenjungfer, welche ihren Aufenthaltsort in dem jogenannten Birfenmoore bat.
Ein gewiſſer Nik. Tilges von Mutfort, der einjt in jpäter Nacht von Detringen zurüdfehrte, begegnete auf dem zwiſchen Detringen und der Birk gelegenen Kurzenberg einer ſchlanken Jungfer mit jchneeweißem Rod und blutroter Schürze. Sie batte die Arme entblößt bis an den Ellenbogen und trug eine weiße Rute unter dem Arme. Er grüßte fie jehr höflich, fie aber
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ging jtumm vorüber, ohne feinen Gruß zu erwidern. Der Mann wandte ſich, um ihr nachzuſchauen, da war jie a Daran erfannte Tilges, daß es die Pirkenjungfer geweſen jei.
Gin Knecht aus der Mühlbacher Mühle fuhr einſt, als es ſchon anfing dunkel zu werden, mit einem Karren von Oetringen nach Hauſe zurück. An dem Birkengraben angekommen, dort wo ein kleiner Waſſerlauf, vom Birken— moore ausgehend, die von Mutfort nach Oetringen führende Straße durch— ſchneidet, ſah er eine weiße Weibsgeſtalt ihm entgegen kommen, die ſtatt des Hauptes einen Dornenbuſch auf den Schultern trug und von einem kleinen niedlichen Hündchen begleitet war. „Das iſt die Birkenjungfer!“ ſagte ſich der Knecht, und von jähem Schrecken ergriffen, ließ er Pferd und Karren im Stiche und lief in einem Atem bis nach Mutfort in das in der Nähe der Kirche gelegene Schmatzhaus, wo er in Ohnmacht fiel.
An derſelben Stelle gewahrten auch viele andere Leute bei einbrechender Nacht eine Weibsgejtalt, die mit weißem Rode und weißer Haube angethan war. Kaum aber batten fich die Borübergebenden von ihrem erſten Schreden „ erbolt, da ſtieß das Geſpenſt einen bellen Schrei aus, erbob ſich ſchwebend in die Höhe und verſchwand in der Richtung nah dem Birkenmoore hin. Darauf entjtand im Walde ein jo grauenbaftes Getöfe, als gingen alle Bäume und Heden mit fort, und als wäre es der größte Sturmwind der Welt.
Auch ein gewiſſer Dominik Kemp von Mutfort, der mit einem fchweren Mebljad beladen von Detringen fam, erblidte am Birfengraben eine ſchwan— fende verſchwommene Weibsgejtalt, welche weiß gekleidet war und zwei Kerzen in den Händen bielt. Sie begleitete ihn, bald ſchwebend, bald gehend, unter graujenhaftem Getöje in der Luft und in dem Walde, bis in die Nähe von Mutfort. Das war, jo meinten die Leute am anderen Morgen, wieder nichts anderes als die Birfenjungfer.
Dieje Birfenjungfer, jo erzählt man ſich, war die einzige Tochter eines reihen Grafen, deſſen Burg einjt füdlih von Detringen in der Nähe der jogenannten Schloßwieje ftand. Sie wollte Jungfrau bleiben. Der Vater aber batte jie dem Sohn eines mächtigen Grafen zur Ehe verſprochen, und als fie nicht willig war, wollte er Gewalt brauchen. Doh am Morgen des Hochzeit: tages war die Jungfer verſchwunden. Sie hatte fih in der Naht nach dem nabe gelegenen Schloßwalde, den man heute Birk zu nennen pflegt, ge: flüchtet und bielt fi dort im Gejträuche verftedt. Der Vater zürnte und jandte jogleih alle feine Diener aus, um Nacforihungen in der ganzen Gegend zu halten. E3 gelang ihnen bald, den Verſteck der Jungfer zu ent: deden und fie aufzujcheuchen. Wie ein gebebtes Reh floh das edle Fräulein vor ihren Verfolgern ber und verſchwand plöglich mit einem berjjerreißgenden Schrei in der Tiefe des Birfenmoores, über welches ſie flüchten wollte.
Seither irrt in gewiſſen Nächten, doch jedesmal vor Mitternacht, eine Weibsgeftalt in blendend weißen Gewändern und mit zwei brennenden Kerzen
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oder Fackeln in den Händen, klagend und jammernd an dem Rande des Birkenmoores umher. Dabei ſaust es unheimlich in der Luft, und ein entſetz— liches Krachen und Toben läßt ſich in dem umgebenden Walde vernehmen. Will jemand ſich in dieſem Augenblicke ihr nähern, ſo verſchwindet die Jungfer plötzlich mit einem gellenden Schrei in der Tiefe des Moores, und wollte er es dann noch wagen, an den Rand des Moores zu treten und ihr nachzublicken, würde ſie ibn mit ihren Armen faſſen und zu ſich binunter in die Tiefe zieben. 2. Die Birkenjungfer als Schimmel.
In der Lohfaul, einer zwischen der Syr und der Birk gelegenen Wiejen- flur, erjcheint nächtlih ein reiterlojer Schimmel, der einen bellblinfenden Sattel trägt. An der Stelle, wo der Birfengraben in die Wiejen und Felder mündet, jprengt er aus der Birk hervor und eilt in mächtigen Sägen bis an das Ufer der Syr, wo er jtill zu grajen beginnt. Gebt dann ein verjpäteter Wanderer bier vorbei, jo näbert ib ibm der Schimmel zabm und jchmeichelnd und jcheint ibn gleichjam zum Aufiteigen einzuladen. Wehe dem aber, der nicht gewarnt wäre und es wagte, das geilterbafte Roß zu bejteigen ; es würde den Verwegenen bligesjchnell bis an das Birfenmoor oder bis an den Pleittringer Weiber tragen und mit ihm in die Fluten tauchen. — Das iſt die Birfenjungfer, die bier in Gejtalt eines Schimmel umgeht.
Einjt wanderte ein Mann, der wegen wichtiger Gejchäfte auf Reifen war, auf einem Pfade, der ſich das linfe Ufer der Syr entlang binziebt, an der Lohkaul vorbei. Er batte jich verjpätet und war müde von der langen Reife. Da jprengte plöglid ein ſchöner Schimmel an ibn beran, der einen pradht: vollen, hell durch das Dunkel blinfenden Sattel trug, und ftellte fich ſchmei— chelnd neben ihn, als wollte er ihm die Bügel zum Aufiteigen bieten. Nir: gends ließ fich ein Reiter jehen, dem das Roß wol gehören fonnte. „Ei, rief der müde Wanderer aus, den Schimmel jtreichelnd, „ei, du fommft mir gerade zur rechten Zeit!” und ſchwang fich in den Sattel.
Doch ſieh da, bligichnell jeßte der Schimmel über die Syr, und mit der Schnelligkeit des Windes trug er den Neiter dur Heden und Gejträuce bis an den Pleittringer Weiher, wo er denjelben höchſt unfanft in die Fluten abjekte.
I. Prott, Pfarrer.
40. Der Brunnengeift bei Dalheim.
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Zwiſchen Daldeim und Waldbredimus befand ſich in uralter Zeit das berrichaftlibe Schloß Gondelingen, das jet faſt ſpurlos verſchwunden iſt.
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In dem Walde zwiſchen genannten Dörfern entſpringt ein Brunnen, bekannt unter dem Namen Schwefelbrunnen. Viele behaupten, es ſei nicht heimlich an dieſer Stelle. Sogar heute noch bekreuzen ſich die Leute, die da vorbeigehen; denn in dieſem Brunnen ſoll ein Geiſt hauſen.
Einſt gingen an einem Sommernachmittage mehrere Weiber Kraut und Blätter dahin ſuchen. Sie hatten das Kraut beiſeite auf einen Haufen gelegt. Plötzlich wurde das Kraut von unſichtbarer Hand auseinandergeworfen, ſo daß nicht ein Halm bei dem anderen blieb.
Vom Brunnen ging ein langer unterirdiſcher Kanal zum Schloß hinab; von dieſem Kanal ſind noch heute Spuren vorhanden. Im Schloſſe befand ſich eine Kammer, die man die grüne Kammer nannte. Die Schloßbewoh— ner fürchteten ſich vor dieſer grünen Kammer ſehr, denn ſie ſagten, der Brunnengeiſt halte ſich nächtlicherweile dort auf.
Manche behaupten, dort eine bagere, ſchlanke Frau geſehen zu baben.*) Die Frau, heißt es, habe ſchon manche in den reißenden Waldbach ge— ſchleudert, der unten am Fuße des Schloſſes vorbeifließt. Andere behaup— ten, ſie auf dem gegenüberliegenden Berge geſehen zu haben. Dieſer Berg nennt ſich der Hurenſtein. Dort ſtand eine große, mächtige Buche, genannt der Diſſon, wo ſie nachts von zwölf bis ein Uhr mit einem Ritter focht und zuletzt überwunden, einen hellen, markdurchdringenden Schrei ausſtoßend, zum Schloß hinabeilte. Wehe dem, welchem ſie dann unterwegs begegnete. Beim Kreuze am Fuße des Schloſſes angekommen, kehrte ſie ſich plötzlich um und verſchwand in dem unterirdiſchen Kanale, der, eine halbe Stunde Weges lang, bis zum Schwefelbrunnen führt.
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In einer Septembernacht, — des Erzählers Urgroßvater in Dalheim ſpricht, — ging ich, wie es damals Brauch war, Birnen ſammeln, in der Meinung, der Tag werde bald anbrechen. Bei dem Neudörfchens-Kreuz ſah ich plötzlich eine ſchlanke, weiße Frauengeſtalt vor mir dahergehen. Ich hielt ſie für Jeannette, die auch Birnen ſammeln wolle, und eilte, ihr zuvorzu— tommen, aber trotzdem ſie nur langſam zu geben ſchien, vermochte ichs doch nicht, ſie einzuholen. Da bog ich ab, quer übers Feld zu mehreren rieſengroßen Birnbäumen; aber obgleich der Wind ſtark wehte, vermochte ich nicht, eine einzige Birne zu finden. Ich ſchlug die erſte Richtung wieder ein. Da ſah ich die Jeannette am Fußpfad ſtehen, der am Saum des Waldes vorbeiführt, ruhig und ſtill, als ob ſie mich beobachten wolle. An dem Berg— rücken, genannt die Ho, angelangt, hörte ich durch den Wind die Birnen herabfallen, ſie fielen mir ſogar auf den Kopf, aber finden konnte ich keine.
*) Zu erwähnen iſt, daß bet der Zerſtörung des Schloſſes unter der grünen Kammer in einem tiefen Verliez fünf Menjchengerippe aufgefunden worden jind.
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Da hörte ich die Turmuhr von Dalheim Mitternacht ſchlagen. Ich kehrte zurück und ſah das Weib wiederum noch immer am Saume des Waldes. Plötzlich ſtieß es einen hellen Schrei aus.
Zu Hauſe angekommen, hörte ich von den meinigen, daß das nicht Jeannette, ſondern ein Geiſt ſei, der ſich nächtlicherweile dort ſehen ließ. Da beſchloß ich zurückzukehren, verrichtete ein Gebet, beſprengte mich mit Weihwaſſer, ſteckte einiges Geſegnete zu mir und verließ das Haus. Furcht kannte ich nicht, auf Schlachtfeldern hatte ich dem Tod ſchon oft ins Auge geſchaut, und da ich jenen mächtigen Geiſterſpruch kannte, der alle Geiſter Rede ſtehen thut, ſo wollte ich dem Geiſte zu Leibe rücken. Aber ich fand ihn nicht mehr an der vorigen Stelle. Schon begann es zu tagen, als ich plötz— lich ein leijes Wimmern vernabm; jodann erfolgte ein jo furchtbarer Knall, daß ich meinte, der ganze Wald jei auf einen Haufen gefallen ; das Geräujch ward noch furctbarer. Ich jtand in einem Meer von Flammen, Schlag auf Schlag erfolgte; da begann die Erde nachzugeben, ich bielt die Hände über den Kopf und brad zujammen. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mid) unter dem Schwefelberg. Wie ich binabgefommen, weiß ich nicht. Plöglich jab ich die weiße Frauengeſtalt wieder an mir vorüberjchweben, jchnell wie ein Pfeil; wie auf Flügeln getragen, durchflog fie die Luft bis zum Schwefel: brunnen, wo jie unter häufigen Klagetönen meinen Augen entſchwand. Ich kletterte den Hügel wieder binauf, und oben jah ich den Erdboden nicht mehr durch die Unmaſſe von Birnen, die denjelben bededten; Aeſte, ja jogar ganze Bäume lagen da zujammengebrocen. Zu Haufe ward ich mit Fragen beftürmt, aber ich ſchwieg.
3.
Ein anderer Dann aus Dalbeim erzäblt, er jet an einem Sonntag: nachmittag längs dem Judenfelſen bin bis zum alten Berg, und von da binab ins Höllenthal (eine Stunde von Dalbeim) gegangen; das Nollen des Donners aber babe ibn zur Rückkehr bewogen. Es ward immer finjterer, jo finfter, daß er den ſchmalen Fußpfad nicht mehr jab. Er geriet in der Duntel- beit in ein Labyrinth von Dornen und Geftrüpp. Er hörte deutlich das Rollen eines Wagens, er rief laut, aber nur das Echo antwortete. Ta gewabhrte er einen bellen Streifen und fern ein Yicht daberwandeln. Er ging geradeswegs auf das Yicht zu, neben jich hörte er das Waſſer rauſchen; plöglid begann der Boden naczugeben, und er verſank in Schlamm und Waſſer bis an die Hüften. Das Licht verihwand in der Luft unter jchallendem Gelächter. Während der Donner fürcterlid rollte und die Blite zudten, arbeitete ſich der Mann aus dem Zumpf. Beim Schein des Bliges erkannte er, daß er jih in einem der alten Weiber befand, welche ebemals der Herrſchaft Gonde: lingen angebörten. Dort mindet das Waſſer des Schwefelbrunnens und bildet nur mehr große Sümpfe. Da jab er plöglich den Brunnengeiſt in bellem Xichticheine wie aus der Erde emportauden, am jenjeitigen Ufer des alten
—
Weihers dahinſchweben, die Luft unter häufigen Klagetönen nach allen Rich— tungen durchkreiſend. Bald erhob ſich ein heftiger Wirbelwind, der alle Bäume auf den Mann zu ſchleudern drohte. In ſeiner Angſt lief er, ohne zu wiſſen wohin, und geriet in den Schleidbach, der von dem ſchweren Ges‘ witter ſehr angeichwollen war. Die Wellen jchleuderten ihn von einer Seite zur anderen, doch arbeitete er jich heraus. Die jhaurige Gejtalt verlor ſich am Hurenjtein, dem gegenüberliegenden Berg. Die Klagetöne langen aber nob immer in jeinen Ohren, als der Dann, blutend und mit Wunden bededt, bei der Schleivmühle ankam.
So irrt diejer Geift noch immer bis zum heutigen Tage und findet weder Rajt noch Ruhe.
41. Der St. Willibrorbusguell bei Daleiden,
ALS der beilige Willibrordus nad Daleiden fam und predigte, gaben ihm die dortigen Heiden fein Gebör und veripotteten den Heiligen und feine Predigt. „Wolan,“ vier St. Willibrordus, „jo will ich von euch mweazieben, aber, bevor ich ſcheide, ein Zeichen binterlaffen, damit ihr febet, wie groß unjer Gott ift“. Und mit jeinem Stabe jchlug er an den Felſen, auf dem er jtand, und ein reicher Quell jprudelte bervor, der noch bis jetzt quillt und St. Willibrordusquell beißt.
J. Engling, Manujfript, 265.
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42. Betborn. 1;
Mitten im Dorfe Betborn befindet ſich nicht weit von der Kirche ein Brunnen, der ein überaus klares und friihes Waller liefert. Die Sage gebt, der bl. Willibrordus babe vorzeiten in dieſem Brunnen getauft. Vor einigen Jahrhunderten, meldet die Sage weiter, babe plöglih ein Muttergottesbild inmitten des Brunnens geltanden. Mehrere Verſuche, das Bild an anderer Stelle unterzubringen, jeien fruchtlos gewejen, indem dasjelbe immer an jeinen alten Standort zurüdfebrte. Von nun an pilgerte man zablreih von nab und fern zu dem Wunderbilde ; der Brunnen ward Betborn genannt und diefer Name auf das Dorf übertragen.
2.
In dem zwiichen Pratz und Blaten gelegenen Thale jpielten einft Knaben an einer Quelle und gewahrten plöglid darin ein Muttergottesbild. Das Bild wurde ausgeboben und am Brunnen aufgejtellt. Schnell batte jich der Ruf von dem Wunder verbreitet, und jcharenweis ftrömten die Pilger berbei,
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die Gottesmutter zu verehren und Abhilfe ihrer Leiden zu erfleben. Und da viele erbört wurden, nannte man den Brunnen Betborn.
Man beijhloß nun, eine Kapelle zu erbauen und das Bild darin aufzu— ftellen. Und jieb da, am anderen Morgen fanden ſich Steine zum Bau der Rapelle am Brunnen aufgebäuft. Als man jedoch bald gewabhrte, daß es die Steine waren, die man zu Prag zum Bau einer Kirche zujammengetragen batte, bradte man bdiejelben an ihren Platz zurüd; aber o Wunder! am folgenden Morgen lagen alle Steine wieder an der Marienquelle. Es war nun offenbar, daß Maria an der Quelle, wo jie aufgefunden, verehrt jein wollte; dort ward alſo die Kapelle erbaut und ebenfalld Betborn genannt. Auch das Dorf, das nah und nah um die Kapelle erftand, erbielt diejen Namen.
Kapelle und Muttergottesbild aber jind längit verſchwunden.
3. Engling, Manujfript, 210.
43. Verwandlung des Waſſers in Wein.
Durchs ganze Luremburger Land gebt im Volke die Sage, daß in der heiligen Chriſtnacht um die zwölfte Stunde alles Waller jih in Wein ver: wandle, und daß derjenige, dem es gelänge, den rechten Augenblid der Ver: wandlung zu erjpäben, einen Trank fojten fönne, der über jeden Begriff föftlih und erquidend, ja geeignet jei, den Menjchen auf ewige Zeit vor Krankheit und Tod zu bewahren.
Viele baben es Schon verjucht, diefen Augenblid zu erlauern; feinem aber iſt es noch gelungen. Doc, jo erzäblt die Sage, var einft ein Mann jo glüdlich, den köſtlichen Wein jchöpfen zu können, fojten aber konnte er ihn nicht. Das ging jo zu. Dieſer Mann batte ſich in der hl. Nacht an den Chagrinsbrunnen im Müblbachtbal (Gemeinde Eich) begeben. „Dies Waſſer,“ dachte er, „iſt das föftlichite weit und breit, wie föftlich muß exit der Wein werden”. Fleißig lanerte er am Brunnen ; aber anjtatt ſich die Zeit mit frommem Gebet zu vertreiben, jang er einen gemeinen Gajjenbauer, kurz, es war ibm nicht um eine beilige Handlung, jondern bloß um den lederen Genuß zu thun. Nachdem er lange geſchöpft und gefojtet, füllte jich endlich jeine Schale mit perlendem Mein. „Juchhei!“ rief er aus, „alles Wafler ift Wein!” — „Und du bijt mein !“ rief plöglich neben ihm eine fehredliche Beftalt, faßte ihn am Genid und drebte ihm den Hals um, bevor er noch einen Tropfen genoſſen.
Am anderen Tag fand man den Leichnam des Unglüdlichen am Brunnen, das Gejicht zum Naden gekehrt.
Pfarrer J. B. Klein, nach einem Manujfript von M. Stejien.
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44. Bon den dreien, welche in der Chriſtnacht ausgingen, um Wein zu holen.
Nah altem Volksglauben joll in der bl. Chriſtnacht ein Zeitpunkt fein,- wo ſich alle Waſſer in Wein verwandeln. Wie die meiiten glauben, tritt dies gerade um Mitternacht ein.
Am Weibnahtsabend waren zu NRodingen Iujtige Gejellen beifammen und fprachen von mandherlei, auch von der Verwandlung des Wafjers in Rein. „Das wollen wir verſuchen!“ riefen die drei verwegeniten, nabmen jeder einen Krug und begaben fich zum nächften Brunnen. Als Mitternacht ſchlug, trat einer hinzu, jchöpfte und rief :
„Herbei, ibr Leut, Halt(et) euch bereit! Ale Waffer find Wein!" — „Und du bift mein !“ reimte der Teufel, erfaßte ibn und rannte mit ihm von dannen.
Vor Schrecken bleib, famen die beiden anderen zu ihren Kameraden zu: rüd. Bon diejer Stunde an foll fi nie mehr ein Menſch getraut baben, in der bl. Chriſtnacht Wein fchöpfen zu geben.
P. Hummer, Lehrer.
45. Das Et. Nilolausbild zu Ehnen.
Im Jahre 1764 kamen zwei Ebnener Winzer, ob. Pet. Kohl und Wilh.
Kiefer, mit Trauben in einem kleinen Kahne die Mojel heraufgefahren. Als fie am jogenannten Wehr, etwa zwanzig Meter unterhalb Ehnen, angelangt waren, drobte der Nachen plöglih zu verjinfen. In diefer äußerften Gefahr flebten die beiden Winzer zum Patrone der Schiffer, dem bl. Nikolaus, und gelobten, falls fie mit dem Leben davonkämen, ein Bild des Heiligen am Ufer der Moſel aufzuftellen und jedes Jahr, am jehsten Dezember, eine brennende Kerze vor das Bild zu ftellen. Und jieh! faum batten fie dies Gelübde ge: macht, ald der Nachen, wie von unfichtbarer Hand geleitet, auf den Wellen iher dabinglitt, fih wandte und jtromabwärts trieb. Die Winzer waren gerettet. Einige Monate jpäter jtand in einer Niiche, die in einer am rech’en Mojelufer erbauten Mauer angebrabt worden, eine jchöne, aus Holz ver: jertigte Statue des bl. Nikolaus. Und jedes Jahr, am St. Nikfolausfefte, wird von den Nachkommen der Geretteten eine brennende Kerze vor das Bild bin: gejtellt, das fich jebt in einer Art Kapelle im Felſen befindet.
Wenige Jahre nahber ereignete es ji, daß das Bild dur die Wogen der hochangeſchwollenen Moſel mit fortgeriffen wurde. Einige Fiſcher ſahen
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dasſelbe unterhalb Wormeldingen aufrecht ſtehend auf dem Waſſer ruhig dahingleiten. Sie erkannten das Bild und brachten es nach Ehnen zurück.
Als zu Anfang unſeres Jahrhunderts die Franzoſen auf ihrem Rückzug aus Deutſchland teilweiſe auch durch unſer Land kamen, ſchoſſen einige Sol— daten nach dem Bilde; heute noch iſt in des Heiligen Mantel das Loch einer Kugel zu ſehen.
Die Kinder des Dorfes glauben, der hl. Nikolaus verfertige Backwerk für ſie am jenſeitigen Ufer, wenn ſie an den paar dem Feſte des Heiligen vorhergehenden Abenden die Kerze vor dem Bilde brennen ſehen.
Die Schiffsleute ziehen, wenn ſie am Bilde vorbeifahren, ehrfurchtsvoll ihre Schiffsmütze ab, unterbrechen ihr gewöhnliches Fluchen und ſcheinen zu beten.
II. Baumfagen,
46. Die hohle Eiche und das Löwenfräulein zu Eid.
Am Ende des Dorfes Eich, unweit des Spitals, gejtattet am linfen Ufer der Alzet ein alter Pfad die Einfahrt in die Eicher Wiejen. Tiefer Pfad beißt noch heute Föwenfräuleinspfad (Lewfrächeshfelchen). Dort ſtand vorzeiten ein dider Eichenſtamm, der inwendig bobl war. In diefem Stamme, beißt es, babe ein Fräulein gewohnt, das einen zahmen Löwen gebabt habe und deshalb Léwfrächen hieß. Auch ſoll aus diefem Eichenſtamme jeden Abend ein Irrlicht bervorgefommen jein. Näheres weiß man nicht mehr zu erzäblen.
Von diefer boblen Eiche, behauptet man, babe das Dorf Eich feinen Namen.
47. Die Marieneihe am Erispinusfelfen.
Unter allen Gnabdenbildern des Luremburger Yandes ift das Bild der TIröfterin der Betrübten zu Luremburg das befanntefte und weit und breit berühmt durch die Wunder, die bei demjelben geſchahen. Nach der Bolksjage entdedten im Jahre 1627 Zöglinge des ejuitenkollegiums auf einem Spa: ziergange am Bergabbang des Eicherberges, am Grispinusfelien, in einer boblen Eiche ein in Holz geſchnitztes Marienbild. Sofort hoben jie ehrfurchts— voll das Bild aus und bradten es in ihr Kollegium. Am näcjten Morgen aber fand es jich, daß das Bild an jeinen früberen Platz zurüdgefebrt war. Das tmwiederbolte jihb auch ein zweites Mal. Da beihloß man, das Bild unter dem Namen Tröjterin der Betrübten in der dur die Sorgfalt der Jeſuitenväter bald nachher vollendeten Marienfapelle vor dem Neutbor, in der Gegend des jegigen Kirchbofes, unterzubringen. Dort verblieb dasjelbe bis 1796, wo es nach Zeritörung der Kapelle in die Stadt gebracht wurde. Seitdem ſteht es auf dem Hochaltar der Hauptkirche zu Luremburg, und zahlreiche Pilger jtrömen alljährlih in der Muttergottesoktave zum Bilde der Tröfterin der Betrübten, ſeit 1667 Echugpatronin des Luremburger Landes.
48, Die Marieneiche bei Alttrier.
Auf balbem Wege zwiſchen Alttrier und Hersberg ſteht eine uralte, ehr: würdige Eiche, die einen Umfang von nabezu fieben Meter hat, und in der eine
——
0,80 M. hohe, 0,65 M. breite, 0,70 M. tiefe, durch ein Eiſengitter verſchloſ— jene Niſche angebracht iſt. In dieſer Niſche ſteht ſeit Menſchengedenken ein hölzernes Marienbild, genannt Maria im Walde oder kurzweg Bildchen.
Nach der Volkstradition ſtammt die Eiche Mariä im Walde aus der Zeit, wo Alttrier noch eine Stadt gewejen. Die Marieneiche nehme, heißt es, troß: dem fie jich alljährlich von neuem mit Laub bedede, dennoch weder zu nod) ab und jei nicht umzubauen ; das Marienbild könne wol auf eine Zeit, nie aber auf die Dauer aus feiner Niiche verjchtwinden.
%. Engling, Publications etc., XV, 180 fag.
49, Der Marienbaum zu Marienthal,
Gemäß einer weit verbreiteten Sage war diefer Baum, wahrſcheinlich eine Bude, von ungebeuerem Umfange und befand fich an dem nördlichen Sandfeljen. Schon im zehnten Jahrhundert joll er jih an Ort und Stelle gefunden und das fteinerne Muttergottesbild, das einjt jo boch verehrt und 1816 in einem Kapellen des Marientbalerbofes aufgejtellt wurde, in einer natürlichen Aushöhlung jeines Stammes getragen baben.
%. Engling, Publications etc., XVI, 107.
Süngeren Urjprungs ijt die folgende Sage. Gegen das „jahr 1230 be: juchte Dietrih, Herr von Merſch, feine Beſitzungen, die er im Eijchtbale unterhalb Hoblfel3 batte. Da bemerkte er in einem boblen Baume ein jteinernes Muttergottesbild. Ehrfurchtsvoll bob er es aus und bracdte es in fein Schloß. Aber tags darauf war das Bild verſchwunden und zu feinem alten Standorte zurüdgefehrt. Wieder ausgeboben und an ficheren Ort ge: bradt, kehrte es troß aller Wachſamkeit zum zweiten und auch ein drittes Mal in den boblen Baum zurüd. Da ward es Dietrich Mar, daß die bl. Gottes: mutter fich diejes Thal zu ihrer Verehrung auserwäblt babe; er ließ ihr deshalb dort eine Kapelle erbauen und die wunderbare Statue bineinjegen. Als bald nachher die Gläubigen von nab, und fern im Thal zur Verehrung der Gottesmutter zujammenftrömten, ſah er jich bewogen, dort aud ein Frauenkloſter zu gründen. Thal und Kloſter erbielten den Namen Marienthal.
Bertholet, histoire du duche de Luxembourg, V, 2.
50, Die Marieneiche auf dem Marienberg zu Anſemburg. 1,
Der wohledle Herr von Anſemburg, jo berichtet nab Hrn. Dr, Nilles eine alte Anjemburger Kamilientradition, macte eines Tages einen Spasier- gang nad dem gegenüberliegenden Berge, dem beutigen Marienberg. Zu
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jeiner nicht geringen Ueberraſchung fand er auf der Anhöhe an einen der dickſten Eichenjtämme ein Feines Muttergottesbild, das ibm freundlich ent: gegenzuläheln und ihn zu jich zu rufen ſchien. Er trat mit feiner Begleit: ſchaft näber binzu, verrichtete fnieend ein andädtiges Gebet zu Ehren der göttliben Mutter, nahm das Bild ehrerbietigit vom Baume berunter und ließ es noch am nämliben Tage nah der Pfarrfirhe von QTüntingen bringen, wo demjelben vom würdigen Pfarrer der ibm gebührende Pla angewiejen wurde. Am anderen Morgen jevoh war das Bild verfhwunden, und ſchon vermutete man eine gottesräuberische Entwendung des Heiligtums, als gegen Abend ein Abgejandter des Herrn von Anjemburg das Bild mit der Ver: fiherung zurüdbracdte, man babe es vor einigen Stunden wieder am näm— liben Baume, wie tags vorher, entdedt. Als jih aber aud am zweiten und dritten Tage dasjelbe wiederbolte, und die troß aller getroffenen Vorſichts— maßregeln aus der Kirche verſchwundene Statue fich jedesmal am nämlichen Baume wiederfand, da glaubte man den Finger Gottes nicht länger ver: fennen zu dürfen. Die Eiche jammt dem ganzen Berge wurde nın dem Dienfte der Mutter des Herrn geweibt. In den ungebeueren Stamm ward Altar und Kapelle eingebauen, dem Berge aber von dem Tage an der Name Marien: berg gegeben. |
Publications etc., XVI, 98.
2.
In der Nähe des Schlofjes Anſemburg, an der Stelle, wo fich jegt die Muttergottesfapelle auf dem Marienberg erhebt, jtand eine alte ebrwürdige Eiche. Einft ging bier die Gräfin von Anjemburg fpazieren und, von ſchwerem Kummer gedrüdt, jeufzte jie laut auf. Als fie ſich der Eiche näherte, öffnete jich diejelbe, und aus derjelben trat ein niedliches Muttergottesbild, das der Gräfin janft zuzulächeln jchien. Sogleich rief fie ihre Dienerinnen, die ſich in einiger Entfernung befanden, und befahl ihnen, das Bild in die Schloßfapelle zu tragen. Später ließ fie eine Kapelle an eben dem Orte erbauen, wo fie das Bild gefunden batte, und dasjelbe bineinjegen.
Lehrer Conrad zu Hohlfels.
51. Die Marienbuche zu Klerf.
Zu Klerf jteht eine berrlihe Muttergottesfapelle, würdig als Pfarrkirche zu dienen. Dieje Kapelle entbält das gemalte Abbild einer jehr alten Mutter: gottesitatue aus Holz, welche, wie die Volksüberlieferung verfichert, fich früber an der Stelle diejes Gebäudes auf einer hoben Buche befand und von diejer auf feinerlei Art wegzubringen war, bis für fie um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Gottesbau errichtet wurde.
J. Engling, Publications etec., XV, 101.
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52. Das Gnabenbild zu Girft.
1.
Die Muttergottesſtatue, die ſich jetzt in der Girſter Klauſe befindet, ſtand vor uralter Zeit in einer alten Mauer inmitten einer Haſelſtaude an derſelben Stelle, wo ſpäter das Kirchlein erbaut wurde. Dort ent— deckten es Leute aus Rosport und trugen es ehrfurchtsvoll in ein Heiligen— häuschen in der Nähe ihres Dorfes. Am anderen Morgen aber war das Muttergottesbildchen wieder an ſeinem früheren Standorte. Nachdem man dasſelbe ſo dreimal in das Heiligenhäuschen gebracht und es jedesmal an ſeinen alten Ort zurückgekehrt war, ſtellte man es in der Haſelſtaude auf, woher denn auch die üblichen Benennungen Maria von der Haſelſtaude, Unſere Liebe Frau von der Stauden, Muttergottes von der haſelter Hecke, Benennungen, die noch gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts im Luxem— burgiſchen gangbar waren, und womit man noch heute in der Eifel und auf dem Hunsrücken das Bild bezeichnet.
J. Prott, Luxemb. Marienfalender, Jahrg. 1880. 7.
2
Ein Hirt aus der Umgegend von Girſt, welcher einem von der Herde abgekommenen Rinde nachſpürte, vernahm auf einmal aus dem Dunkel des Laubes eine Stimme, welche rief: „Nimm mich mit!“ konnte aber niemand um ſich her gewahren. Da erhob er ſeine Augen himmelwärts, erblickte ein hellſtrahlendes Madonnenbild auf einer hohen Eiche und vernahm wieder dieſelbe Stimme und denſelben Ruf. Sogleich erkletterte er den Baum und nahm das Bild herunter. Er wollte es mit nach Hauſe nehmen, allein als er zu einem Steinhaufen vor dem Walde kam, vermochte er das Bild weder vorwärts noch rückwärts weiter zu tragen; daraus ſchloß er, es müſſe dem— ſelben an dieſer Stelle ein Obdach errichtet werden. So ward die jetzt noch beſtehende Girſter Kapelle erbaut.
J. Engling, Publications ete., XVI, 102.
53. Das Bildchen zu Bianden.
1.
Am 1. Mai des „jahres 994 büteten mebrere Knaben ibre weidenden Ziegen an den Ufern der Ur, etwa eine Viertelftunde oberhalb Vianden. Zum Zeitvertreib zündeten fie ein Feuer an. Einer von ihnen war auf eine Eiche geflettert, um dürres Holz abzubrechen; da bemerkte er zwiichen den Zweigen ein bölzernes Muttergottesbild, das er aushob und jubelnd feinen Kameraden vorzeigte. Diejen aber ſchien das Bild wertlos, und fie warfen es ins euer.
Allein das Bild verbrannte nicht, ſondern ftrablte unverfehrt in wunderbarem Slanze. Die erichrodenen Knaben eilten nah Haufe, und bald war der Vor: fall in ganz Vianden befannt. Zahlreich folgten die Einwohner der Geiftlich: feit zur Stelle, wo ihnen das wunderbare Bild inmitten der Flammen ent: gegenftrahlte. In feierlicher Prozeſſion brachte man die Statue nah Vianden, wo fie auf dem Hocaltare der Pfarrkirche zur Verehrung ausgejtellt wurde, bis man ihr ein eigenes Kapellden an dem Fundorte erbaute ; dort jteht
— a
fie noch bis zur Stunde. Eröque de la Basse-Moutürie, 449.
2
*
Vor vielen Jahren hütete der Ziegenhirte von Vianden in dem ſoge— nannten Bonzelberge ſeine Herde. Als er am Abende hin und her kletterte, um ſeine Ziegen zur Heimfahrt zu ſammeln, fand er in einer alten, mooſigen Lay ein kleines Muttergottesbildchen. Er hob es aus, trug es unter dem Arme heim und übergab es dem Abte des Kloſters von Vianden, der es ſogleich in der Kloſterkirche aufſtellte.
Das Bildchen aber blieb nicht da. Am anderen Morgen war es ver— ſchwunden, und man fand es an ſeiner alten Stelle wieder. Ein zweites Mal zur Kloſterkirche getragen, kehrte es auch ein zweites Mal an ſeinen früheren Ort zurück.
Man hielt es aber nicht für ratſam und bequem, das Bildchen in der hohen Lay zu laſſen, und trug es in die nabe gelegene Neukirche. Aber, o Wunder! ald am anderen Morgen ein Priefter in aller Frühe in die Kirche trat, um Meile zu lejen, war das Bildchen wieder verſchwunden. Auch dies: mal war es über Nacht zu feinem eriten Standort in der alten Lay zurüd- gekehrt. Das Röckchen war durchnäßt und unten am Rande vom Staube des Weges beichmugt. Denn es war eine ſtürmiſche und regneriihe Nacht ge: weſen.
„Das iſt ein Zeichen“, rief der Abt bei dieſem Anblick aus, „daß die Muttergottes den Weg zu Fuß zurückgelegt hat, und daß ſie an keiner anderen Stelle thronen will, als hier“. Und darauf verordnete er, daß man das Bildchen an der Stelle ſtehen laſſe, wo es gefunden worden war.
Nun ließ man eine kleine Grotte in den alten Felſen hauen und ſtellte dort das Bildchen zur öffentlichen Verehrung aus. Von da an ward die Lay ein Zufluchtsort für alle. Unſere Liebe Frau erzeigte ſich gar gnädig, ſo daß die Gläubigen von nah und fern fie gerne und häufig beſuchten und vor ihrer beſcheidenen Betjtätte Troit und Hilfe fanden.
%. Prott, Pfarrer,
BE. — 54. Die KRreuzbuche beim Ktreuzhof.
An der Landitrafe Luremburg-Bettemburg ſteht mitten im Walde, in der Nähe von Kodelicheuer ein einjames Wirtöhaus, genannt der Kreuz: oder Schnappshof. Den Namen Kreuzhof hat e8 erhalten, weil ein Kruzifir an einer alten, in der Nähe ſtehenden Buche angebeftet ijt.
Hier, was ein etwa fiebzigjähriger Mann, der auf dem Schnappsbof geboren ift, darüber erzählt :
Bor ungefähr fünfzig Jahren reisten zwei Männer aus dem Röſerthal durch den Habichter Wald (Habay nördlich von Arlon). Sie fanden das Kreuz in einem alten Weidenbaum, hoben es aus und bradten es mit ins Röſerthal. Der eine von ihnen ließ das Kreuz in einer kleinen Niiche über feiner Hausthür einmauern. Jedoch von diefer Zeit an ward der Mann von allerlei Unglücsfällen heimgeſucht. Es ſtarb ihm bald darauf feine Frau, und als er eines Tages mit einem Karren nad Luremburg fuhr, ertranf er auf der Heimreife bei dem Dorfe Fentingen in der Alzet. Darauf wurde jein Haus verfteigert ; ein Mann aus dem Röſerthal eritand es. Bei der Ber: fteigerung ſagte diefer, er kaufe zwar das Haus, das Kreuz aber wolle er nicht, da es allgemein heiße, dasjelbe babe all das Unglüd über den Er: truntenen gebradt. Dann nahm er in Begleitung eines Mannes aus dem Dorf das Kreuz, und beide nagelten dasjelbe beim Schnappsbof an die Buche, wo es ſich noch jetzt befindet. E3 mögen etiva drei und dreißig Jahre ber fein, feitdem das Kreuz; an diefe Buche geheftet worden; es trägt jedoch die Jahreszahl 1629.
Daß man im Jahre 1855 beim Spalten einer diden Buche im Innern derjelben jenes Kruzifir, das früher auf geheimnisvolle Art verſchwunden jei, wieder entdedt habe, davon weiß niemand zu erzählen.
55. Das runde Bäumchen bei Buß.
Auf einer Kleinen Anhöhe, die den Knotenpunkt zweier ſich Freuzender Waldwege bildet, auf der Grenzicheide zwijchen dem Buſche der Sektion Bus und einem anderen, genannt Reiter, jteht das „runde Bäumchen“, eine uralte dide, Inorrige Eiche, in deren Stamm eine mit dem Beile eingehauene, faft meterhohe Nijche ſich befindet. Bis zur Stunde ijt diefe Eiche hochgeachtet und gilt dem Volke als beiliger Baum. Darum bat fie auch des Holzbaders Art verſchont, obgleich fie im Abjterben begriffen ift und ihre Tage ſchon oft gezählt zu jein jchienen.
Die einen behaupten, man balte den gedadten Baum in Ehren wegen religiösshiftorifcher Erinnerungen, die fih an denjelben fnüpfen. Als unter der Schredensberrichaft der erſten franzöfiihen Nepublif der Vikar, Hr. Proſt, flüchtig werden mußte, richtete ihm der Holzbader Bour von Bus unweit des runden Bäumchens in einer Waldſchlucht, genannt Katzenloch,
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eine Nothütte zum Verſtecke ber. Weil die alte Eiche auf einer Anböbe ſteht, an deren Fuß vier Waldiwege zujammenlaufen, konnte diejelbe zum natür: liben Sammelorte der Gläubigen dienen. Am Fuße des Baumes, der jein mäctiges Geäſt als ſchützendes Dach weit ausjtredte, jtand der Notaltar, auf dem Hr. Vilar Proſt thränenden Auges das bl. Mefopfer feierte. Hier auch belebrte und tröftete er das unglückliche Landvolk. Da mochte wol die Niſche ein Kruzifir oder Heiligenbild geborgen baben. Doc weiß die Ueber: lieferung über den Verbleib desjelben Feine beftimmte Auskunft zu geben, noch auch darüber, daß vor oder nah gedachter Periode irgend etwas Merkwür: diges dajelbit gefunden worden.
Andere bebaupten, der Baum jei aus folgenden Gründen erhalten worden. Derjelbe diene nämlich jeit alten Zeiten als Grenze des Bufer Belittums, als ‚ Drientierungspunft für die Waldbejucher, ald Sammelplag bei Holzveritei- gerungen. Der Neiterbujch gebörte früber den Einwohnern von Bus, die dem ebemaligen Grafen von Nentgen (Lothringen) zu Frondienſten verpflichtet waren. Um ſich einige Erleihterung oder Vergünjtigung zu erwirfen, über: trugen fie dem Fronberrn das Eigentumsrecht über den bezeichneten Wald: teil, welcher unter der franzöfiihen Republik fonfisciert und an Privatleute verfauft wurde. Das runde Bäumchen wurde als Demarkationspunkt zwijchen Gemeinde: und Privateigentum anerkannt. Die Ausböblung im Stamme des Baumes aber, heißt es, babe dem Waldhüter Schuß gegen den Nordwind und ein ziemlich leivliches Nubeplägchen gewährt.
Heinr. Elemen, Pfarrer zu Bus.
56. St. Willibrorbuslinden. l,
„Auf der Anböbe von Aijelborn bejtehen noch jetzt vier ind Viereck ge- pflanzte jchöne Linden, welche jchon über ein Jahrhundert vier andere an derjelben Stelle abitändig gewordene erjegen. Zwiſchen ibnen in der Mitte, jagt man jeit Menfchenerinnerung, ftand die Tragkanzel, von welder berab der bi. Willibrordus predigte. — Unterhalb der gedachten Linden befindet fih auch ein Born, vorzeiten St. Willibrordusborn genannt.”
J. Engling, Apoftolat des bi. Willibrord, 71. 2
—
Neben dem alten Schloſſe zu Roth, das früher eine Komturei der Tempel: berren war und beute dem Hrn. Andre gebört, dit an dem um das alte Kirchlein liegenden Kirchhof, fteht eine Linde von gewaltigem Umfang. Nach der Tradition joll der bl. Willibrord bei einer Durchreije diejelbe gepflanzt haben; fie wird noch beute Willibrorduslinde genannt.
ZN. Mon.
— Re 57. Die drei Linden zu Ulflingen (Trois-Vierges).
„Zu Ulflingen, wo früber der Dreigöttinnendienft tief eingetwurzelt var, jab man jonjt drei bobe Linden, an welchen vor längerer Zeit, bebufs Ber: drängung diefer Abgötterei, die Bilder der bb. Sopbienstöchter - angebracht waren. Viele meinen, der urjprünglide Impuls zu dieſer Verdrängung jei vom b. Willibrordus ausgegangen.“
%. Engling, Apojtolat des bi. Willibrord, 72.
58. Der Bauler Kleeschen.
Etwa eine Stunde von Vianden, auf einer durch ihre herrliche Ausſicht weit und breit befannten Anböbe, jtebt der Bauler Kleeschen, eine Linde, die - ihren Namen von einem vor alter Zeit dort jtebenden KHläuschen bat. Heute iit die Klauſe längft in Trümmer gejunfen ; einige wenige Mauerrejte und ein Häuflein Steingeröll, die noch um die Linde berumliegen, und ein Feines Kreuz bezeichnen die Stelle, wo fie jtand. Die urjprüngliche Linde wurde vorzeiten umgebauen und joll einen gewaltigen Umfang gebabt baben. In ihrer Näbe war es nie recht gebeuer: noch beute jollen der wilde Jäger und äbnliche Beifter ihren Spuk dajelbit treiben. Der Bauer, der den ebrwürdigen Baumriejen umgebauen, mußte, aufer anderen Strafen, eine neue Linde an die Stelle der alten pflanzen und, um deren jchnelles Wachstum zn befördern, diejelbe mit jieben Fuder Mift düngen.
Noch heute joll, der Sage nab, ein Schatz in der Näbe des Bauler Kleeschen neun Schub tief in der Erde vergraben liegen, und zwar auf der Stelle, weldye der Schatten der Lindenkrone Schlag Mittag bevedt. Als man Nachgrabungen anjtellte, fand es jich, daß jene Berechnung noch zur Zeit der alten Linde gemacht worden, und man mußte die Arbeit einftellen.
IN. Moes.
— — —
59. Noch einige geheiligte Bäume.
Im Hochwalde, einer jet nackten Anhöhe bei Hesperingen, ftand einft eine ehrwürdige Buche, auf welcher fich, wie die Volksſage meldet, das nun in der Pfarrkirche zu Hesperingen tbronende Muttergottesbild befand.
Man verfihert, daß die umfangreiche Eiche, die fich oberhalb Heisdorf am Saume des Grünenwaldes, in-dem Waldteile des Hrn. L. de la Fontaine, auf dem Himbeerfnüppchen, neben einer eben jo enormen Buche befindet, eine Marieneiche geweſen ſei. Jedenfalls jtebt feſt, daß man häufig biehin kam, um unter ihren Aeſten zu beten.
Zwiſchen den Ortichaften Ebner und Schweich ftand ehedem, bis zur
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erſten franzöſiſchen Nevolution, eine altehrwürdige Eiche, die noch 1861 lebende Perſonen geſehen haben. Das Bild, welches ſie in ſeiner Niſche barg, war wie in dieſelbe eingewachſen, von Statur klein, und verſammelte zahlreiche Verehrer von nah und fern um ſich.
Am Fuße des Kohlenberges nächſt Beckerich erhob ſich ein uralter, um— fangreicher Eichbaum, der nicht zu verwechſeln iſt mit der noch beſtehenden dickſtämmigen Eiche oberhalb desſelben Ortes im Wald, an welche ein Bild der Schmerzensmutter mit dem vom Kreuze genommenen Heiland genagelt iſt. Die erſtgenannte Marieneiche enthielt in einer etwas über dem Boden angebrachten Niſche ein Marienbild, das in hoher Verehrung ſtand. Vor dieſem Marienbilde brannten die von den Gläubigen geopferten Kerzen und ſpäter eine Laterne bis zum Jahr 1813, wo beim Durchmarſche der Allürten Eiche und Bild verichiwanden.
Neben diejer Eiche jtand eine Buche von gleiber Größe mit einer in fie geichnigten Niſche, in der ein Kruzifir bing. Diejer Baum teilte das Los der Marieneiche, und der Heiland wurde an einem danebenitebenden Kreuze angebracht.
5%. Engling, Publications ete., XVI, 100 fag.
60. Die Antoniusbucdhe bei Eid a. d. Sauer, 1,
Am Abbange zwiſchen Eih und Ejchdorf jteht in einem am "einer alten Buche befeftigten KHäftchen die Statue des b. Antonius mit dem Jeſus— findlein.
Zu diejer Statue pilgerten in früberen Zeiten die Leute, welche irgend einen Gegenitand verloren hatten, in dem Glauben, der Heilige werde ihnen belfen das Verlorene wiederfinden. Um jich den Heiligen geneigt zu machen, warfen fie ein Feines Geldopfer in das Käſtchen. Heute noch fteht dies Bild in Ehren, und ferngläubige Cbriften nehmen noch zuweilen ihre Zuflucht zu demjelben.
Lehrer Schlöſſer zu Eich a. d. Sauer.
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Dicht an der Straße, welche von Eſch nach Eſchdorf führt, befindet ſich an einer alten ehrwürdigen Buche in einer kleinen Niſche das Bild des hl. Antonius.
Zwei kleine Kinder von Eſch (ſo lautet die Sage), welche in den Buſch gegangen waren, um Holz zu ſammeln, fanden dort das ungefähr 60 Centi— meter hohe, hölzerne Bildchen an einer Buche bangen. Sie zeigten dies als— bald dem Pfarrer an, welder es in die eine Viertelitunde abwärts auf einem fleinen ‘Plateau am Fuße eines boben Berges jtebende Kapelle tragen
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ließ, wo es auf dem Altare aufgeſtellt wurde. Allein ſchon in der folgenden Nacht kehrte es an ſeinen Platz im Buſche zurück. Der Verſuch wurde noch drei- bis viermal wiederbolt, jedesmal kehrte das Bild an ſeine alte Stelle zurüd. Da wurde dasjelbe an eine dicht an der Straße jtebende dide Buche befejtigt, wo es eine bleibende Stelle finden jollte, und jedes Jahr wurde vor dem Bilde der Segen an das zablreide, von allen Seiten berjuftrömende Volk erteilt.
Jedoch die Buche, woran das Bild Ding, war ganz bobl, jo daß zu be- fürdten jtand, daß jie über Furz oder lang umjtürzen werde. Ein paar Schritte abwärts jtand ebenfalls eine dide Buche; der Pfarrer ſchlug vor, das Bild an dieje zu befejtigen und die andere umzubauen. Aber niemand erfübnte ji, dies zu thun. Da entichloß ſich der Pfarrer, zuerit mit einer Art in die Buche zu bauen, worauf die Dorfjugend diejelbe vollends fällte. Eine Keine Nijhe wurde nun am die neu eingejegnete Buche befejtigt und das Bild darin aufgeftellt. Die Wallfabrer warfen alsdann ihre Opferjpenden in die etwa drei Meter hoch ſtehende Nijche.
Obſchon die Prozeſſion, welche alljährlich zu dem Bilde pilgerte, jebt jhon lange eingeitellt it, ſtrömen dennoch jährlich viele Pilger zu dieſem Drte, verrichten bier ibr Gebet und werfen dann ibre Opferjpenden in den eijernen Opferfajten, welcher an die Stelle der Niſche getreten ift.
uremburger Land, 1883, Nr. 14.
61. Das Homännden bei Eſch a. d. Sauer.
In der Ho, einem Walde zwijchen Eſch und Ejchdorf, bielt ſich ebemals ein in einen jchwarzen Mantel gebüllter Mann auf, das Homännden ge: nannt, welches alle Neijende, die dort vorbeigingen, mit Schreden erfüllte. An welchem Ende des Waldes er ſich auch befinden mochte, jobald er hörte, daß jemand kam, verließ er jeine Stelle, rauſchte dur die Lüfte herbei und ftellte jih unbeweglih an die am Wege jtebende Et. Antoniusbude (in welcher ein uraltes Bild des bi. Antonius eingerahmt war), wo die Leute vorbeigeben mußten. Niemand that er etwas zuleide, nur ftarrte er die Leute jo wild an, daß ſich jeder fürchtete.
Nachdem er lange fein Unweſen getrieben, wurde er durch einen frommen Mann, unter Anrufung des bl. Antonius, in einen Ginſterſtrauch gebannt.
Lehrer Schlöffer in Eich a. d. Sauer.
62. Der glühende Baumftamm bei Mertert.
Einer Fran, die von Mertert nah Grevenmacher ging, erſchien, als fie an den Ort „op em Meileſteen“, eine Biertelitunde oberbalb Mertert, ange:
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langt war, ein Geſpenſt in Geſtalt eines glühenden Baumſtammes, der ſich hinter ihr herwälzte, indem er von einer Seite der Straße zur anderen rollte und dabei ein Gepolter verurſachte, als wenn zwei leere Fäſſer über— einander rollten. Nachdem der feurige Baumſtamm ihr einige Minuten lang nachgekommen war, rollte er mit lautem Ziſchen in die nahe Moſel, wobei das Waſſer hoch emporſpritzte.
63. Die geſpenſtiſche Buche im Buchholzer Wald.
Zu Anfang dieſes Jahrhunderts gingen eines Abends fünf Taglöhner in den Buchholzer Wald bei Dalheim, Holz zu ſtehlen. Als der eine ſeine Hotte geladen batte, ſtellte er ſie wider eine Buche, um fie auf den Rüden zu jchieben. Aber kaum batte er fich bingejegt, um fie aufzubeben, jo fiel das Holz zu Boden, während die Hotte fteben blieb. Dies wiederholte ſich ſechs— mal naceinander. Da riet ihm einer, ſich gegen eine andere Buche zu jtellen, und nun gelang es ibm, die Hotte auf den Rüden zu beben. Als fie ſich aber anſchickten, den Wald zu verlaffen, jtand vor ihnen eine Niejenge- ftalt. Dieje begleitete jie big zum Ausgang des Waldes, wo fie wieder um: febrte.
64. Der Herenbaum zu Eontern.
In der alten Schloßmwieje zu Contern, jebt Henfespeih genannt, ſtand vor etwa vierzig Jahren ein alter, großer Birnbaum, an deſſen moofigen Aeſten viele Mijtelbüjche glänzten. In der Nähe desjelben waren die Trüm— mer eines alten Haujes fihtbar. Diejer Baum wurde allgemein unter dem Bolfe Herenbaum genannt.
Nicht jelten ließ fih um Mitternacht zu Gontern eine wunderliebliche Muſik hören, welche dur die Lüfte zwiichen dem Knäppchen und dem alten Schloſſe beranjchwebte und jich in der Krone des Herenbaumes niederlieh. Zumweilen aud fam die Muſik von Syren über den dicht bei Contern ge- legenen Gröndel. „Hört!“ jagten dann die Dorfbewohner, „das find die Heren. Nun ſammeln jie fi um den Herenbaum, um ihre Tänze zu halten und unerlaubte Freuden zu genießen.” Einmal geſchah es, daß fie dort über ihrem wüjten Treiben von einem jchweren Gewitter überfallen wurden. Da brachen jie wütend auf und zogen mit entjeglihem Lärm beulend und ziſchend vor demjelben ber nah Dalbeim. Als fie aber in die Näbe diejes Dorfes famen, fingen plöglich die Gloden zu läuten an. „Nach Mondorf !” rief da die Vorjteberin, „nah Mondorf! denn die Hunde von Dalbeim bellen !*
J. Prott, Pfarrer.
— 42 — 65. Der Hexenbaum im Grünenwald.
Im Grünenwald bei Eijenborn war ein alter Herr, der viel Gejinde hatte, und unter diejen einen Kleinen Knecht, der jeden Abend mit den Ochjen in den Wald fubr und fih unter einem Baum in feine Deden einbillte, während er die Ochſen weiden ließ. Eines Abends lag er auch jo unter einem großen Baum, als er über ſich in den Aeſten und Zweigen einen Yärm vernahm, als jeien alle Eulen des Waldes auf dem Baume. Der Knecht jitterte vor Angjt, warf ſich auf die Kniee und betete, jo gut er Eonnte, bis das bölliihe Geräuſch aufbörte. Die Ochjen hatten ſich im Walde zerjtreut, und er mußte lange juchen, bis er fie wieder zuſammen batte und nad Haufe treiben konnte. Als die Ochſen im Stalle waren, fühlte der Knecht Schmerzen in der rechten Schulter; er wimmerte jo jebr, daß der alte Herr ibn börte, aufitand und fragte, was ibm feble; der Knecht erzählte, wie es ibm er: gangen. Der Herr nahm ein Buch und betete drei Tage lang; endlich, am dritten Tage, fühlte der Knecht feine Schmerzen mebr. „Es war dein Glüd, daß du jo gut unter dem Baume gebetet bajt“, fagte der Herr; „die Seren waren auf dem Baume, aber fie batten feine Macht über dich. Hättejt du nicht jo gut gebetet, jo wäre es dir jchlecht ergangen, und ich hätte dir nicht helfen können.“
N. Gonner.
66. Die ſchwarze Buche zu Siebenbrunnen.
Im Baumbuſch, diht an der Landjtraße, die von Siebenbrunnen nad Kopftal führt, befindet jich eine Buche, deren Aeſte jchwarz find und die des: halb die Schwarze Buche genannt wird. Der Baum ſteht beim Volfe in hoben Ehren, und hat ibn auch bis jegt die Art des Holzbauers verfchont.
Daß aber der betrogene Teufel durch diejen Baum gefabren und dadurd deſſen Aeſte Schwarz geworden jeien, davon wiſſen auch die ältejten Leute des Ortes nichts zu erzählen.
III. Zwergfagen. Wilde Jeute.
67. Die Wichtelher in der Gegend von Merid.
Die Wichtlein find bejonders im Merjcherthale jehr zahlreich gewejen ; um Merſch jelbit zeigt man verjchiedene Wohnungen derjelben, jo auf der Höhe bei Angelsberg. Tie befanntejten find die bei Schönfels und Redingen. Am Fuße eines Felſens bei Schönfel®, genannt op Wichteldhesl&, befindet jih der ziemlich enge, num verjchüttete Eingang zur Wichtelheswohnung, die ich tief in den Berg bineinzieht, ein Labyrinth von Gängen bildet und auf der anderen Seite des Berges bei Nedingen münden foll. Hier bei Nedingen erbebt fich der jogenannte Wichtelchesfels mit dem Wichtelchesloch, durch welches man in einen boblen Gang gelangt. Manch verwegener Burfche hat denfelben ſchon auf eine weite Strede verfolgt, obne deſſen Ende zu erreichen. Einſt war einer, mit zwei Pfund Talglichter verjeben, bineingedrungen, aber es erging ihm wie den anderen. Hier haben die Erdmännchen gehaust. Die: jelben batten im Thale einen Brunnen gegraben, den Wichtelchespöß, fo tief, dab niemand wußte, wie tief. Drei Tage lang hatten vorzeiten die umlie— genden Gemeinden Steine bineinfahren laffen, obne ihn jedoch ausfüllen zu fünnen. Dieſer Wichtelchespög ift heute ein Feiner Moraft von etwa zwei Meter im Durchmeifer und mit Gebölz überdedt. Der Ort beißt im Hals (enge Thalſchlucht), und joll dort vorzeiten ein Dorf gejtanden haben; alte Yeute haben dajelbit noch Steinhaufen und Grabmäler gefeben.
Alte Weiber behaupten, die Wichtlein noch aus dem Wichtelchesfeljen berunterfommen gejeben zu haben; fie jeien ein bis anderthalb Fuß hoch geweien und bätten an Queritangen, die fie über den Schultern trugen, Eimer gebabt, damit jeien fie zur Eich gegangen, um Waſſer zu holen. Nie: mand bätten jie etwas zuleide getban. Da man ihnen nachſpürte, kamen fie nur mebr während der Nacht aus ihrer Behaufung bervor, um braven, frommen und ordnungsliebenden Leuten an ihrer Arbeit zu belfen; den böjen aber fügten fie Schaden zu, wo ſie nur konnten, und nahmen deren Korn auf dem Felde.
Dieje Wichtlein, jagen die Leute, waren jchlau, geſchicklich, arbeitiam und gefällig gegen gute Menfchen ; fie flohen die menſchlichen Wohnungen und lebten gejellig untereinander. Als Kopfbededung trugen fie jahraus jabrein einen großen Strobbut, jonjt waren fie wie die Menjchen gekleidet ; jtet$ trugen fie einen Spaten oder eine Hade auf der Schulter.
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Ein achtzigjähriger Mann erzählt, daß er eines Abends den Plug auf dem Felde babe jtehen lafjen, und daß er am folgenden Tage jeinen Ader ganz umgepflügt gefunden babe.
Einft pflügte ein Bauer, in der Näbe des Wichtelchesfeljens, und da er im Inneren desjelben ſchwache Stimmen vernabm, welche riefen: „Bad mir auch eins !” jo trat er an den Feljen beran und rief ebenfalls: „Wichtel: männden, badt mir auch ein Brödlein !* Alsbald verſtummten die Stimmen im Feljen, und alles war rubig. Der Bauer fehrte zu jeinem Pfluge zurüd, und ſieh! da lag ein feines Brödchen auf demjelben, das die Eigenſchaft batte, nicht abzunehmen, joviel er auch davon abſchnitt und af. Eobald er aber den Leuten des Dorfes davon erzählte, nahm das Brödcen ab und war bald ganz verzehrt.
68. Das Wichtelchen zu Reckingen.
Zu Nedingen bei Merjch lebte vor langer Zeit eine arme Wittwe mit ihrem Sohne, namens Beter. Da fie ihr Aderpferd verloren und fein Geld batte, fi ein anderes anzufchaffen, jo war es ibr unmöglich geworden, ibre Aecker zu beitellen. Der Eleine Peter machte ſich desbalb auf den Weg zu feinen Obeime, der in Rollingen wohnte, um denjelben zu bitten, ibm fein Pferd zu leihen. Aber der harte Obeim wies ibn mit abjchlägiger Antwort ab. Traurig kehrte Peter nah NRedingen zurüd. Da gejellte jih unterwegs ein Wichtelmännlein zu ibm, das ihn um die Urſache jeiner Niedergejchlagen: beit fragte. Nachdem Peter ihm jein Leid geklagt, forderte das Wichtlein ibn auf, am Abende durch jeine Nachbaren das nötige Adergerät und das Sa— menkorn auf den Ader, den er zuerjt beitellt haben wollte, jchaffen zu lajjen ; er werde dann für das übrige jorgen.
Peter that, wie der Zwerg ihn gebeißen, und fand am anderen Morgen den Ader gepflügt, eingejät und eingeeggt. So gings auch an den folgenden Tagen, bis alle Weder der gevrüdten Familie beftellt waren. ,
69. Die Wichtelcher bei Medingen und ihr Verfolger.
In einem Gemeindewalde von Merſch, zwiſchen Nedingen und Hoblfels, etwa zwanzig Meter oberhalb der Straße von Merih nach Anjemburg, ift eine Feljengrotte, wo vor vielen, vielen Jahren Wichtelber wohnten. Den Feljen nennt man noch heute Wichtelchesle. Die Leute der benachbarten Ort— ſchaften verjaben die Wichtelcher reichlich mit Nahrungsmitteln, welche fie am Eingange der Grotte niederlegten, ohne je bei Tage einen der MWichtelcher zu jeben. Bei Nacht aber bearbeiteten dieje die Felder derjenigen, die ihnen die
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Gebensmittel gaben, oder, wenn diefe feine Felder hatten, fanden diejelben iher des Morgens Holz für mebrere Wochen vor ihrer Thüre liegen.
Zwiſchen Schönfeld und Marienthal bielt jich zu derſelben Zeit ein Klausner auf. Diejer war ebenjo beliebt wie die Michtelcber. Er batte für jedermann einen quten Nat; war jemand frank, jo balf ficher der Klausner, wenn es feine unbeilbare Kranfbeit war. Die Wichtelcher lieferten ihm die beilenden Kräuter ; dieje fochte der Klausner im Mafler, das er aus dem Hunnebur jchöpfte, und das ebenfalls Heilfraft bejigen ſoll, zumal bei Augen: und Hautfranfbeiten.
Auf dem Schlofje von Hohlfels wohnte damals ein Mann, namens Steinbart. Diejer war früber Knecht bei der Herrichaft von Hohlfels geweſen und hatte das Glück, jeinem Herrn mit eigener Lebensgefahr das Leben zu retten. Die Herrſchaft wohnte damals in Lothringen. Um den Knecht zu be: lohnen, übergab man ibm lebenslänglib das Schloß Hohlfels mit den um: liegenden Gütern. Tiejer Knecht aber war jo bart wie fein Name, Er war gewöhnlich in betrunfenem Juitande, und dann war fein Menjch ficher vor ihm. Bejonders mochte er weder den Klausner noch die Wichtelcher leiden, weil dieje in der ganzen Gegend in jo bober Achtung jtanden. Eines Tages begegnete er dem Klausner und jchlug mit einem Stod nad ihm; diefer fonnte ſich nur durch jchnelle Flucht retten. Der Klausner ſah nun wol ein, daß er in feiner Klauſe nicht mehr ficher jei, doch mwollte er die Gegend nicht verlafjen. Er flüchtete ſich deshalb in eine Felfengrotte bei Schönfels, welche einen Durchgang batte bis in das Eiſchthal in der MWichtelchesle. Obſchon jeder wußte, daß der Klausner ſich dort aufbielt, fo fagten die Leute doc, um Steinbart irre zu führen, er fei aus der Gegend verſchwunden. Weil Steinbart fib nun nicht am Klausner rähen konnte, jo ging er des Nachts aus, um den Wichtelhern aufzujpäben und fie zu vertreiben. Sn ihre Wohnung jedoch vermochte er nicht einzudringen ; zwar fannte jeder den Haupteingang zur MWichtelhesgrotte, niemand jedoch, außer dem Klausner, konnte zu ihnen gelangen, weil der Gang durch einen Feljen verſchloſſen war, welcher ſich nur dur eine bejondere Vorrihtung öffnen ließ. Daneben gab es noch ver: ſchiedene Auswege, die niemand Fannte.
Eines Abends ging nun Steinhart aus, um die Wichtelder auf dem Felde oder im Walde zu überrajchen ; er ftellte fih auf einen Felſen, unter dem er öfter ihre Spuren erkannt batte. Beim Mondichein fab er auch wirklich eine Anzahl diefer kleinen Leutchen, und unter ihnen mit Erjtaunen auch den Klausner, am Fuße des Feljens vorbeigeben. Plöglich ftieß er einen jchweren Stein, den er zu diefem Zwecke dahingebracht hatte, auf die Wich— telber berunter, traf aber niemand von ihnen; er jelbit verlor durch die Anjtrengung das Gleichgewicht und ftürzte mit zerichmettertem Leibe in die Tiefe mitten unter die Wichtelder. Er war aber nody nicht ganz tot, fonnte noch fluchen und die Schuld feines Unglüdes auf die MWichteldher
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ſchieben. Der Klausner ſagte ihm, er thäte beſſer, ſich mit Gott zu verſöhnen. „Mit euerem Gott iſts ja nichts“, rief er; „ehe ich mich dazu verſtehe, wollte ich lieber ſteinhart werden, wie mein Name iſt.“ — „Gebt acht, daß euer Wunſch nicht in Erfüllung gebe“, ſagte ihm der gottesfürchtige Klausner. — Auf einmal ftieß Steinbart einen Schmerzensjhrei aus, und da er fühlte, daß jein Ende berannabe, jagte er: „Sollte ih bier iterben, jo bitte ich euch, (und, wie man jagt, joll man einem Sterbenden feine Bitte abſchlagen), bringt mich auf den Felſen, von dem ich herunter gefallen, da will ich ftein- hart werben, wenn euer Gott etwas fertig bringt.“ — „Unſer Gott“, jagte der Klausner, „kann jogar dur das Waſſer Steine erzeugen.” Höbnend er: widerte jener: „Nun ja, dann kann er das Waſſer unter mir ja auch jo verwandeln”. Nach diefen Worten fam ihm das Blut aus dem Munde, und er verſchied. Die Zwerge bradten ibn auf den Felſen, jeuten ibn dort mit dem Nüden an eine Erhöbung gelehnt und entfernten ſich ſchweigend. Am folgenden Tage begaben fie fich wieder hinauf zum Felſen, fanden aber an der Stelle, wo fie Steinbart bingelebnt, nur mebr einen Stein. Bon diejer Zeit an mieden fie den Drt. Kein Menſch außer ihnen und dem Klausner wußte, wo Steinbart bingefommen. Mehrere Jahre ſpäter jtarb der Klausner; auf feinem Sterbebette offenbarte er, wie Steinbart gejtorben jei, war aber plöß- li tot, bevor er die Unglüdsjtätte bezeichnen konnte. Tie Wichtelcher waren nun auch aus der Gegend verichwunden.
Der Erzähler diefer Sage fügt hinzu:
Vor ſechs Wochen befand ich mich in der Gegend, woher die Sage ftammt. Als Naturfreund bejah ich mir die Felſen und befonders einen allein: ftehenden, der einen Dann vorjtellt. Man fiebt deutlih den Kopf, die Augen u. ſ. w.; er bat einen ſpitzen Hut auf. Das wird nun wol der Steinbart ſein. Rund um den Berg fließen Brunnen den Berg berunter, welche Hol, Gras, Moos, u. ſ. w. verjteinern.
Der Feljen befindet fi im Linebuſch und ift Eigentum des Hrn. de la Fontaine aus Luremburg.
70. Die Wichtelcher zu Bichten.
Zu Vihten konnte man die Wohnungen der Zwerge noch vor fünfzig Jahren ſehen. Es waren kleine unterirdiihe Gemächer, Kleine Brunnen. Ein Mann, der, in der Meinung einen Schatz zu entdeden, in feinem Garten Nahgrabungen angeftellt hatte, ſtieß auf eine von der Zeit verſchont geblie- bene unterirdiſche Wohnung. Dort jollen die Wichtelcher gehaust haben, kleine Männlein, die den Menjchen nur Gutes tbaten. Vor kaum zehn Jahren ift zu Vichten ein Mann gejtorben, den die Wichtelcher in feiner Kindheit gewiegt haben. Sonntags morgens, wenn die Hausleute in der Kirche waren, famen fie ganz leife ins Haus, wiegten den Kleinen und fütterten die Pferde und Kühe.
Meer |. DEPHE
Ein Bauer, der jeinen Ader pflügte, börte einjt die Wichtlein unter der Erdſchichte mit Küchengeſchirr klappern. „Ei“, jagte er, „badt mir doch auch einen Kuchen mit.” Als er den Pflug gewendet hatte und wieder an diejelbe Stelle fam, fand er auf einem Kleinen, reinliben, am Boden ausgebreiteten Tuche einen fleinen Kuchen, den er fich wohl jchmeden Lie.
Nach L’Eveque de la Basse-Moüturie joll bei Vichten auf dem Wege nach Biljen, wo fib Trümmer alter Bauten befinden, der Palaſt der Zwerge geitanden baben, und Bichten jelbit joll, wie es jchon fein Name andeute, die Hauptitadt der Zwerge gewejen jein. Bier berrichte Schaddai friedlich über das Zwergvolf, bis eine Empörung unter demjelben ausbrac, die dem Könige das Yeben foitete.
Unter dem Sceuerbujh wohnten in unterirdiichen Gängen ebenfalls Zwerge, die jo reih waren, daß fie ihre Mäuje mit Gold fütterten. Man will deren gejeben haben, die an einem Goldſtück nagend umberliefen.
Auch die Zwerge zu Bichten waren ſehr reich, reicher als alle andere. Einſt joll ein Vichtener Zwerg einem feiner Stammgenoijen unter der Scheuer: burg im Scheuerbüfch gejagt baben: „Wenn ihr Pflüge mit filbernem Pflug: eijen babt, um euere Aeder zu pflügen, jo baben wir deren mit goldener Pflugſchar“. Die Vichtener Zwerge batten u. a. das Necht, jeven Samstag von einem Haufe in Vichten einen Badofen Brodfuchen (Flämekoch) zu fordern.*)
71. Wichtelcher zu Luremburg.
Ein Bäder, der zu Luremburg in der FFleiicheritraße wohnte, hatte fo viele Arbeit, daß er allein fie unmöglich machen konnte; Gefellen aber konnte er feine befommen. Verdrießlich legte er fich abends zu Bette. Als er mor: gens aufitand, fand der überrajchte Meijter alle Arbeit getban. Die guten Wichtelher hatten während der Nacht dem Manne aus der Berlegenbeit ge: bolfen. Dasjelbe geichah auch an den beiden folgenden Tagen. Am vierten aber fluchte der Bäder einmal: „Alle Teufel aus der Hölle!” Da famen die Wichtelcher nicht mehr zurüd.
72. Die Wichteldjer zu Beggen.
In der Nähe von Beggen wohnten die MWichtelher auf einer Anhöhe, die noch heute den Namen op de Wichtelcher trägt. Dort bielten fie fich in unterirdiihen Wohnungen und Gängen auf, welche ſich nach allen Seiten hin verziweigten und jogar bis zur Alzet führten. Oft jah man fie an der Alzet
*) Jtineraire du Luxembourg germ., 363 fg.
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Waſſer Ihöpfen und dann auf einmal unter dem Boden verſchwinden. Auch zeigt man heute noch die jogenannten Wichtellöcher.
Ein Bauer aus Beggen, aus dem Krellenhauſe, fuhr eines Tages dort am Pfluge. Ta börte er Stimmen unter dem Boden, welche riefen: „Bad mir einen Flauch! Mir auh! Mir auch einen Flauch!“ Der Mann rief jcherzend: „Mir auch einen Flauch!“ und entfernte ſich. Als er am anderen Tage zurüdfehrte, lag ein Eleines Brod auf dem Pfluge. Er nabm es mit nah Haufe, und er und feine Familie aßen täglich davon, obne daß das Brod abnahm, wie oft fie auch davon jchnitten. Tem Bauer glückte von nun an alles und er wurde ein mwohlbabender Mann. Auf dem Brod aber ftand gefchrieben, der Bauer dürfe niemand verraten, woher er das Brod babe. Eines Tages jedoch fam ein Bekannter ins Haus; man legte demfelben, wie e8 damals Brauch war, das Brod vor, damit er davon ejje. Als jener aber danfend ausſchlug, entichlüpfte dem Bauer das unbejonnene Wort: „Iß nur davon, es ift MWichtelbrod !! Von dem Augenblide an nabm das Brod ab, und es blieb bald nichts mehr davon übrig.
Nach der Erzählung anderer, die nichts von der Aufichrift auf dem Brode wiffen, äußerte fich einft die Nachbarin : „Wie? ihr verfauft eneren Weizen und euer Korn, und doch habt ihr immer Brod!“ Da erzählte die Hausfrau von dem Brode, das wunderbarerweije nicht abnebme. Sobald fie aber das Geheimnis ausgeplaudert, ward das Brod wie andere Brode, und bald war nicht8 mehr davon übrig.
73. Die Wichtelcher zu Walferdingen,
Ein gewiſſer Weiß von Walferdingen fuhr eines Tages in der Nähe der Wichtelcheslöher auf dem Walferberg am Pflug. Da vernabm er das Gejchrei der Wichtelcher, weldhe am Baden waren, und er verjtand deutlich die Worte:
Mir back Zwieback ,
A mir en,
A mir och En!
Der Mann fagte: „A mir och Een!” und fuhr rüftig in feiner Arbeit fort. Als es Abend geworden, fpannte er feine Pferde aus, ließ den Plug auf dem Acer fteben und ging nad Haufe, ohne weiter an das Vorgefallene zu benfen.
Als er am anderen Morgen an den Pflug Fam, fand er einen jebr ſchönen Kuchen darauf liegen. Voll Freude dankte er den Michtelmänncen und lief mit dem Kuchen nach Haufe. Den Manne brachte der Kuchen Glüd ins Haus; denn, mochte man au daran jchneiden, jo viel man wollte, er nahm nicht ab, jo daß der Mann bald ſehr reich wurde.
Einjt fam ein armes Mütterlein an die Thüre diefes Wei und bat um
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ein Stücklein Brod. Die Bäuerin batte jedoch fein Mitleid und hieß die arme Alte barſch ibres Weges geben. Traurig entfernte ſich dieje ; der Kuchen aber nabm von der Zeit raſch ab und ging bald zu Ende, und mit ibm wich das Glück aus dem Hauſe.
N. Gonner.
74. Die Wichteldhestwohnungen zu Walferdingen.
Auf dem Berge von Walferdingen bausten einjt, wie die Sage gebt, die Wichtlein. Als eines Morgens Yandleute, die ih aufs Feld begaben, nabe . an einem Eleinen Loche vorbeifamen, börten jie Geficher und Geräuſch unter dem Boden. Neugierig fingen fie jogleih an, in diefem Loche nacdzugraben, und nach kurzer Arbeit befanden ſie jich in jcbön aufgebauten Näumen. Da ftand allerlei Küchengejcbirr und anderes Gerät, welces die Wichtlein den Menſchen geitoblen baben jollen. Auch fanden fie Gold, das fie mit ſich aufs Feld nabmen und während der Arbeit nicht aus den Augen liefen. Als fie jedoch am Abend nab Haufe zurückkehren wollten, war das Gold verſchwunden. Da begaben ſie jich wieder zum Loche, aber jtatt der jchönen Mauern jaben fie nur mehr Trümmer: alles war zerichlagen und von Grund aus zerjtört.
75. Wichtelcher zu Helmfingen.
Im Helmjemer Buſch, am Orte Betichet, jind vier Löcher in einer Neibe wie gemeſſen; man nennt fie die vier Wichtelcheslöcher. Wenn man dort bineinfalle, beißt es, jo fomme man in der Näbe der Steinjeler Mühle heraus.
N. Gonner.
76. Die Wihtelcher zu Strafen. I.
Einem obne jeine Schuld in Armut geratenen Mann, der zu Straßen in einem beute noch befannten Hauſe wohnte, balfen die Wichtelcber wieder aus der Not, indem fie jeden Tag in aller Frühe die Arbeit in Haus und Stall und auf dem Felde verrichteten. Als der Winter herankam, legte der Mann den Wictelbern Kleidungsitüde in die Scheune, damit fie ſich gegen die Kälte ſchützen könnten. Da glaubten die Wichtlein, man bedürfe ibrer nicht mebr, und waren von der Zeit an verjchwunden.
Auch bier wird erzählt, daß ein pflügender Bauer, welcher Stimmen unter der Erde babe rufen hören: „Mir auch einen Kuchen! Dir auch einen - Kuchen!“ ebenfalls gerufen babe: „Auch mir einen Kuchen!“ Am anderen
Morgen babe er einen Kuchen auf dem Pfluge aefunden, und babe daran jchneiden können, jo viel er wollte, derielbe jei nie über die Hälfte verzehrt worden.
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In Kempenhaus trieben anfangs die Wichtelcher ihr wohlthätiges Weſen: nachts verrichteten ſie die Arbeit in Stall und Küche, fütterten die Pferde, droſchen, machten Butter, verfertigten zugeſchnittene Schube. Einſt jegte man ibnen Eſſen bin; da trauerten die fleinen Männlein, denn fie glaubten, man wolle ibnen ibren Lohn geben und bedürfe ibrer Dienſte nicht mebr. Sie wanderten aus diefem Haufe weg nad dem Hienenbaus. Dort walteten fie ebenjo wobltbätig wie im Kempenbaus. Ta fagte einft die Haus: frau: „Mir missen denen Deercher z’fesse gin!“ Sprads und tbat,cs aud. Da verichwanden die Wichtlein auf immer.
77. Das Heinzelmännden zu Bartringen.
In des Erzäblers Nachbarhauſe war vorzeiten ein Heinzelmännden als Stallknecht tbätig. Wenn der Nachbar des Abends das Futter für die Pferde vom Heuſchober in die Scheune berabgeworfen batte, rief er ibm zu: „Mor: gen fütterjt du die Pferde um die und die Stunde !” Sprachs und legte ſich beizeiten zu Bett. Der Kleine, der gewöhnlich hoch oben in der Scheune ſaß, vernabm den Befehl, antwortete nichts und gehorchte aufs pünftlichite. Kam der Bauer morgens in den Stall, fand er den Fleißigen auf einem Pferde fißen, den Pferdefamm in der Hand. Im Nu war dann Heinzelmännchen zum Raufloch hindurch auf dem Heuplatz.
Der Bauer war auch nicht undanfbar gegen jeinen fleißigen ®ehilfen ; jeden Tag wurden alle Thüren vom Stall bis zum Küchenberd aufgemact und Schüffel mit Eſſen, aber obne Yöffel, bingejegt. Hatte Heinzelmännden das Vorgefegte verzehrt, jo fprang er wieder an feinen Ort zurüd, um Stall und Pferde zu bejorgen.
Einſt war der Winter äußerft ftreng. Da liefen die Leute, aus Mitleid für ihren fleinen Knecht, diefem ein fleines Höslein verfertigen und legten dasjelbe neben das Eifen. Als nun zur Mittagszeit das Männlein wie ge: wöhnlich beranfam und das Höslein erblidte, blieb er finnend davor jteben. Die Leute riefen ihm zu, er folle die Hofe anziehen, da es jebr kalt ſei. Der Kleine aber glaubte, das Höslein wäre der Lohn für feine Arbeit, und die Leute möchten feiner gern los werden. Desbalb weinte er überlaut, verlieh das Haus und ward jeit diefer Zeit nicht mehr gejeben.
78. Die Wichtelmännden im Katzenfels. 1.
Im Kabenfels, diht am Wege, der von Mamer nach Kehlen führt, wohnten vor langer Zeit Wichtelmännchen in einer tiefen Kelienböblung. Sehen fonnte man fie nicht, wol aber gaben fie ihr Tafein fund durch die Arbeiten, die fie verrichteten, und die MWobltbaten, die fie beimlich jpendeten. Merkte z.B. ein auf dem naben der pflügender Bauer am aufiteigenden Rauche, daß die Wichte Brod bufen, jo rief wol der Pflugjunge (Treiber) laut zum Katenfel® binüber : „br lieben Wichtelmänncen, badt auch uns ein Brödchen mit!” Pilüger und Treiber fanden dann regelmäßig bei ihrer Rückkehr je ein Brödcen auf dem Pfluge liegen.
Einjt verliegten für immer die Wafjeraquellen des Boforter Hüttentverfes; das war für die ganze Umgegend ein barter Schlag, zumal da zu aleicher Zeit die Ernten jchlecht ausgefallen waren. Gin Dann aus Mamer, Bater von jieben Kindern, ging mit dem Reſt jeiner Barfcbaft nad Kteblen, um Brod zu faufen. Im dichten Schneegeitöber febrte er jpät abends traurig und obne Brod zurüd. Schon batte er den Kehlbach überjchritten, als er vor fich ein gewaltiges Klopfen und Geräusch börte. Indem er weiter ging, gewahrte er plöglicd dem Katenfels gegenüber auf den fogenannten Goldberg einen großen Feuerofen, um den fich allerlei Schatten bewegten. Es waren die Wichtel— männcen, deren Wohnung in der Näbe war. Der Mann näberte fich unver: merft und jchaute verwundert dem aeichäftigen Treiben zu. Die Zwerge hatten ganze Haufen Goldes umberliegen und noch immer prägten fie nene Münzen. Ta trat der Mann vor und flagte- jeine Not. Mitleidsvoll erlaubten ihm die Wichtlein, joviel Geld zu nebmen, als er bedurfte, um aller Not entboben zu fein. Als fih nun unſer Mann anichiete, feinen Wobltbätern zu danken, war alles verjchwunden. Bon der Zeit an bat ınan die Wichtelmännchen nie mebr beim Goldprägen überraſcht, jo ſehr auch die Neugier oder vielmehr die Habjucht die Einwohner von Mamer antrieb, fich bei den Zwerglein Reichtum zu bolen.
Die Wichtelmännchen trieben ibre Kuh zum Vieh der umliegenden Dörfer auf die Weide und büteten des Tieres ſorgſam; doch vermochte Feiner der Hirten je ein Wichtelchen zu jeben.
Lehrer Ries zu Mamer.
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Vor vielen Jahren, als die quten Wichtelmänncen noch im Lande waren und den Xeuten bei der Arbeit balfen, kam ein Dann, namens Mamer, am KHatenfels vorbei. Hier hörte er auf einmal das muntere Klopfen und Hämmern einer Schmiede, er fehrte ein und jab, wie die niedlichen Kleinen das Gold und Silber verarbeiteten, das fie nachts aus den Bergen bolten. Der Mann gründete ſich nun in der Nähe eine neue Heimat, dort
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two jeßt das Dorf Mamer liegt. Die Wichtelmännden aber jind verſchwun— den, jedod ihre Wohnung im Kabenfels kann man beute noch jeben.
P. Beh, Lehrer.
79. Die Wichtelcher in der Goldfaul.
In der Goldfaul, einer Einſenkung an dem Kehlbach bei Kehlen, haben porzeiten die MWichtelcher gebaust, deren Wohnungen, unterirdiiche Gänge, ſich von dort bis in den nabe gelegenen Ehlbuſch eritredten. Dieſe Kleinen Wejen balfen den Leuten bei der Arbeit, kamen nadts in die Scheune eines Bauern und droſchen dejien Horn. Das tbaten fie lange Zeit, bis eines Abends der Knecht, der Mitleid mit ihnen batte, ibnen, weil fie ja arbeiteten, Eſſen bin: ftellte. Aber von nun an famen die MWichtelcher nicht mehr wieder. Auch börten die Bauern, die in der Näbe der Goldfaul pflügten, die Zwergkinder der badenden Zwergmutter zurufen: „Mir auch einen Flauch! Mir aud) einen Flauch!“ Wenn dann ein Bauer rief: „Mir auch einen Flauch!“ dann fand er des anderen Morgens bei jeiner Rückkunft aufs Feld einen Kuchen auf der Pflugſchar liegen.
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80. Wichtelcher zu Kopftal.
MWichtelher hatte man zu Kopital im Orte genannt Buchenfelder. Dort, erzäblt man, habe man deren gejeben und auch jpäter beim Ausgraben nod Geräte von ihnen gefunden. Diejelben jeien nachts in die Ställe gegangen und hätten das Vieh gefüttert. Einſt ſah der Knecht des Ackerers Schneidejch ein Wichtlein nadt auf einer Kuh figen. Er zeigte dies dem Hausberrn an, und der Bauer legte eines Abends Kleider für das Männlein hin. Am folgenden Morgen waren die Kleider fort, aber auch die Wichtelder waren verſchwunden.
Lehrer Wahl zu Ropftal.
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81. Die Wichtelcher zu Dondelingen.
Am Ort genannt Fäſch ſteht ein bober Felſen, in welchem eine ziemlich geräumige Höhle ift. Dieje joll einer Familie von Wichtlein zur Wohnung gedient haben. Die Mutter bie Kran Holle.
Einſt pflügte ein Landmann, namens Michel Wagner, in einem Stüd Land, das einen Steinwurf weit vom Felſen liegt. Gegen zehn Uhr jegte er fib bin um auszuruben und eine Pfeife zu rauchen. Da börte er Stimmen vom Felſen berübertönen: „Bad mir einen Pflamb! Mir auch einen Pilamb (Flammkuchen) !” — „Mir aud einen Pflamb!“ rief der Landmann eben:
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falls. Und ſieh, als er am Nachmittag wieder an den Pflug ſpannte, hing ein ſchöner Kuchen an demſelben. Der war ſo gut, wie der beſte Zuckerbäcker zu der Zeit keinen verfertigen konnte.
82. Wichtlein auf dem Pirmesknapp.
Auf dem Pirmesfnapp bei Buderjcheid ſoll einſt ein Schloß der Tempel: berren geitanden haben, die alle in einer Nacht umgekommen jeien.
Fragt man unter dem Volfe nah, was man unter Tempelberren zu verjteben babe, jo beißt es allgemein, es jeien Kleine Männlein, Wichtelcher geweſen, die in unterirdiichen, mit Ziegeljteinen erbauten Wohnungen gebaust und das Heiligtum des Berges bedient hätten.
Dasjelbe wird auch erzäblt von der Heidenfirh am Heidericheidergrund. Hier jollen ebenfalls Wichtelher in unterirdiichen Ziegelmwohnungen gebaust baben.
%. Prott, Biarrer.
83. Biverge bei Diefird.
In einer Schlucht zwiſchen Diekirch und Ingeldorf pflegten jich die Tempelberren zu verfammeln. Es waren dies Feine Weſen, Kobolde, welche unter dem Boden hausten.
In einer Ebene, Wallebrob genannt, verjammelten ſich die Platt— füßchen zum Rate. Dies ift eine andere Art Kobolde, welcde ebenfalls unter der Erde leben.
34. Wichtelcher auf der Nud.
Auf der Nud bei Ettelbrüd jollen Wichtelder gebaust haben, von denen man nie wußte, ob fie aus: oder eingezogen waren, weil fie ibren Pferden die Hufeiſen verkehrt aufgeichlagen hatten.
85. Die Wichtelmännden bei Ettelbrüd.
Früher waren um Gttelbrüd eine Menge von Wichtelmännden ; fie famen bejonders aus der Nud und der Deiwelsbaadh. Vorzüglih war Warten von diejen Unbolden geplagt. Dort kamen fie in der Stallung von Witrn beraus. Die Wichtelmänncden vermehrten ſich in kurzem jo, daß die Ein: wohner von Ettelbrüd ſich genötigt jaben, Jagd auf fie zu machen. Dieje
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Unbolde hatten überall Löcher in den Bergen, die in unterirdiiche Höhlen führten. Heute nennt man dieje Köcher Fucslöcer. *)
86. Die Wichteldher zu Waren.
Zwifchen Erpeldingen und Warken zieben fich unterirdiide Gänge durch den Berg, welche die Zwerge ſich erbaut hatten und bewohnten. Ueber diejer unterirdiihen Wohnung wölbt fich die Hard. Zu Warfen hatten die Wichtel- cher ihren Aus: und Eingang in Wöllen hirer Täk ; der andere Ausgang war das jogenannte Füszelach in der Hoblbech gegenüber Erpeldingen. Die Wichtelcher brachten Korn in die Scheune, Mehl in die Mühle, Sped in den Schrank. Much bier jpendeten fie einem auf der Hard pflügenden Manne einen Flammkuchen.
87. Die Wichtelcher zu Michelau.
Auf der Flur Wichtel oder Wichtelchen oder Wichtelbäufer, einer Anböbe von 400—500 Fuß über dem Saueripiegel, oberbalb Michelau, jab man vor etwa dreißig Jahren noch eine Kaul (Erdvertiefung), äbnlich der Wichtelfaul nächſt Warken, der man, wie der legtgenannten, den Namen Wichtel: bäuschen gab.
Publications etc., XIV, 167.
88. Die Wichtelmännchen zu Berg.
In einem alten Haufe zu Berg fanden fich beitändig Wichtelmännden ein, welche die Pferde fütterten und diejelben fett machten, obne ibnen Heu zu geben. Die Bewohner des Haufes jaben fie oft in der Pferdefrippe, und da jie bemerften, daß fie ärmlich gekleidet waren, dauerten fie die Fleinen Weſen, und fie ließen ibnen neue Stleider machen und bängten diejelben an die Krippe. Da börten fie des Nachts die Wichtelmännden weinen und jammern, die Yeute im Haufe bedürften ihrer nicht mebr, und fie müßten jegt fort. Sie nabmen die Kleider, und von der Zeit an wurden jie nicht mehr im Haufe gejeben.
89. Die Wichtelmännchen zu Niederfeulen.
Auf der Gemarkung des Dorfes Niederfeulen, im Ort genannt Hinter:
*) Hier, wie in den drei vorftebenden Sagen, werden Tempelberren und Zwerge als ein und dasjelbe angejeben. Vgl. die Tempelberrenjagen in den hiſtoriſchen Sagen.
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berg, wohnten zur Zeit Wichtelmännchen in Höhlen tief unter der Erde. Sie waren faum jo groß wie ein achtjähriges Kind, ließen ſich am Tage nicht jeben, gingen nur nachts aus und fonnten jchneller laufen als das bejte Pferd. Sie jpannen das feinjte Garn für Hausfrauen, die ſich ihnen gewogen zeigten. Sie bolten das Gejpinnit jelbit ab und brachtens auch zurüd, obne daß man fie zu jeben befam, man mochte fie belaueren, wie man wollte, Wer ibnen etwas zuleide getban oder fie nicht leiden mochte, den bejtablen jie, wo und wie fie nur konnten ; die geitoblenen Sachen verwabhrten fie in ihrer Höble.
Ein jebr jtarfer Dann erwijchte einft eines dieſer Wichtelcber, das ibm ein Laib Brod geitoblen batte, bielt es feit und wollte es für jeinen Dieb: jtabl beitrafen. Aber das Wichtelmänncen jegte Tich zur Wehr, fragte dem Mann jchier die Augen aus dem Kopfe und bätte ihn wol noch tot geichla: gen, wenn der Mann ibm nicht entkommen wäre. Von diefer Zeit an fürch— teten die Leute fich jebr vor den Wichtelbern und gaben ibnen, was fie nur baben wollten.
Lehrer Ahnen zu Niederfeulen.
90. Die Freimeiefchleffer zu Heulen.
In den Feulener Heden befinden fich an einigen Stellen Weberbleibjel von Mauern, die man dort Freimeieſchleſſer nennt. Das jollen vorzeiten die Schlöffer und Wohnungen der Wichtelher geweſen fein. Dieje gejellten ſich zu den Leuten, welche die Heden jchleigten ; fie balfen ibnen bei der Arbeit, und die Leute teilten das Ejjen mit ihnen. Sie jollen jo groß wie ein Kind von drei bis vier Jahren gemwejen fein.
91. Wichtelcher bei Kaundorf. Vor Kaundorf erhebt jih ein jteiler Berg, Nuntjchelt genannt. Dort befindet fih ein Selen, wo vordem Wichtelcher gebaust baben ; es find noch Gänge im Felſen vorhanden.
Lehrer Eich zu Kaundorf.
92. Wichtelcher zu Gösdorf.
In dem Orte genannt Niedgesfeber zu Gösdorf waren früher Wichtel- männchen, welche ungefähr zwei Fuß groß waren. Das Eſſen, das man mit auf die Arbeit nahm, verihwand lange auf unerklärlihe Weije. Endlich be: merfte man, daß Wichtelder die Entwender waren. Auch die Tücher, welche man beim Säen gebrauchte, verichwanden auf diejelbe Weije.
Lehrer Wagener zu Gösdorf.
— 56 — 93. Die Wichtelcher im Heiderſcheidergrund.
Vor mehr als hundert Jahren, als die Wichtelmännden noch auf Erden wirtichafteten, bejtand im Heiderjcheidergrund (Gemeinde Heiderjcheid) an der Stelle, wo fih beute das Häufercompler Linden, Kavjer, Zoller befindet, eine Bapiermüble. Der Bejiter derjelben machte, troßdem die Müble am Tage jtillftand, dennoch glänzende Gejchäfte ; zudem verfertigte er das ſchönſte und bejte Papier weit umber. Sobald die Nacht hereinbrach, geriet auch die Mühle in Gang und arbeitete ununterbrochen bis zum Morgen. Darüber jchüttelten manche den Kopf, weil fie das nicht veritehen konnten. Die Urſache aber war folgende,
Einige Meter oberbalb der Bapiermüble batten die Wichtelder in einem Berge ibre Wohnung. Da diefe dem Mühlenbeſitzer zugetban waren, jo brachten jie demjelben jeden Tag bei einbredbender Dunfelbeit ganze Haufen Yumpen berbei, jo daß die Mühle die ganze Nacht vollauf zu tbun hatte.
Das ging eine Zeit lang jo fort, und die Yeute freuten ſich ibres Glüdes. Endlib Fam jie doch Neue an, da fie den Wichtlein die Yumpen abgenom: men batten. „Denn“, jagten fie, „die Wichtlein entiwenden anderen Yeuten die Lumpen, um fie uns zu bringen und uns zu bereichern ; das ijt nicht recht.” Sie teilten ihre Bedenken dem Herrn Baitor mit; dieſer ſchüttelte be: denflih den Kopf und gab ihnen folgenden Nat. „Berfertigt“, jagte er, „eine Mütze aus jieben Stüden (nad anderen eine dreifarbige Kappe), jedes von einer anderen Farbe, und bängt diefe Müge vor das Thor, jo werdet ihr die Kleinen Schelme los“. Als nun die Wichtlein die nächjte Nacht wieder: famen und die Mütze vor dem Thore bangen jaben, wurden jie traurig und jpraden : „Bier bängt unjer Lohn!“ entfernten jich eilig und kamen nie wieder. Bei den Beſitzern der Papiermühle aber zog das Unglüd ein; mit den beiten Yumpen bradten jie fein Papier mehr fertig. Das Geſchäft ging immer mehr rüdwärts, fie verfielen in Armut und Schulden und jtarben vor Grant.
Die Grotte, in welcher die Wichtelher während ihres Aufenthaltes bei der Mühle wobnten, kann man beute noch jeben. Der Eingang zu derjelben iſt jedoch fait ganz mit Steingeröll verfchüttet. Von jeber getraute ſich auch niemand, weiter als einen Meter tief in Ddiejelbe bineinzugeben, da man fürchtete, nicht mehr lebendig berauszjufommen.
Als die Wichtelber von da fortzogen, begaben fie fih op Ablbaufen, eine Bierteljtunde unterhalb Eſch a. d. Sauer. Später wurden jie auch von dort vertrieben, und feitber bat niemand fie mehr in der Gegend gejeben. Ihre Wohnung op Ahlhauſen bejtebt ebenfalls beute noch.
Nach den Mitteilungen der Lehrer Schlöffer und Georges.
94. Wichtlein bei Ei a. d. Sauer,
Vor vielen Jahren, als die Wichtlein noch in der Ranker Delt (einige Hundert Meter jüdlih von Ei a. d. Sauer) bausten, pflügten einft zwei Knete mit ibren Pferden in der Näbe eines Felſens, in welchem die Wicht: lein ihre Wobnung aufgeichlagen batten. Da börten fie auf einmal im Inneren des Felſens rufen: „Brod ein! Brod ein!” Da rief einer der Knechte: „suchen ein! Kuchen ein!” Als die Knechte nun wieder eine Furche gezogen batten und an derjelben Stelle ankamen, jaben fie auf der Erde eine große weiße Serviette ausgebreitet, auf welcher ein ſchöner Kuchen lag mit einem Meſſer dabei. „Sollen wir von dem Kuchen ejjen oder nicht?” fragte ber ältere Knecht. „Warum nicht ?” jagte der andere. „Die Wichtlein haben doc den Kuchen bingelegt, damit wir davon ejjen follen.” Sie afen den Kuchen ganz auf und liegen die Serviette liegen. Cine andere Furche ziebend, ent: fernten jie jich wieder, und als fie zur Stelle zurückkamen, war alles ab: geräumt.
Lehrer Schlöffer zu Eich a. d. Sauer.
95. Wichtlein zu Lulzhaufen.
Wichtelcher hatten ibren Aus: und Eingang in Kreſchhaus zu Lulzbaujen. Die Bewohner diejes Hauſes jegten abends das vom Nachteſſen Uebrigge— bliebene auf den Küchenjchranf, indem fie ſagten: „Das ift für die Wichtel— ber”, und gingen dann zur Nube, obne das Tiſchgeſchirr vom Tiſche geräumt zu baben. Morgens beim Aufſtehen fanden die Hausleute das Eßgeſchirr wohl geicheuert in Ordnung an jeinem Plate aufgetellt, das Haus gereinigt und die auf dem Küchenſchrank aufgeitellten Ueberreſte des Abendeſſens verzebrt.
Lehrer Schlöſſer zu Eich a. d. Sauer.
96. Die Wichtelcher in der Nähele,
Bei dem Dorfe Lulzbanfen befindet fich ein bober Felſen, die Kägel& ge- nannt, in welchem ſich jonft Wichtlein aufbielten. Eie waren einem Manne von Eich bejonders gewogen. Trieb diejer abends jeine zwei Pferde, ein rotes und ein weißes, in die Umgegend diejes Feljens und jchlief er ein, jo fand er bei jeinem Erwachen den Schimmel rein gelämmt; das rote Pferd aber war nicht angerührt worden. Das geſchah, jo oft der gute Mann feine Pferde in die Näbe der Kätzelé trieb.
Einjt fubr am Nacmittage ein Knecht an der Kätzelè vorbei an den Plug. Da börte er Stimmen im Felſen rufen: „Backt mir auch einen Kuchen mit!“ Scerzend rief auch der Knecht: „Badt auch mir einen mit!” Dann
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pflügte er den Ader, obne weiter an die Stimmen im Berge zu denken. Kaum aber batte er eine Stunde gepflügt, jo Fam ein Kleines Männlein daberge: laufen, das einen fleinen friichgebadenen Kuchen auf den Pflug niederlegte und daiın wieder jchnell davonhuſchte.
Mitteilungen der Lehrer Schlöfjer und Yaures.
97. Die Wichtelmännchen bei Berborf.
In der Krügheck bei Berdorf jollen Wichtelmännden ibre Wohnftätte gehabt haben. Einjt pflügte der Knecht aus Spelleſchhaus neben der Krügheck und börte, ala er am Nande des Waldes den Pflug wendete, wie zarte Stimmen im Inneren des alten Gemäuers riefen: „Mutter, bad mir auch einen Pfannenkuchen!“ — „DO, dann badt aud mir einen mit“, jagte der Knecht, trieb jeine Prerde wieder an und jab, als er zur nämlichen Stelle zurüdfam, auf ſäuberlich bingebreitetem Tuche einen Pfannenkuchen liegen, den er auch gleich mit qutem Appetit verzebrte. Bei jeiner abermaligen Rück— febr war das QTüchlein wieder verichwunden.
Luxemburger Land, 1883, Nr. 6.
98. Wichtelcher zu Stoppelhof.
Zwiſchen Konsdorfermühle, Dofterter Hof und Kalkesbach, etwa 1000 Meter oberhalb Konsdorfermühle, erſtreckt ſich das Feld der Wichtelhäuſercher. Hier hausten die Wichtelcher, kleine Männlein, die den Menſchen nur Gutes thaten. In obengenanntem Felde findet man wirklich kleine, unterirdiſche, aus einer Art von Ziegeln gebaute Wohnungen. Den Bauern, welche dort am Pfluge waren, teilten ſie oft von ihrem feingebackenen Brode mit, indem ſie ihnen heimlich ein Laibchen ans Ende der Furche legten. Heute ſind alle Wichtelcher verſchwunden.
99. Das Wichtlein zu Bollendorf und die Kuh mit goldenen Hörnern.
Vor gar langer Zeit weideten zu Bollendorf die Kühe unter der Obhut eines jungen Burſchen, dem an der treuen Erfüllung feiner Pflicht wenig gelegen war, und der desbalb die Kühe fo jpät als möglih auf die Weide trieb und möglichit früb des Abends ins Dorf zurüdbradte. Durch dieſe Nachläfigfeit mußte das arme Vieh natürlich leiden.
Ta geſchah e3 einft, daß eine glänzend weiße Kuh mit goldenen Hörnern aus dem naben Walde bervorfam, jih auf der Wieje zu den Bollendorfer üben gejellte und mit ibnen graste. Als der Burſche zur gewohnten Stunde
jeine Kühe nah Haufe zu treiben ſich anſchickte, wollte feine die Meide vor der fremden Kuh verlajlen, und alle Anjtrengungen, diefe zu verjagen, blieben erfolglos. Der Burſche mußte bleiben, bis ſich die fremde Kub bei einbrechen: der Nacht entfernte. Dasjelbe wiederbolte jih an den folgenden Tagen. Als nun eines Abends die weiße Hub noch länger auf der Weide blieb, nahm jib der Burjche vor, derjelben beim Weggeben in den Wald nacdzufolgen, um zu erfabren, was für eine Bewandtnis es mit der fremden Kuh babe. Zwiſchen Felſen und Geſträuch jich durchwindend, eilte er dem Tiere nad, bis es plöglib in einer Felſengrotte verſchwand. Entſchloſſen trat er ein und fand fich vor einem bäflichen Zwerge, der ihn zornig fragte, was jein Be: gebren jei. Da forderte der Burſche Lobn für die Hut der weißen Kub. „Unverſchämter“, rief der Zwerg, „mein Tier bedarf deiner Hut nicht, und nur desbalb ijt es in die Wieſe gefonmen, um dich zu zivingen, die dir an— vertrauten Tiere beijer zu bejorgen. Doch den Lohn, den du verlangit, jollit du baben.“ Mit diefen Worten langte der Zwerg aus einer mit Gold und Silber gefüllten Trube eine alte wertloje Münze. „Ich bezable dich nad deinem Verdienſt“, jagte er und warf dem Burjchen die Thür vor der Naje zu. Evöque de la Basse Moutürie, 207.
100. Wichtelcher zu Grevenmader.
Im Burggruef (Burggraben) jollen früber Wictelmännden gewohnt baben, die unter die Leute gingen und von jedermann jebr geliebt waren.
Lehrer Wagener zu Örevenmacer.
101. Der Zwerg zu Yunglinfter.
Zu Junglinſter batte ein Zwerg ich in ein Liebesverbältnis mit einem Mädchen aus dem Dorfe eingelafjen. Auf die Dauer konnte dies dem Paſtor nicht verborgen bleiben, und diejer machte den Mädchen ernitlibe Vor: jtellungen über jeine Verirrung. Das erjhrodene Mädchen verſprach, ſofort den Umgang des Zwerges zu meiden ; aber obgleich fie ihm ibren Entichluß mitteilte, jo wollte er dennoch nicht von ihr ablaſſen und wußte jie überall aufzufinden. Sie erzäblte dem Paſtor von der Zudringlichkeit des Zwerges und bat ibn, ibr zu belfen. Der Paſtor, der bier nicht Rat wußte, ließ einen alten Schäfer aus Beidweiler, der im Rufe jtand, allerlei geheime Mittel zu bejigen, zu ſich rufen, um durch jeine Mitwirkung den Zwerg von dem Mädchen fern zu balten. Nach langem Nachdenken nahm derſelbe eine Hand: voll Salz, das er im Waſſer auflöste, tauchte ein Stück Brod in dasjelbe, bejtreute das Brod ſtark mit Schwefel und ließ es auf dem Dfen trodnen. Tiejes Brod mußte das Mädchen vor den nächiten Bejuche des Zwerges
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eſſen und ſich dann bei ſeinem Erſcheinen auf den Leib drücken. Sie tbat es; und als da ein leiler Laut hörbar wurde, entfernte jich der Zwerg mit Ab: ſcheu und ward nie mehr gejeben.
Eröque de la Basse Moutiirie, 297.
102. Wichtelcher bei Junglinfter. In dem Echels, einem Walde zwiihen Gonderingen, Jung- und Burg: linfter, jowie in Gejchelt, einem Ader bei Gonderingen, und in Bruchlach bei Junglinſter haben vordem die Heinzelmänncden gebaust.
103. Die Wichtelcher zwiſchen Folkendingen und Ermsbdorf.
Man jagt, daß zwiichen Ermsdorf und Folfendingen, eine Viertelſtunde jeitwärts an dem linken Ufer der weißen Ernz, auf dem jogenannten Schaar, ebemals Wichtelher fich aufgebalten baben, weshalb dieje Stelle auch noch beute op de Wichtelheiser genannt wird. Bor einigen Jahren joll man noch im Boden Ueberrejte von den Wohnungen der Erbmännlein gefunden baben. Diejelben waren aus einer Art Ziegelitein gebaut, klein und niedlich.
Bor vielen Jahren wurde ein Mädchen aus einem der umliegenden Dörfer Patin bei dem Kinde eines diefer Wichtelmännden. Obne jeinen Eltern etwas zu jagen, begab es jih in die Zwergwobnungen, wurde freund: lib empfangen und beluftigte fih aufs bejte. Auf einmal fürchtete es, die Naht möchte wol bald bereinbreden, und dann würden jeine Eltern ſich jeinetwegen beunrubigen ; es begab fihb auf den Heimweg. Zu Haufe ange: fommen, jebien ibm alles verändert, und als es in feine väterlibe Wohnung kam, begegnete ibm feine Mutter, welche ebenfalls ganz anders ausjab als vorber. Ihre Haare waren weiß geworden, ibre Kräfte waren gejchwunden. Kurz, das Mädchen erfuhr, daß es dreizehn Sabre fort geweien und daß man e3 für tot gebalten.
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104. Wichtelcher zu Waldbillig.
Bor dem Belliger Seitert (Gemeindewaldung von Waldbillig) bat der Gigentümer Tbeod. Broos ein Aderfeld, auf dem ſich jchön bearbeitete Steine im Boden finden. Bor einigen Jahren ift man auch auf eine jogenannte Aſchengrube, wie jelbe fih in jedem Bauernhaus befindet, geitoßen. Da erinnerte man jich, daß der Großvater wiederholt erzäblt, an diejer Stelle hätten die Wichtelher gewohnt, Leute die einen bis zwei Schub groß geweſen jeien,
Lehrer Frand zu Waldbillig.
— — 105. Die Wichtlein bei Trintingen.
Im Wiſchteſchberg zwiſchen Erſingen und Medingen hausten vordem die Wichtelcher, Leute die einen bis anderthalb Fuß hoch waren. Während des Winters gingen ſie ſehr oft nachts nach Medingen und droſchen den Leuten das Getreide in den Scheunen. Waren ſie fertig, ſo nahm jeder ſich ein Täſchchen voll mit in ſeine unterirdiſche Wohnung. Einſt fuhr ein Mann auf genanntem Berge am Pflug gerade über der Wohnung der Wichte, als dieſe eben mit Brodbacken beſchäftigt waren, und der Mann hörte deren Kinder rufen: „Back mir auch Flauch!“ Zuletzt riefen die Wichte von allen Seiten: „Mir auch Flauch! mir auch Flauch!“ Da konnte ſich der Mann nicht mehr ruhig verhalten, und er rief von oben binab: „Mir auch Flauch!“ Um Mittag jpannte er aus, und als er nachmittags zurüdfehrte, lag ein dider Flauch auf dem Pfluge.
Während des Winters gingen die Wichtelber jehr häufig auch auf den Pleitringerhof dreihen. Aus Dankbarkeit liegen ihnen nun einft die Bewohner des Hofes Kleider anfertigen und bängten diejelben in der Scheune auf, da= mit die Heinen Yeutchen fie nehmen und anlegen follten. Als die Wichteldher nun nachts famen und die Kleider jaben, merkten fie, dab fie verraten jeien, und eilten fort, um nie mehr zurückzukehren.
Lehrer Robert zu Trintingen.
106. Die Widtlein zu Greiteldingen.
In einem Walde nahe bei Greiweldingen ift eine Anhöhe, genannt Witerbesberg. Dort befindet fih eine Höhle, durch welde die Wichtelcher ihren Aus- und Eingang in den Berg batten. Auf diefe Anhöhe hatte einit ein Kubbirt jeine Herde auf die Weide getrieben. Der Hirt jeßte ſich an der Höble nieder, um auszjuruben. Da börte er das Gepolter der Fleinen Wejen in der Höhle. Er jchaute binein und jab, wie fie Suppe einjchnitten. Der arme Mann, den der Hunger quälte, bat die Kleinen Wejen, ihm ein Stüd: lein Brod zu geben, damit feinen Hunger zu jtillen. „Wenn ihr von Gott geiandt jeid“, ſagte er, „jo gebt mir ein Stückchen Brod*. Da fam ein ganzer Haufe Wichtlein aus der Höhle hervor, und fie überreichten dem armen Manne ein balbes Brod mit den Worten: „Wenn du uns nicht ver- rätjt, dann baft du immer Brod“. Boll Freude trieb der Hirt feine Herde wieder nah Haufe. Als man ſchon mebrere Tage von dem Brode gegeilen und dasjelbe nicht abgenommen batte, fragte ihn feine rau, woher er diejes wunderbare Brod babe. Der Mann jagte es ihr unter der Bedingung, das Geheimnis nicht zu verraten. Einjt aber gerieten beide in Hader, und da plauderte das unbejonnene Weib das Geheimnis aus. Von diejer Stunde an nahm das Brod ab und war bald verzehrt.
Es gibt noch Greife, welche behaupten, gejeben zu baben, wie ganze Scharen von Wictelder an den Rand des Waldes gefommen jeien, um ſich zu fonnen.
Wenn ein Wagen durh den Wald gefahren fei, jo bätten fie ſich an dem Wagen und fogar an den Nädern feit angeflammert und jeien jo mit rundum gefabren worden.
107. Wichtelcher zu Düdelingen und Bianden,
Auch zu Düdelingen erzählt man, daß dort die Wichtelder allnächtlic) in einem Haufe die Pferde gefüttert und bejorgt hätten.
In dem Feljen beim Biandener Schloſſe haben ebenfalls Wichtelcher gewohnt.
108. Wichtlein bei Wahlhaufen.
In der Nähe von Wahlbaufen befindet ich ein Ort, genannt op dem Heidenhäuscen. Derjelbe liegt auf einem Berge, deſſen Fuß an die Ur ſtößt. Dajelbit joll in früberer Zeit eine unterirdiiche Wohnung gemwejen jein, in der ganz fleine Leute gewohnt baben. Genannte Stelle ift unter dem Pfluge. Alte Leute jagen, fie wühten ſich noch zu erinnern, daß man im Boden Ueberreite von Mauern gefunden babe. Bor etwa act Jahren, als die auf dem Felde arbeitenden Perjonen ih zum Eſſen niedergejegt hatten, jan unter ihnen der Boden ungefähr einen Schub tief.
Lehrer Schaus zu Wahlhauſen.
109. Wichtelcher zu Eiſenbach.
Als der Boden unjeres Landes noch nicht urbar gemacht und alles eine große Wildnis war, da bewohnten, jo erzäblt man fich, Yeutchen von andert: balb Fuß, Wichtelber genannt, die Gegend von Eiſenbach. Ihre Wohnung bejtand in unterirdiihen Näumen, welche ibre fleißigen Hände wobnlid ein: zurichten veritanden, Die Steinüberrejte diefer Wohnungen kann man nod jest an manchen Stellen ſehen.
Lehrer Quiring zu Untereijenbach.
110. Das Wichtelknäppchen bei Nennig.
Bei Nennig heißt eine kleine Erderböbung das Wichtelknäppchen. Dort: hin trug einjt eine Frau ihren Yeuten am Kirmesfamstage das Abendbrod.
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Der Kuchen aber, den ſie erit vor einer Stunde aus dem Ofen gebolt, roch den Richtlein jo anmutig in die Nafe, daß fie aus ibrem Bodenloce bervor- famen und riefen: „Frau! bad mir einen Kucen, bad mir einen Kuchen !“ Die Weibsleut von Nennig waren zu der Zeit Schon jchnell und jchnippiich wie beut. Die Frau drebte ſich auf der Ferſe um und meinte: „Erit badt ihr eueren Wichtleinstucben und rufet uns zur Kirmes. Wann feiert ibr Kirmes ?” Tas verdroß die Wichtlein gar jebr, denn fie thaten in der Gegend viel Gutes, und fie kamen nie wieder. Die Frau war ebenfalls verſchwunden; in flaren Nächten fiebt man fie mit ibrem Korbe dort vorbeitommen ; die Wichtlein tanzen im bellen Mondſchein auf dem Hügel und jpotten: „Bad mir einen Kuchen !’Bad mir einen Kuchen !“
N. Gaspar.
111. Das Wichtlein zu Sterpenid.
Bor vielen bundert Jahren bauste zu Sterpenich ein Ritter, der feiner Grauſamkeit wegen weit und breit gefürchtet wurde. Dieſer ſchickte einſt einen feiner Leibeigenen mit einer Botichaft nah dem zwölf Stunden entfernten Meg unter Androhung einer jchweren Strafe, falld er ihm die Antwort nicht vor Ablauf des Tages zurüdbringe. Der arme Mann begann fogleih aus Geibesträften auf dem Wege daberjulaufen, um möglicherweije innerbalb der gegebenen Friſt fich feines Auftrages zu entledigen. Bor dem Dorfe jedoch barrte jeiner ein Zwerg auf einem mit drei weißen Pferden beipannten Wagen, der fich erbot, den Bauer nah Metz und zurüdzufabren. Mit Freu: den bejtieg diejer den Wagen, und jo war es ibm möglich, jeinem Herrn die verlangte Antwort noch vor Sonnenuntergang zu überbringen,
Der eritaunte Burgberr wollte nun wiſſen, wie der Bauer es angefangen babe, einen jo weiten Weg in jo kurzer Zeit zurüdzulegen. Diefer erzählte treuberzig den Hergang und fügte binzu: „Auch bat der Zwerg mir gejagt, er fomme in furzem mit einem anderen Wagen, um Euch zu Euerer legten Wohnung abzuholen“. Bei diejen Worten jtand der Nitter wie vom Blitze getroffen, und mit dem Ausruf: „Sterben — ih!” brach er zuſammen.
Am Abende jab man einen mit vier jchwarzen Pferden bejpannten Leichenwagen zum Burgthor binansfabren : es war der Zwerg, welcer den Leihnam des Herrn von „Sterpen ich” mit jich nahm.
Evöque de la Basse Moutürie, 26,
112. Zwei Kobolde bei Bondorf.
In dem zwiſchen Bondorf und Holz gelegenen Holzer Buſch baust von
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jeher das Hierſchtermännchen, ein Zwerglein, das ſich oft mit den Leuten unterhalten, ja ſich von ihnen hat tragen laſſen.
Eine ähnliche Erjcheinung war das Hedemännden an dem Orte genannt Mijere.
113. Die Wichtlein bei Simmern.
Nicht weit von dem Griefchen, einer plateauartigen Anhöhe bei Greiſch, joll eine große Anzahl Wichtelmännden gewohnt haben. Sie bejtahlen die Leute heimlich in der Nacht und nahmen ibnen oft das reife Getreide weg. Da gingen die Leute bin, überraſchten fie durch Lift und jteinigten fie tot; daher foll der Ort, wo dies gejchab, den Namen Stenraufch befommen baben.
Später, als faſt alle Wichtelmännden in der Umgegend vertilgt waren, wohnte noch lange in einer Felſenhöhle ein Wichtelweib, das oft gejeben wurde und niemand etwas jtabl. Die Höhle wird noch heute gezeigt und die Stelle, wo das Wichtelweib fein Feuer hatte. Man bat dem Orte deshalb den Namen Wölfragrond (MWildfrauengrund) gegeben.
114. Die danfbaren Wichtelcher.
Ein Mann aus Ettelbrüd, „den Ale Walsdorf“, war einjt auf der Haard mit Pflügen bejchäftigt, als er, am Ende einer Furche angelangt, ein Stüd Weidenbolz und dabei ein Zettelcben fand, auf dem die Wichteldher ihn baten, ihnen eine Brodſchieß (Brodſchaufel) zu machen. Als er das zweite Mal ans Ende des Aders fam, fand er einen Flammkuchen daliegen. Der Mann af den Kuchen und bejorgte den Auftrag der Wichtlein, indem er in Weilands Berg die fertige Schieß niederlegte.
115. Die Kobolde auf dem Kirchhofe zu Manter.
Zu Mamer war der Totengräber, ein Trunfenbold und als Dieb be- rüchtigter Mann, auf dem Kirchhofe in der Chriſtnacht beſchäftigt, eine Gruft zu graben. Da kam ein junge des Weges daber und fang. Darüber er:* grimmt, jprang der Totengräber auf ibn los und prügelte ibn. Nachber wollte er ſich durch einen Schlud aus jeiner Branntweinflafche Taben, da bemerfte er „vier Gräber weit“ vor fih ein Männlein in weißen Kleidern jigen mit berausgeredter Zunge. Die Angit erfaßte ihn und er wollte fort; der Geiſt aber bielt ihn zurüd, und da er ſich jträubte, ſchlug jener mit einem Hämmercden auf ein Metall, jo daß es einen Elingenden Ton gab. Da ward Licht in der Safriftei, und zwölf andere Kobolde erjchienen, padten den Totengräber und jtießen ihn in eine offene Gruft binein, wo fie ibn in eine Ede drängten. Da fagte der erite Kobold, er fei Falt, und man bradte ihm
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in einer Schaufel Feuer, das er trank. Man forderte auch den Totengräber auf zu trinken, und da er ſich weigerte, goß man ihm das Feuer mit Ge— walt in den Mund. Dann ſchlugen ſie jeder ſeine Beine ihm über den Rücken, ſo daß ſie den Kopf zwiſchen die Beine preßten. Endlich warfen ſie ihn wieder hinauf auf den Kirchhof, wo er ohnmächtig liegen blieb. Am anderen Tage war er krank, und die Beulen, die er am Körper trug, überzeugten ibn, daß er nicht geträumt hatte.
116. Engelbericdhen ober Engelöpferbihen.
In einem jehr alten Haufe von Ehnen, das dermalen noch beitebt, bauste in früberer Zeit ein Kobold, der bald allein in Geſtalt eines greifen Männleins mit filberweißem Bart, bald auf einem Eleinen weißen Pferde fitend erihien und die bobe jteinerne Wendeljtiege des Hauſes in größter Eile binauf- und binunterrannte und die Bewohner durch fein unbeimliches Gepolter in nicht geringen Schreden verjegte. Man hieß ibn Engelbertchen oder das Engelspferdben. Um Mitternacht hörte man ibn manchmal Tijche ihleppen oder andere Möbel verrüden. Längſt hat jedoch der Spuf aufgehört, und man bat jeitber von Engelberthen nicht? mehr vernommen.
Lehrer Linden zu Rollingen.
117. Das Kivdelsmehnden (Kittelemännden) zu Echternach.
In dem Echternacher Nbteigebäude ſpukte ein Kobold, der unter dem Namen Kiddelsmehnhen befannt ift und die Bewohner bejagten Gebäudes vielfah nedte. Ein alter Mann, der Tag und Naht in einem der Neben: gebäude zubrachte, um Pottaſche zu brennen, wurde jehr oft von dem Kobolde beimgefuht. Während der qute Alte, das Geficht in die Hände vergraben, rubig bei jeinem Keſſel ſaß und betete, trat der kleine Kauz oft berein und fing an, auf einem nebenftebenden Amboß zu hämmern, daß die Funken weithin toben und das Gebäude erzitterte. Der Alte ließ den jonderbaren Schmied rubig gewähren, welcer ſich bald wieder ftumm, wie er gefommen, entfernte.
Derſelbe Mann befam auc oft den Auftrag, eine in der Näbe befind: libe Tuchbleihe während der Nacht zu büten. Einmal nun ſah er jemand in der Dunfelbeit jich bereinjchleihen und um die Leinwand berumfpazieren. Er rief ibn an. Da er aber feine Antwort erbielt, verfolgte er denjelben bis an die Thüre. Als er nun bier den vermeintliben Dieb eben am Halje fallen wollte, zerfloß derjelbe in Dunft. Nun merkte er erjt, daß er vom Kiddelsmehnchen geäfft worden.
Oft, wenn die Pförtnersleute abends rubig in der Stube jaßen und die Kinder ſchon zu Bette waren, verurjachte der Kobold in den Gängen und Treppen ein jolches Getrappel, Gepolter und Kindergeichrei, als ob Gänge
und Treppen mit Pferden und Eſeln angefüllt wären, und als ob die er: ſchrockenen Kinder um Hilfe jchrieen. Wenn man aber draußen nachjab und die Kinder beruhigen wollte, fand man alles ruhig und vom Spuke feine Spur.
Nicht jelten ließ fich das Kiddelsmehnchen in Gejtalt eines Faſſes vom Dache des Abteigebäudes fallen. Wenn dann alles zujammenlief, um nad der Urſache des furchtbaren Gepolters zu jeben, fand man wieder gar nichte.
J. N. Rolmann, Lehrer zu Echternach.
118. Das Felſefrächen bei Grevenmader.
In den hoben Felſen, die zwiichen Machtum und Grevenmader die Weinberge begrenzen, bielt ji vor zweibundert Jahren eine Frau auf (nad einigen drei rauen), welche unter dem Namen Felſefrächen befannt war. Während der Naht war fie meijtens auf den Bergen; bei Tage jab man fie jelten und dann nur zur Efjenszeit, wo fie, jedoch obne zu jprechen, zu den Arbeitern und Winzern fam. In den Felſer-Felſen befinden ſich in ge: ringer Entfernung von einander zwei Spalten, von denen die eine jo groß ift, daß man fait aufrecht durch diejelbe in den Felſen hinein geben fann. Dort joll das Frächen immer zu der einen hinein: und zu der anderen beraus: gegangen fein, ohne daß jemand es wagte, ibr zu folgen und nad ıbrer unterirdiihen Wohnung zu forichen. Ihr Hauptgeſchäft joll Spinnen geweien jein. Die einzigen Yaute, die man von ibr börte, waren allnächtlib um die Seifterftunde ein lautes Singen und Schreien. Sie bereitete allerlei wohl— tbuende Tränfe für franfes Vieh und war von den Bewohnern der umlie: genden Ortſchaften mehr geliebt als gefürchtet.
Einſt jchicte eine rau ihren Sohn zum Felienfrächen, um einen Tranf für ibre erkrankte Kub zu erbeten. Diefe lodte den Knaben, der ibr gefiel, in ihre unterirdiihe Wohnung und ließ ihn nicht mehr von ſich. Dem Knaben konnte es aber dort nicht gefallen, er verjuchte zweimal, wäh— rend ihrer Abwejenbeit zu entfommen, jedoch vergebens. Bei einem dritten Fluchtverſuch geriet die rätjelbafte Frau in Zorn, überfiel den Knaben und riß ihn in zwei Stüde, wovon fie das eine in die Moſel warf, das andere aber jelbjt verzebrte. Als die That ruchbar wurde, fing man das Felſen— frächen und verbrannte fie auf einem Scheiterbaufen.
Nachher joll jie noch öfter gejeben worden fein, bejonders von rauen, die des Morgens früh zur Moſel gingen, ihre Wäjche zu bejorgen.
Lehrer Ragner zu Grevenmacher.
119. Das Böfchgretchen bei Ellingen.
In der alten Zeit, als noch Geifter waren — heute gibt es feine Geiſter mehr ; fie alle hat ja ein Papſt gebannt — da war in Heßlingen, nabe
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an der Wolfsmühle, an der Stelle des Waldes, welche ſich Wölfragrond (Wildfrauengrund) nennt, das Böſchgretchen. Das war eine Frau, außerge— wöhnlich groß und ſchön, welche in dieſen Sumpf verwünſcht worden war. Nie gingen die Leute gerne an der Stelle vorbei, obwol noch niemand ein Leid geſchehen war. Einmal kam der alte Burgklees, wie ihn die Leute nannten, von Renich herauf. Ein beherzter Mann, wie er war, gebt er an der Stelle vorbei. Kaum war er in die Näbe des Zumpfes gefommen, da wurde ibm denn doch unbeimlich. „Na“, jagt er, „du gebit voran, und wenns auch der leibhaftige Teufel jein ſollte“ Kaum bat er den Sumpf betreten, da bört er hinter fih rufen: „Klees, Klees, wart, wart!” Er jchaut um und ſieht vor jih das Böſchgretchen jteben. Ihm war aller Mut weg; er wollte laufen, aber da jinft der Boden unter ibm. Zum Glüd war er nod) nicht weit voran. Er ſpringt auf die Seite und rettet ſich. Atemlos und bleich wie ein Tuch kommt er an und bei der Haustbüre fällt er zufammen.
Ter Geiſt aber ging noch lange Jahre um, und viele haben ihn gejeben. Einmal bielt der Hirt mit der Herde bei Heßlingen. Der Hund war wie rajend. Immer bis zum Wald und wieder zurüd lief er, und gejchrieen bat er, daß noch Leute berbeieilten. Zie folgen dem Hund und finden in dem Wölfragrond das Böſchgretchen tot daliegen, bis an die Kniee im Schlamm. Tie Leute zieben die Leiche beraus, bringen fie nach Ellingen und begraben jie vorne auf dem Kirchbof. Später wurde die Mauer gebaut, und fo be: rindet ih das Grab in den Fundamenten der Dauer.
Alle jieben Jahre einmal macht die Tote wieder nachts den Gang nad dem Sterbeplage, und alte Yeute baben in ftürmiichen Nächten fie oft jam: mern gebört.
120. Die wilde rau zu La Sauvage.
Nor Errichtung des Hüttenwerkes zu La Sauvage, zu Ende des erjten Biertels des XVII. Jahrhunderts, war diejes romantiihe Thal unbewohnt und führte den Namen Val de la sauvage femme, TDiejen Namen batte es erbalten von einer wilden rau, die ihre Wohnung in einer der Höblungen des Felſens La Gronniere hatte. Nach der Ueberlieferung näbrte ſich die wilde Frau von robem Fleiſche; ein dichtes Hauptbaar, das fie umbüllte und bis zu den ‚Füßen berabbing, diente ihr jtatt aller Kleidung. Ihre rot umränderten Augen, dicht an der Wurzel des Hauptbaares, jchienen glübende Kohlen zu jein. Aus ihrem über die Maßen breiten Wunde ragten doppelte Zabnreiben bervor ; ibre Stimme tönte wie unbeimliches Eulengejchrei, und ihre Finger waren mit jcharfen Krallen bewaffnet, womit fie das im Laufe erjagte Wild oder die auf den Feldern erbeuteten Schafe zerrifi.
Als die wilde Frau zum Sterben kam, joll jie in der Hölle feine Auf: nabme gefunden haben, da man fie für das Weibchen eines wilden Tieres bielt.
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So war ſie wieder zur Erde heraufzuſteigen genötigt, zum Entſetzen der ganzen Umgegend, die ſie nächtlich als ſchreckliches Geſpenſt durchſtreifte, bis endlich ein frommer Einſiedler aus dem Walde Selomon den Geiſt der wilden Frau jenſeits des Meeres bannte. Er that es unter Anrufung des hl. Donatus und Unſerer Lieben Frau zu Luxemburg, deren heilige Bilder zum Andenken an die wunderbare Befreiung in dem Felſen La Cronnière aufgeſtellt wurden.
Publications ete., VII, 42.
121. Die wilde Frau in der Wobach.
In dem Thale der Wöbäh, eines fleinen Bächleins, das ſich in die Eiſch ergießt, lebte ehemals eine wilde rau in einer Höble. Deshalb wird diefer Ort, der zwiichen Simmern und dem Heckenhof liegt, der MWölfragrond genannt. Dieje Frau war ganz mit Haaren bededt, von Kopf bis zu Fuß. Während des Tages bielt fie ich in der Höhle verborgen ; faum aber war die Nacht bereingebrocen, jo verließ fie die Höhle, ging der Eiſch entlang, und was fie nur erreichen fonnte, Menſch oder Tier, erwürgte fie. Niemand wagte ſich während der Nacht an diefen Dit.
Einem Ritter aus dem Simmerſchloſſe gelang es, die Gegend von dem Ungeheuer zu befreien. Diefer, mochte er nun der wilden rau aufgelauert oder fie unverbofft angetroffen haben, riß das jilberne Kreuz von jeinem Roſenkranze, drüdte es zu einer Kugel zufammen, lud damit feine Büchje und erlegte mit der jo gebildeten jilbernen Kugel die wilde Frau.
122. Die Wölfraleh bei Beringen. J.
Im Beringer Walde erhebt ſich ein ziemlich hoher Felſen, genannt Wöl— fraleh (Felſen der wilden Frau). Der Felſen iſt ausgehöhlt und bildet ſo ziemlich ein viereckiges Gemach, deſſen vierte Seite jedoch offen iſt. Von unten führt eine ſchmale Treppe hinauf.
Nach den einen hat dort eine wilde Frau gelebt, nach anderen wohnte dort ein einſames kinderloſes Ehepaar abgeſchloſſen von der übrigen Welt. 2.
In einem ausgeböblten Feljen in der Nähe von Merſch joll ebedem eine Frau gelebt haben, die nichts that als fpinnen, und die wegen ihres einjamen Lebens Wölfra genannt wurde.
IV. Teufelsfagen,
123. Die Sage vou der Erbauung des Schlofjes Lützelburg.
Vor mehr als neunbundert Jahren lebte zu Körih auf jeinem Schloife Graf Siegfried. Diejer verirrte fich einjt auf der Jagd und gelangte in das Thal der Alzet an die Stelle, wo beute Yuremburgs Vorftädte Grund, Klauen und Piaffentbal fib im Bogen um den Bodfeljen berumzieben. Da: mals aber jab es in diejem Seljentbale gar wild aus, und nur jelten mochte jih der Fuß eines Wanderers biebin verirren. Siegfried jab vor ſich oben auf dem Bod die Nuinen einer Nömerburg emporragen, und der Ort ſchien ibm jebr geeignet zur Erbauung eines Schloſſes. Im Jahre 963 gewann er den fablen Felſen nebit dem umliegenden Walde durch Tauſch von dem Abte von St. Marimin bei Trier gegen feine jchöne Herrichaft Feulen bei Ettel- brüd. Aber lange mußte Siegfried von der Erbauung eines Schloffes auf dem Bod abjeben, da ibm das dazu nötige Geld feblte. Co ſaß er einft traurig am Borabend von Mariä Himmelfahrt auf jeinem Schloffe zu Körich; fast reute ihn der unjinnige Tauſch, und in feiner Verftimmung rief er den Teufel. Diejer erſchien jofort und zeigte jich bereit, den Grafen reichlich mit Geld zu verjeben, die Huinen der alten Nömerburg wegjuräumen, an deren Stelle ein Schloß nad des Grafen Wunjch zu erbauen und eine Heerftraße von Körih nah dem neuen Schloſſe berzuitellen,*) alles in derfelben Nacht, aber unter der Bedingung, daß ibm der Graf jeine Seele verjchreibe, die er nad dreißig Jahren an demjelben Tage und zur jelben Stunde bolen fomme. Siegfried ging auf die Bedingung ein.
Am folgenden Morgen fubr der Graf auf einer breiten Strafe nad Suremburg. Dort erhob jih auf dem alten Bod vor feinen ftaunenden Bliden das neue Schloß, die Yügelburg, die nah jeinem Wunſche aufs prächtigfte erbaut und ausgejtattet war.
Allein der Bund, den er mit dem Teufel eingegangen, begann den Grafen bald gar jebr zu ängitigen. Da verwendete er den Neichtum, den er der Hölle verdankte, zu wobltbätigen Zwecken. Er ließ Kirchen und Kapellen er:
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*) Nach der Sage verpflichtete fich der Teufel, eine jchnurgrade Straße von Körich nach dem Bodjeljen zu bauen, die auch nicht die mindefte Krümmung baben dürfe und mit Waden gepflaftert jein müſſe, damit fie nicht ftaubig und fotig würde, jo daß der Graf das Vieruhrbrod in Körich und das Abendefien in Yuremburg nehmen künne.
bauen und beſchenkte jie reichlich ; täglich ließ er Meilen leſen, um ſich aus der Gewalt des Teufels zu befreien.
Als aber der dreißigite Vorabend von Mariä Himmelfabrt, der 14. Au: guſt 998, beranrüdte, lud Siegfried an diefem Abend alle Nitter der Nach— barſchaft zu einem Feſtmahle ein, ließ das Schloß aufs ftrengite bewacen und gebot, niemand bei Nacht einzulaflen, wer es auch jei. Allein zur jelben Stunde, zu welder der Böje dem Grafen vor dreißig Jahren erichienen war, ſtand plöglich inmitten der erjchrodenen Säfte der Teufel in Gejtalt eines riejengroßen Ritters, der Siegfried winkte, ihm zu folgen. Diejer verabichiedete fich bei den Gälten und ging in ein anderes Zimmer, wo ibn der Teufel erfaßte und mit ibm durch ein Fenſter verſchwand, einen pejtilenzartigen Ge: ſtank im Zimmer zurüdlafjend.
Ein Mönd, der eben in dies Zimmer trat, bebauptete, gejeben zu baben, daß der Teufel des Grafen Seele nicht bebalten babe, jondern nur deſſen Leib, und daß die Seele von Engeln gegen Himmel getragen worden jei.
Nah N. Gonners Mitteilungen und mündlich.
124. Entftehung der Siebenbrunnen.
Der Müblenbab bei Eich trieb eine Mühle, deren Beliger ſich mit jeiner Familie redlih ernäbrte. Der Müllerburiche jollte die Müllerstochter beiraten ; aber da das Bächlein jeden Sommer vertrodnete, jab der Burjche ein, daß er, wenn die Familie fich viel vergrößerte, unmöglih ausfommen fünnte. Mißmutig ging er in den naben Wald und rief um Mitternacht den Teufel, der auch erſchien und dem der Burſche fein Leid Elagte. „Gib mir dein erjtes Kind“, jagte der Teufel, „und ich werde dir belfen.” Der Müllerknecht jagte zu und febrte nah Haufe zurüd. In der folgenden Nacht entitand ein furchtbares Geräuſch, und als die Müblenbewohner erſchrocken aus dem Schlafe auffubren, jaben fie, daß aus dem Bächlein ein jtarfer Bach geivor: den, der nicht mehr vertrodnete. Dem Müllerburſchen tbat e8 dennoch leid, dem Teufel jein eritgeborenes Kind zu geben. Er erzäblte dem Müller und deſſen Tochter jein Uebereinfommen mit dem Teufel, und bat lebtere, ſich nicht zu verbeiraten. Er jelbit verließ die Mühle und die Gegend auf immer.
125. Die Teufelsbrüde zwifchen Goftingen und Lenningen.
Bei Gojtingen liegt eine Stelle, die im Munde des Volkes der Mohr: plag beit und dur ein Thal von einer großen, öden Haide getrennt it, Wie mir mein Großvater in meiner Jugend erzäblte, wohnte auf dem Mobr: plage ein Mobr, der ein wilder Mann war und ein Mädchen, das auf der
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Haide wohnte, ſehr liebte und es oft beſuchte. Der weite Weg durch das Thal fiel ihm beſchwerlich, und oft wünſchte er den Teufel herbei, um mit ihm einen Bund zu ſchließen, damit dieſer ihm eine Brücke über das Thal baue und er eher bei dem Mädchen ſein und länger bei ihm bleiben könne. Eines Abends erſchien ibm der Teufel und willfahrte noch in derſelben Nacht jeiner Bitte unter der Bedingung, daß er des Mohren Seele nab zwanzig Jahren erbalte; was denn auch geicheben iſt, wie die Yeute jteif und feit bebaupten. Nach des Mobren Tod verfiel die Brüde allmälig ; beute ift fie ſpurlos verſchwunden.
N. Gonner.
126. Die goldene Braut.
Ein reiches Mädchen aus Helfant batte verſprochen, einen Schiffer zu heiraten und dabei geſagt: „Wenn ich dich nicht hole, ſo ſoll mich der Teufel bolen“. Sie beiratete ibn jedoch nicht, ſondern einen Kaufmann. Als man am Tage der Hochzeit beim fejtliben Mable ſaß und tanzte, trat ein feiner, ſchwarz gekleideter junger Mann berein und bat um Grlaubnis, mit der Braut tanzen zu dürfen. Man geftattete es gerne. Als beide jedoch einige Male rund um den Saal getanzt waren, flogen fie plöglih zum Fenſter binaus und verihwanden. Auf dem Wege von Helfant bis Erfingen baben jpäter Leute die Braut einfam wandeln gejeben. Manche behaupten, fie jeien jo nabe berzugetreten, daß fie die goldenen Schubjchnallen der Braut hätten leuchten und die Braut jelbit hätten weinen jeben.
127. Der Nageljgmied zu big.
Zu big lebte einjt ein armer Nageljchmied ; bei jeiner Armut war er dennoch Iuitig und guter Dinge. Das verdroß den Böjen, und er nahm jich vor, den Harmlojen zu verderben. In der Gejtalt eines wandernden Hand— werfsburjden trat er zum Nagelichmied, als diejer eben in jeiner rußigen Werkſtätte luftig drauf los bämmerte. Ein rotes Barett mit Habnfeder und ein grüner Rod gaben ibm ein fremdes Ausjehen. Er fragte um Arbeit; der Schmied gab eine abichlägige Antwort. Nachdem der fremde dem hämmern— den Schmiede eine Weile nachgeſchaut, jagte er: „Willen Sie au, daß Sie ein Stümper ſind?“ Der Schmied war darob entrüftet; der Fremde aber nabm ibm Hammer und Eiſen aus der Hand und begann zu bämmern. Bei jevem Schlag war ein Nagel fertig, jo daß bald der Stod von Nägeln über: füllt war. Des freute jih der Schmied und nabm ibn zum Gejellen.
Gines Tages verjpürte der Nagelihmied einen beftigen Durſt. Er ging daber in die nächte Schenke, um ſich zu erquiden, und ließ unterdejlen den
GBejellen an der Arbeit. Als er aber zurüdtam, fand er auf dem Boden der Schmiede große Haufen goldener Nägel liegen; der Gejelle aber war ver: Ihwunden.
Von nun an fing der Schmied an, ein verſchwenderiſches Leben zu führen. Sedo, bald war das Gold vertban, und, da er nicht mehr arbeiten mochte, ward er Straßenräuber. Allein der Arm der Gerechtigkeit erreichte ibn bald, und er ward zum Tod verurteilt. Im Nugenblide aber, wo der Unglüdliche auf dem Scheiterbaufen jtand, um den Feuertod zu fterben, ſah man den Teufel auf ibn losfabren und ibm den Hals umdreben.
J. B. Klein, Pfarrer zu Dalheim; nad einem Manujfript von N. Steffen.
128. Das Gefpenft in der Teufelsſank. I;
Am Drte genannt Teufelsjant (Vertiefung des Teufels), auf dem Wege von Straßen nah Kopftal, wird der Vorübergebende nächtlich von einem Geſpenſt beunrubigt. Dasjelbe kann jede beliebige Frauengeſtalt annebmen und näbert fih dem Wanderer gewöhnlich in der Form desjenigen weiblichen Weſens, welches den jtärkiten Sinnenreiz auf ihn auszuüben vermag oder ihon in Wirklichkeit ausgeübt bat. Ihre kalten Arme jchlingt fie um feinen Nacken und mit buhleriſchen Gebärden jucht fie ibn zum Böſen zu verleiten. Mer ihren Lieblojungen nicht widerftebt und der Verfuchung nachgibt, dem drebt fie unter böswilligem Lachen das Geſicht in den Naden.
Das Geſpenſt foll eine nichtswürdige Dirne gewejen fein, welche vor langem ihr Handwerk in der Umgegend getrieben. Nah ihrem Tode beun: rubigte fie die ganze Umgegend. Ein frommer Klojterbruder wußte fie in die Teufelsſank zu bannen, die jeitber diefen Namen trägt.
Vor etwa dreißig Jahren joll das Geſpenſt einem Zimmermann aus Kopftal in Gejtalt einer von ihm geliebten Kuhmagd erſchienen fein. Unge: fähr zur ſelben Zeit trat fie jogar einem Militäroberen, der da vorbeiritt, in Geftalt einer gewöhnlichen Buhldirne entgegen.
3.8. Klein, Pfarrer, nach einem Manuftript von RN. Steffen. 9
In der Teufelsſank zwiſchen Straßen und Kopſtal geht nächtlich gegen elf Uhr ein Frauenzimmer um, das die Vorübergehenden auffordert, mit ihr zu tanzen. Wer ſich weigert, bekommt eine tüchtige Tracht Prügel. Willigt man aber ein, mit ihr zu tanzen, dann tanzt ſie wild umher, tanzt ſich die Beine weg, ſo daß bloß der Oberkörper mit dem Kopfe bleibt. Oft ſprangen dann aus dem Oberkörper allerlei Tiere, Schafe, Drachen n. ſ. w. hervor, die umberliefen. Der Tänzer aber ward nad dem Tanze durch die Luft nad) Haufe getragen.
u A, 129. Der Berſucher als Frau.
Bor etwa zebn Jahren famen abends jpät zwei Männer aus Kopftal in angebeitertem ZJuftande von Mamer zurüd. Im Orte Bärentbal angelangt, gejellte jich eine jchwarzgefleidete Dame zu ihnen und bängte jih dem einen der Männer an den Arm. Sie plauderten verjchiedenes, machten unter an: derem auch jchlechte, unfeufche Mibe, wobei die Dame immer jo grell auflachte, daß die Wälder wiederhallten. Grauſen bemächtigte ſich zulegt der beiden nächtlihen Wanderer. Der eine machte ſich endlich aus dem Staube, während der andere der Dame nicht los werden konnte. Endlich befreuzte er fich, und fort war die Schwarze. Schweißtriefend und vor Angjt bebend langten beide endlich zu Hauſe an. Des einen Kind, abends noch friſch und gejund, war morgens eine Leiche.
Lehrer Wahl zu Kopſtal.
130. Der Berjuder und ber Eremit.
Zu Schanfweiler (jegt Preußen) war eine Klauſe, welche ein jebr frommer Eremit bemwobnte. Einjt verjuchte der Böje, in Geſtalt eines Frauenzimmers von ausnebmender Schönbeit, ibn zu Fall zu bringen. An einem Abend, wäbrend es beftig regnete, Flopfte es an des Klausners Ibüre. Er fragte, wer draußen jei. Eine Frau antwortete draußen mit kläglicher Stimme, er möge jie doc bei jolhem Unwetter nicht draußen jteben laſſen, fie jei eine arme verirrte rau. Der Eremit öffnete auf ibr inftändiges Bitten. Darauf tritt eine jböne, junge, reichgefleidete Frau zu ibm berein. Sie fing jogleih an, ibn zu verfuchen ; der Klausner wideritand ibr jtandbaft. Als fie jedoch zu un: geſtüm im ihn eindrang, jagte er zu ibr: „Sieb, Satan, ebe ich mich ver: jündige, will ich lieber dies mein jündiges Fleiſch auf glühenden Koblen braten“. Hierauf legte er jeinen Nod ab und warf fih in die am Herde glimmenden Kohlen. Darauf legte das Weib jeine Menjchengeitalt ab und fuhr als Scheuſal zum Dache binaus. Der ganz mit Brandbeulen bededte Körper des KHlausners war jogleih wunderbarerweije gebeilt.
Erasmy.
131. Der Einſiedler im Griéſchen bei Greiſch.
Im Griefchen, einer plateauartigen Erhöhung über der Leesbech zwijchen Simmern und Greijch, jtand vorzeiten eine Kapelle und daneben eine Klauie, die ein frommer Einjiedler ſich in einen Feljen eingebauen batte.
Der Teufel verſuchte den Einjiedler bejtändig und erſchien ibm in Geſtalt eines Bockes. Der Einfiedler aber padte den Bock beim Barte und prügelte ihn tüchtig durch. Nun ließ der Teufel dem Einfiedler Nube.
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Nach anderen ging der Teufel ſo weit, daß er den Klausner aus dem Bette warf. Geſchah das, ſo nahm dieſer ſein Bett und ging auf den Kirch— hof ſchlafen, wo ihn der Teufel in Ruhe laſſen mußte. Manchmal, wenn der Einſiedler den Berg hinaufſtieg, ſchwebten drei Jungfrauen vor ihm, um ihn zu verſuchen.
Eines Tages kamen zwei Bauern zu ihm und baten ihn, mit hinab in die Leesbech zu gehen; dort läge eine ſchwarze Kuh in den Sopen (Moraſt), ſie bekämen dieſelbe nicht heraus. Der Bruder ging mit. Als er zu der Kuh kam, nahm er ſie mit dem Schwanz und ſagte: „In Gottes Namen ſteh auf, hop!“ Da auf einmal war die Kuh verſchwunden.
Der Einſiedler kehrte den Berg hinauf in ſeine Klauſe zurück. Als er eintrat, fand er ein großes Feuer auf dem Herde, obſchon er keines vorher angezündet hatte, und zwei ſchöne Jungfrauen ſaßen dabei. Der Bruder aber ging ſchnell an ihnen vorbei in einen Nebenraum und betete in einem Buch. Als er wieder herauskam, war alles verſchwunden.
Da gab einſt der Papſt dem Klausner eine Schelle. Wenn er dieſe läu— tete, mußten alle böſe Geiſter weichen, ſo weit die Glocke gehört wurde. Von der Zeit an hatte der Bruder Ruhe.
132. Der Heringer Teufel.
Vor etwa fiebzig Jahren war es noch Sitte, die Pferde auf die Weide zu treiben und fie die ganze Nacht hindurch meiden zu lafjen. So geſchah es einſt, daß mebrere Hüter zufammen auf einem Stleefelde nächſt dem Heringer Schloß im Drt genannt op Hergen (Bann Waldbillig) die Pferde büteten. Man batte ſich um ein euer gejegt. Neben dem Kleefeld befand fi ein Kornfeld. Eines der Pferde war wiederholt von jeinem Hüter aus dem Korn: felde getrieben worden. Als es nun wieder auf dasjelbe hinübergegangen war, iprang der Hüter auf und trieb es ins Kleefeld zurüd mit den Worten : „Wenn du nochmals bingebit, joll dich der Teufel bolen, jollte e$ auch der Heringer Teufel jein!“ Da kam von der Seite des Sclojjes ber ein Bod durch die Luft; der trieb jih auf dem Felde herum, indem er fortwährend Feuer jpie.
Mitteilung des Lehrers Franck zu Waldbillig.
133. Der Teufel in Geftalt eines ſchwarzen Hundes.
Eines Abends mweideten mebrere Männer und Yünglinge aus Eppeldorf ihre Pierde in dem Eppeldorfer Gründen, einem Thale zwiichen Ermsdorf und Eppeldorf, auf dem rechten Ufer der weißen Ernz. Sie zündeten ein Feuer an, um welches fie jich lagerten und von allerlei erzählten. (Nach
anderen jpielten fie Karten.) Vom Erzählen fam es zum Fluchen, ja einer von ihnen ging jo weit und fluchte den Teufel aus der Hölle Kaum war das Wort ausgeiprocen, da fam aus dem naben Wäldchen ein großer, ihwarzer Hund und legte ſich vor fie hin. Angſt ergriff alle; nur der, welcher den Teufel gerufen batte, blieb Faltblütig. Ja, er ging jo weit, daß er den Hund mit der Beitihe fortjagen wollte. Seine Kameraden aber webrten e3 ibm, und fie nahmen ihre Zuflucht zum Gebete. Sogleih machte der unbeimliche Gaſt jih auf und jchlug den Weg zum Wäldchen wieder ein. Dort angefommen, entitand ein Geräufh, daß man meinte, alle Bäume würden aus den Wurzeln geriffen werden, und ein pejtartiger Geſtank erfüllte die ganze Gegend. Die Prerdetreiber aber gerieten in einen ſolchen Echreden, daß fie jogleich ihre Prerde zujammentrieben und den Weg nah Hauje ein: ſchlugen.
134. Die ſtartenſpieler im Ernzthal.
In einem Dorfe im Ernzertbal *) jagen eines Sonntags mebrere Bauern beim SKartenfpiel. Es läutete zur Vesper ; die Spieler rührten fich nicht. Die Wirtin machte ihnen Borjtellungen darüber. Einer der Spieler erbob ſich wirklich, um ji ins Gotteshaus zu begeben. Die anderen aber jpotteten jeiner derart, daß er voll Nerger laut ausrief: „Nun, ich will mitjpielen, jo lang es gebt, und der Teufel hole den, der zuerit zu fpielen aufhört !“ Die anderen jtimmten bei und wollten eben die Partie beginnen, als fie hinter jih einen Fremden in grüner Jägertracht erblidten. Der Fremde bat, mit: jpielen zu dürfen, und man gewährte es ihm. Das Spiel ward bald hitzig; der ;sremde verjpielte ungebeuere Summen, und jchon lagen ganze Haufen Goldes auf dem Tiih. Die Nacht bricht an, fie jpielen ; der Morgen graut, fie jpielen noch, eingedenk des fürdterliben Schwures, den fie gethban. Die Frau des Wirtes bemerkte die Angit der Gäfte und beobachtete genau den fremden Herrn. Aber wie erjchraf jie, als fie bemerkte, daß der rechte Fuß des Fremden einem Pferdefuße glich. Gleich eilte fie zum Paſtor und bat um Hilfe; denn fie war überzeugt, daß ihre Gäfte in der Gewalt des Teufels jeien. Der Paſtor, ein Eluger Mann, begab jich ins Wirtshaus zu den Spie: lern, und nachdem er den fremden Jäger betrachtet und von dem unbejon- nenen Schwur der Spieler gehört, begehrte er, mitjpielen zu dürfen. Dan geftattete e3 ihm, wie jehr ji auch der Fremde dagegen jträubte. Nachdem der Paſtor einige Partieen mitgejpielt, erariff er eines der Golditüde des Fremden, tbat einen Spruch darüber, und das Gold verwandelte jich in eine Scherbe. Gleih warf er die Scherbe auf den übrigen Haufen, und fieb! es wurden daraus ebenfalls lauter Scherben. Der Paſtor jhalt den Fremden einen
*) Es ift Ermsdorf; jedenfalls wird dort eine ganz äbnliche Sage erzäblt.
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Betrüger, der unwürdig ſei, länger mitzuſpielen, und zwang ihn, die Karten niederzulegen. Darauf erhob ſich der würdige Mann und rief mit lauter Stimme: „Vade retro, satanas!“ Und auf der Stelle fuhr der vermeintliche Jäger durchs offene Fenſter davon, einen unausftebliden Schwefelgeruch binterlafiend. Die Spieler aber waren von ihrer Sucht gebeilt und wurden fromme Ghrijten.
J. B. Klein, Pfarrer, nach einem Manuffript von N. Steffen.
135. Die vier Hartenfpieler zu Merzig. L;
Vier Kartenſpieler, drei von Merzig und einer aus Feulen, ſaßen einst in einem Haufe zu Merzig (das Haus bieß und beift noch beute Träpen) und jpielten Karten. Da ibnen das nötige Geld feblte, jo wurden fie unter jih einig, einen Bund mit dem Teufel zu machen, daß, wenn er ibnen viel Geld gäbe, er denjenigen befomme, der zuerſt des Spielens müde und damit aufbören werde. Sejagt, getban. Der Teufel erſchien in der Gejtalt eines großen, ſchwarzen Hundes und batte einen Sad voll Bemen (Gold: oder Eilberjtüce) bei ſich. Er legte jich mit dem Gelde unter den Tiſch, und wenn einer von den Spielern jein Geld verjpielt batte, jo erbielt er deſſen von dem ſchwarzen Hunde. So jpielten fie jchon drei Tage und drei Nächte in einem fort, als Herr Keltgen, damals Kaplan in Srosbus, einem Nach: barsdorf von Merzig, davon börte und fan, um die bejeijenen Spieler vom Teufel zu befreien. Er gejellte jich zu denjelben, indem er jpradb: „Mech mat oder d’Spil z’rasz“ (Mich mit oder das Spiel zerriffen), und fie ließen ihn mitjpielen. Als er einige Spiele mitgemacht batte, warf er die Karten über den Tiſch, indem er rief: „Ich jpiele nicht mehr mit, ich bins müde !“ Da flob der Teufel in aller Eile zum Fenſter binaus, indem er dasjelbe mit wegnahm. Der Sad mit den Bemen verjanf jieben Dunnen (Balken) tier in den Boden. Der Geſtank, den der Teufel zurüdlie, war unnatürlic, und jolls bis beute noch fortitinfen.
Mitteilung de3 Lehrers Abnen zu Niederjeulen. 2.
Es iſt ſchon lange her, da ſpielten in einem Hauſe zu Merzig mehrere Zecher Karten. Einer derſelben, welcher ſchon ſehr viel gewonnen hatte, ſagte zu den übrigen Spielern: „Wißt, es iſt ſchon ſpät in der Nacht, wir endigen jetzt das Spiel, ein andermal könnt ihr ja zurückgewinnen, was ihr jetzt ver— loren“. — „Was!“ ſchrieen die anderen, „das Spiel wird nun einmal durch— geſetzt, mag es gehen, wie es immer will“. Ob dieſer Worte wurde der Gewinner in Zorn verſetzt und rief mit lauter Stimme aus: „So ſei es;
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doch der erſte, der geſonnen iſt aufzuhören, den ſoll auf der Stelle der Teuſel holen!“ Kaum batte er dieſe Worte geſprochen, als das Haus er: dröbnte. Die Spieler waren wie außer ſich vor Schreden, und ebe fie ſich bejonnen, ſaß der leibbaftige Teufel unter dem Tiih. Was maden ? Das Spiel endigen ? Kleiner wagte es. „Laßt uns den Herrn Raftor rufen“, jchlug da einer vor, „dann wird der Teufel das Feld räumen müſſen“. Der Vor: ihlag gefiel, und der Pfarrer war jogleih zur Stelle. „Spielt nur immer weiter“, jagte dieſer, „ich will helfen“. Kaum aber jaß er, als er alle Karten auf den Tiſch fchleuderte, indem er ausrief: „Ich bin nicht mehr mit!” Sobald er das geiproden, geſchah ein gewaltiger Krab, und im Nu war der Teufel durchs verſchloſſene Fenſter verſchwunden. Noch beute zeigt man in Merzig das Haus, aber im Loche jtebt fein Fenſter, jondern eine Fade; denn, jo oft man ein gläjernes Fenſter angebracht, war es über Nacht wieder verichivunden.
136. Die Kartenfpieler zu Strafen.
Zu Straßen in Lorangsbaus hatten fih an einem Sonntage vier Männer iufammengefunden, um Karten zu jpielen. Um recht lange zu jpielen, batten fie jih mit der Drobung bingejegt: „Wer zuerit aufbört, den joll der Teufel bolen!” Kaum aber batten fie angefangen zu jpielen, als fie unter dem Tifche einen großen, ſchwarzen Hund jaben. Es war für fie fein Zweifel: das war der Teufel, der in Geitalt eines Hundes unter dem Tiſche lauernd barrte, wen von den wieren er holen jollte. In der größten Angſt ipielte man weiter, jpielte die ganze Nacht hindurch und den ganzen folgenden Tag; feiner wollte zuerſt aufhören. So jpielten jie mit wirrem Blid wie beſeſſen drei Tage lang. Da börte der Paſtor von den vier unglüdliben Männern; jchnell gefaßt, trat er ind Haus und feste ſich an den Tiſch, indem er bat, mit: ipielen zu dürfen. Nachdem er einigemale mitgejpielt, warf er die Karten bin und rief: „Ich ipiele nicht mebr mit!” Er batte aljo zuerſt aufgebört. Da ftubr der Hund unter Gebeul und furchtbarem Lärm zum Fenſter hinaus, das er teilweije fortriß und zertrümmerte.
137. Der Flucher zu Biffen.
Einige junge Burſchen von Biſſen büteten einjt die Pferde auf dem seld und jpielten zum Zeitvertreib Karten; ein Gentime war der Einjat. Ueber eine Weile bemerkten jie, daß ein Gentime im Einſatze feble, und es entitanden Streitigkeiten, da feiner den Gentime erjegen wollte. „Wenn ich
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nicht eingeſetzt habe“, rief einer, „ſo ſoll mich der Teufel holen!“ Bald nach— ber kam ein ſtattlicher Herr dahergeritten, näherte ſich den Spielern und ergriff den Lügner und Flucher beim Schopf, um ihn zu ſich aufs Pferd zu ziehen. Da ſchrie der Angegriffene: „Laß mich los, oder ich ſchlag dich des Teufels!“ Aber alles Geſchrei half nichts; der Reiter wollte ſeine Beute nicht fahren laſſen. Da lief einer der Kameraden herzu und warf dem Ge— fangenen ſeinen Roſenkranz um den Hals. Nun ließ ihn der Fremde los und ritt ſeiner Wege.
Sogleich nahmen die Burſchen ihre Pferde zuſammen und wollten nach Hauſe fahren; aber der Weg war ihnen verſperrt von einer Schar ſchwarzer Hunde. Auf einem Umwege erreichten ſie das Dorf. Zu Hauſe angekommen, hatte der Schuldige noch kaum Zeit, die hl. Sterbeſakramente zu empfangen, und ftarb vor Schreden, denn es war außer Zweifel, daß der Teufel felbit es war, der den Flucher beim Schopf hatte.
J. B. Klein, Pfarrer, nad einem Manuſtript von P. Bies, Pfarrer.
138. Der Teufeldbanner zu Biſſen.
Ein Seminarift aus Biſſen, der in den ‚serien in jein Vaterhaus zurüd: gekehrt war, gab auf die Frage, was er denn jchon gelernt habe, zur Ant- wort, er babe als Grorcift die Macht erbalten, den Teufel zu bannen. Da bat der Vater den Sohn, ihnen doch den Spaß zu machen und den Teufel aus der Hölle heraufzubejhwören ; worauf der Seminarijt niederfniete und leife in einem Buche betete. Es dauerte nicht lange, und drei Schläge er- dröhnten an die Stubenthür. Und ſieh, beim dritten Schlage jprang ein felt- james Männlein durch eine Nite herein. Anfangs lachte man über die winzige Geſtalt; als aber das Männlein während des Gebetes immer größer wurde und Schon die Größe eines ausgewachſenen Mannes erreicht hatte, bat man entjeßt den Seminariften, durch jein Gebet den Teufel wieder wegzubannen. Doch, o Schreden, derjelbe wuchs noch immer, jhon waren Thüre und Fenſter zu Elein, um ihm den Ausgang zu geitatten. In Angſtſchweiß gebadet, fuhr der Sohn in jeinem Gebete fort, die ganze Familie fiel neben ihm auf die Kniee; jo betete man jtundenlang, um des böſen Geiftes, der nicht mehr aus dem Haufe weichen zu wollen jchien, los zu werden. Endlich begann er an Größe abzunehmen, und als er zulegt wieder zum winzigen Männlein zufammengejchrumpft war, verſchwand er mit fürchterlihem Gebrauje durch die Wand, nachdem er das ganze Haus mit Schwefelgejtanf angefüllt hatte.
J. Engling, Manujffript, 176.
— 79 — 139. Eine Frau hat den Teufel geſehen.
Eine Frau aus Straßen, die geſagt hatte, es kämen keine Teufel auf die Erde, es ſeien deren genug auf derſelben, ging einſt des Nachts über einen Weg. Da ſah ſie einen Mann vor ſich, der trat plötzlich zu ihr; ſein Geſicht war ſchwarz, ſeine Augen feurig; es ſei der Teufel geweſen. „Jeſus, was iſt das?“ rief die Frau, und der Teufel verſchwand.
Die Frau behauptet feſt und ſteif, es ſei der Teufel geweſen.
140. Wie der arme X. ſich dem Teufel verſchworen.
Der arme X. jtand einjt zu Luremburg auf dem Fiihmarft und über: dachte trauernd jein Schidjal. Sein Verlangen, ein reicher Dann zu werden, war jo groß, daß er auf den Gedanken kam, den Teufel zu Hilfe zu rufen. Kaum war das gejcheben, jo näherte ſich ihm der Teufel ala woblbabenvder Bürger gefleivet. Nach etlibem Handeln und Feilſchen einigte man ſich dabin, daß der Teufel des X. Seele nah dreißig Jahren baben jolle, unter der Bedingung, daß er diefem 12,000 Fr. gebe. Der Akt wurde von X. mit feinem eigenen Blute unterjchrieben. X. gründete num eine große Fabrik und wurde ein reicher Mann. Das dreißigſte Jahr kam indejlen beran, und dem X. wurde bange. Er wandte fih an den Jeſuitenpater Fränzchen, berühmt durch jeine Frömmigkeit und feine Gewalt über die böfen Geiſter. Auf den Nat und die Belehrung des Paters befehrte ſich X., beſuchte täglich die Ni- folausfirhe in der Stadt und betete fleißig. Als der dreißigite Jahrestag berantam, ſchloß X. die Thüren feines Haujes und begab fih in die oben benannte Kirche. Auf einem feurigen, mit vier feurigen Hunden beipannten Wagen fam der Teufel an des X. Haus gefahren, flopfte an und erbielt vom Pförtner die Antwort, X. jet nicht zu Haufe. „Wo ijt er?” fragte der Teufel. „Ich weiß es nicht“, antwortete der Prörtner und jchloß die Thüre. Hierauf reiste der Teufel noch dreimal mit jeinem Wagen um das Haus, fubr dann über das Glacis nach der Nifolausfirhe und dann dreimal um dieje herum, klopfte an, ward aber nicht eingelaffen. Dann fubr er zum Schlüffelloh hinein auf X. zu, den Pater Fränzchen in eine Bütte mit Weib- wafler geſetzt batte, ergriff X. bei den Haaren und zog ihn jo meit aus dem Wafler, daß er das Weihwaſſer nur mehr mit der Fleinen Zebe berübrte, mußte ihn aber wieder fahren laſſen, da er zu ſchwer war. Die Kirche zitterte, die Geiftlichen, mit Ausnahme des Paters Fränzchen, jtürzten zu Boden. Aufs neue fuhr der Teufel dreimal um die Kirche, dann um den Altar, ergriff wiederum X. bei den Haaren, konnte ibn aber nur mebr bis an den Unterleib hberausbeben. Dasjelbe wiederholt er zum drittenmale ; der Teufel fann den X. nun gar nicht mehr aufheben. Voll Wut taucht er denfelben nob einmal ganz unter das Waſſer, jagt noch dreimal um die Kirche,
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verbrennt die Verjchreibungsurfunde und fährt für immer dahin. X. war erlöst, und weil ihm Pater Fränzchen aebolfen batte, feinen Bund mit dem Teufel zu brechen, jo beſchenkte er diejen und das ganze Klofter reichlich. X. blieb fromm und gottesfürdtig, und jeine Nachfommen jind noch heute reih und glüdlic.
3.8. Klein, Pfarrer zu Dalheim.
141. Das vom Teufel befeffene Mädchen zu Contern.
In Eontern wurden einem Bauern Birnen geitoblen, welde vom Baume gefallen waren. Wütend rief der Bauer: „Ich wollte, der Dieb bätte jo viele Teufel im Leib, als er mir Birnen aegeilen bat!“ Das Mädchen, welches die Birnen während der Kubweide auf dem Felde unter dem Baume aufgelejen und gegeien batte, war von der Stunde an vom Teufel bejeilen. MWohnte das Mädchen der Meſſe bei umd fing der Geiſtliche zu predigen an, dann jtand es auf und rief: „Slaubt nicht, was der Pfaff jprit, es ift lauter Lüge!” Der Geiftlihe brauchte dann nur zu jagen: „Satan, jchweig, ich gebiete dirs!” und das Mädchen jchivien.
Eradmn.
142, Der Geiger aus Yhig.
Petit Jean, Geiger aus big, kam einjt von einer Bauernfirmes. Unter: wegs begegnete ibm ein vornebmer Herr auf präctigem Roſſe. Da der Junker einen Muſikanten in ibm erkannte, fragte er ihn, ob er nicht mit ihm geben wolle, um die Nacht bindurh Muſik zu machen. „Warum nicht ?” ſagte Petit jean. — „Was muß ich dir denn geben, um die ganze Nacht zu muſi— cieren ?’— „Eine Piſtole“, war die Antwort. Der Herr reichte ibm das Gold: ftüd und nahm ibn zu fich aufs Pferd, und da ging es buch! wie der Wind, Petit Jean dachte: „Wo joll das hin?“ Auf einmal ward haltgemadt, und der Geiger wurde in einen großen glänzenden Saal geführt, wo er auf einen erhöhten Pla gewiejen wurde und feine Tänze zu jpielen begann. Als nad einer Weile fih alles im Saale freudig bewegte, tanjte eine Dame an dem Geiger vorbei, in der er feine Frau zu erfennen glaubte; da rief er ver: wundert aus: „Jeſus, Maria, Joſeph! die Tame da gleicht meiner Frau !“ Plötzlich war alles jtodfinjter, und der arme Petit Jean ſaß auf dem Balken eines Galgens. Er kletterte glücklich binunter und fagte auf dem Heimweg mehrmals: „Zu feinem mehr aufs Pferd“.
Mitteilung des Lehrers Brandenburg zu Burglinfter.
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143. Der Wiedertäufer im Wölfragrond.
Auf Wölfragrond *) hatte man ein Kreuz in eine Niiche, die man in einem Baum ausgebauen, aufgeitellt. Auf einmal war das Kreuz verjchwun: den. Das geihab zur Zeit, als die Wiedertäufer auf dem Damien Hof zwiichen Ellingen und Erpeldingen bausten. Da war jo ein Alter, der hatte einen Bund mit dem Teufel. Dem traute niemand, und er bat auch das Kreuz weggenommen. .
Einmal fam ein Dann von Wellenitein und wollte am Sumpf im MWölfragrond vorbei. Da jah ein großer Hund inmitten des Sumpfes; der madte ein Paar Augen wie ein Paar Sadubren und wimmerte jo gottes: jämmerlih, alö wäre er mit dem Schwanze angewadien. Schwarz war er wie eine Koble. Der Mann gebt binzu. Kaum bat er den Sumpfboden be- treten, da fängt es an, unter ibm zu flammen. Er läßt fih nicht zurück— ihreden. Er fanı von Wellenitein, batte vielleibt ein Glas getrunfen, aber er war gar nicht betrunfen. Er gebt näber, wenn es auch der Teufel jelbit fein jollte. „it es der Teufel ſelbſt“, jagt er, „jo baft du ibn aud gejeben“. mmer jchredliher wird es um ibn. Es bligt, die Funken fahren umher. Er bleibt jteben. Es bat ibm nod nichts gethan. Er gebt voran, jucht den Hund zu befreien. Da ruft plöglih ein Dann von einem Baume ber: unter: „Pad an!“ Der Hund faht ibn gleich einem Schraubitod. „Reiß nieder !” rufts von oben berunter. Und mein guter Dann wird zu Boden geworfen, daß ihm die Nippen im Leibe krachen. „Durch Stahl und Eijen !“ jagt der Oberſte. Der quite Dann flammert ſich an einen armdiden Baum. Aber ab, er wird weggeriſſen, der linfe Arm bleibt bangen, er jelbit fliegt bis zehn Ellen über den Zumpf binaus. Der wünjcte den Teufel nie mebr zu jeben.
Noch viele famen an der Stelle vorbei, wenige blieben ungejchoren, befonders wenn der alte Miedertäufer einem nicht hold war. Der ftund ja im Bund mit dem Schwarzen. Der alte Paſtor, den Ellingen batte, bat es oft gelagt, aber der war auch jo mächtig wie er, dem konnte er nichts tbun.
144. Der Grauenftein bei Grevenmader.
Der Grauenitein, rüber ein großer Zteinblod, jet iſt er in mebrere Kleine zerteilt, liegt auf einer Anböbe, dicht am Wege von Grevenmader nah Man: ternad. Auf dejjen Oberfläche ſieht man viele von Wind und Negen ent: itandene Vertiefungen, die Tiertritten mehr oder weniger äbnlih zu jein jheinen. Diejer Grauenjtein joll, einer alten Sage zufolge, vom Teufel an dieje Stelle gebracht worden jein.
*) ©. oben Nr. 119 die Sage vom Böjchgrethen (Wilde Leute).
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Einſt ward dem Satan berichtet, man baue in Trier ein Luſthaus, das ihm beſonders geweiht werden ſollte. Darüber erfreut, nahm der Böſe einen ſehr ſchweren Stein auf eine Hotte, den er der Moſel entlang ſelbſt nach Trier tragen wollte, damit derſelbe als Grundſtein zu dem neuen Gebäude verwandt würde. In der Gegend von Grevenmacher angekommen, wurde ihm von einem Reiſenden mitgeteilt, man habe ihn prellen wollen, denn der neue Bau zu Trier werde nicht ein Luſthaus, ſondern eine Kirche und zwar ein Dom. Darüber ergrimmt, trug der gefoppte Teufel den Stein mitten durch die Stadt hinauf auf den Berg, wo er noch beute zu jeben iſt. Ehe er von demjelben wegging, tanzte er wie wütend darauf. Die auf dem Steine fichtba- ren Vertiefungen werden von jedermann als Tritte bezeichnet, die der Teufel beim Tanzen bineingedrüdt habe. Weil es dem nächtlichen Wanderer beim Rorübergeben an diefem Steine unwilltürlih graute, nannte man denjelben Grauenftein, welchen Namen jpäter der ganze Berg erbielt.
Andere erzählen: Die Teufel jollten ein Haus zu Trier bauen. Ein Teufel ging eine Wette ein, um zwölf Uhr mittags mit einem großen Steine zu Trier zu fein. Als der Teufel auf der Heerjtraße am Orte Grauenjtein ankam, läutete zu Manternach die Mittagsglode — zwölf Uhr und nod vier Stunden von Trier entfernt! Er warf den Stein zu Boden und tanzte drauf vor Aerger.
Nah anderen jollen die Zeihen auf dem Grauenjtein, die man als Spuren von des Teufels Fußtritten anſieht, daher rühren, daß der Teufel auf demjelben vor Freude tanzte, als er eine arme Seele befommen.
Vorzeiten ging das Gerücht, unter dem Grauenjteine liege Geld ver: borgen. Franzöfiihe Veteranen glaubten das und jprengten den Stein, fanden aber nichts.
Auch ſpricht man von einer nächtlichen Erſcheinung am Grauenftein, dem Grauenjteinsmännden, das dort oft gejeben worden fein ſoll. Noch beute ift man der Meinung, daß es dort jpufe, und empfiehlt den Reifenden, fih nicht zu verfpäten, um nicht von dem Grauenjteinsmänndhen überrafcht zu werden.
Mitteilungen des Brof. N. van Wervele und der Lehrer Wagner und Oswald.
145. Die Deiwelsleh zwiſchen Diefirch und Ettelbrüd,
Auf der Haard, zwiſchen Diefirh und Ettelbrüd, befindet ſich die Dei: welsleh (Teufelsfeljen), wo jich der Teufel aufzuhalten pflegte; und noch beute joll in dem Felſen die Fußftapfe des Teufels abgedrüdt fein.
BR — 146. Der Teufel als Wohlthäter.
Ein armer Mann jtand traurig vor jeinem Haufe. Da näherte ſich ein anitändig gefleidveter Mann und fragte den Armen nah der Urſache feines Kummers. Diejer antıiyortete: „Wie jollte ih nicht traurig fein? Ich bin Vater von vielen Kindern, meine rau liegt auf dem Krantenbett; ich habe fein Brod und, weiß mir auch feines zu verichaffen“. — „Sit denn feiner von den biefigen Bauern jo barmberzig, daß er dir Tagelohn verjchafft, in- dem er dich jein Korn dreichen läßt ?” fragte der Fremde. — Ach nein, Herr! ih babe überall um Arbeit gefragt, aber überall bat man mich abgewiejen.“ — „So komm mit mir“, gebot der Fremde. Alsdann führte diefer ihn in das nächte Bauernhaus.
„Laßt ihr euer Korn nicht dreſchen?“ fragte eintretend der Fremde den Bauern. „D nein, es ift noch viel zu früh“, antwortete diejer lachend. „Für einen Sad Korn würden wir euch all euer Korn dreſchen“, ſagte der Fremde. „Für einen Ead Korn“, dachte der Bauer, „das ijt ja jo qut wie umfonit“. — „Ich gebe den Handel ein“, verjegte er laut nad einer Weile. Auf des Fremden Gebot waren viele Knechte da, die ihm emfig halfen. Nach jechs Stunden waren fie fertig. Nun fam der Bauer mit dem Sade, um ihnen das Verſprochene zu überliefern. „it das ein Sad?” fragte zürnend ber Fremde, indem er denjelben den Händen des Bauern entriß. „Gleich fünf- bundert Ellen Tuch ber, damit ich jelbit einen Sad verfertige!” Zum größten Staunen und Schreden des Bauern jchittete er alles gedrojhene Korn in den großen Sad und ging fort. Der Bauer batte indes der Magd -befohlen, den wilden Stier dem Fremden in den Meg laufen zu laffen. Doch der Fremde ſchlug den Stier mit der Fauft auf die Stirne, daß derjelbe tot niederfiel. Darauf lud er auch noch den toten Stier auf feinen Rüden über den Sad und trug beides zu dem Armen, ſprechend: „Da baft du Brod und Fleiſch. Fest gebe ich wieder in das Haus des Bauern zurüd und hole mir meinen Lohn”. Der Bauer hatte fich erbängt, und der Teufel nahm feine Seele ; denn der fremde war der Teufel jelbit.
147. Der Teufel und das alte Weib.
Einſt kam der Teufel zu einer "Frau, die eben bejchäftigt war, die Suppe zu bereiten. „Altes, gutes Weib“, jagte er, „du mußt mir jebt belfen. Dort oben babe ih Pferde und Knechte fait aanz in meiner Gewalt. Es feblt nur noch, daß jie den Hals brechen. Du mußt bingeben und die bejof: fenen Knechte den Felſen herunterſtoßen, daß ſie ſammt den Pferden den Hals breden.” Die Frau führte ihren Auftrag eiligft aus. Als fie wiederkam, dankte ihr der Teufel für den geleifteten Dienft, ging zu dem Felſen und führte die Knechte triumphierend zur Hölle.
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— 84 — 148. Der geſpenſtiſche Schatten.
Auf der Höhe von Eiſchen befindet ſich eine weite ebene Strecke, pläkeg Le genannt. Ein gewaltiger alter Baum jtebt auf der Stelle. Bei diejem ſoll es nicht gebeuer fein. Vor langer Zeit bielt jich bier eine Räuberbande auf, welche die ganze Gegend unficher machte.
Eines Abends fam ein Viehbändler, der an dem Tage eine Koppel Zug: ochſen verfauft hatte, an diejer Stelle vorbei. Auf einmal hörte er ein Ge- räufb, er jchaute um — ein Näuber trat ibm in den Weg, jette ibm den Dolch auf die Bruft und forderte Geld oder Blut. Als der Mann fich zur Wehr jegte, jtach der Näuber ibn nieder, beraubte ibn des Geldes und febrte zu feinen Genofjen zurüd, denen er feine That erzäblte. Dann machte er jich nit einigen auf, um den Yeichnam zu vericharren. Wie fie aber an die Stelle famen, jaben jie den Teufel, der jie drohend anſchrie: „Jetzt müßt ibr euch an den Baum jtellen, und der lette, der an mir vorbeiflommt, joll mein jein“. Da jtellte fich derjenige, der den Todichlag begangen, der lebte auf, und als er am Teufel vorbeitam und biejer ſchon nah ibm greifen wollte, zeigte er hinter fich auf feinen Schatten und jagte: „Da kommt der legte!“ Der Teufel ging auf den Yeim, jprang auf den Schatten zu, und der Räuber war glüdlich enttommen. Als er aber bei feinen Genoſſen anfam, bemerften diefe zu ihrem Schreden, daß er feinen Schatten mebr hatte. Cine Woche nachher war der Schattenloje tot.
Bon diejer Zeit an follen viele dem Schatten des Näubers abends beim Mondichein begegnet fein. Schon allerlei Mittel bat man angewandt, den geipenftiihen Schatten zu entfernen ; auch babe man, beit es, den Ort aus: gejegnet, aber bis jetzt babe noch nichts geholfen.
ZN. Moes.
149. Der beftrafte Meineid.
Einſt leitete jemand, jo erzählt man zu Wilz, einen faliben Eid, indem er binzufügte: „Wenn das, was ich fage, nicht wahr it, joll der Teufel mir alle Haare auf meinem Kopfe holen!” Bei feiner Rückkehr nah Haufe famen bei einem Wäldchen foviele Teufel, daß jeder nur ein Haar ausjureigen brauchte. Des Unglüdlichen Kameraden hörten ihn jchredlich jchreien. Noch lange lebte der Arme ohne Haar auf dem Kopf, was jedermann jeben Eonnte.
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V. Bexen- und Saubererfagen ; Dauberei.
150. Der Geiger von Echternach.
Zu den Zeiten des bl. Willibrord war ein Jüngling aus Echternad, namens Veit, jeiner außerordentlichen Größe wegen der lange Veit genannt, ver Fürzlich zum Chriſtentum übergetreten war, mit jeiner jungen rau, die ebenfalls Chriſtin geworden, nah dem hl. Lande gepilgert. Schon waren zehn Sabre jeit ihrer Abreije verflojien, und da feinerlei Kunde von ihnen nach Echternach gelangte, jo teilten die Anverwandten, in der Meinung, fie jeien geitorben, alle ihre Güter unter ji. Groß war aljo ibr Staunen, als am Ojtertage des Jahres 729 der lange Veit plöglib in Echternach wieder auftauchte. Aber auf jeinem ſonſt jo beiteren Geſichte batte ſich Trauer ge- lagert; denn feine teuere Begleiterin war von den Sarazenen gemordet worden. Arm febrte er zurüd und beſaß nichts als ein ſeltſames, allen un: befauntes Inſtrument, eine Art Geige.
Als Veit jeine Güter zurüdforderte, beſchloſſen ſeine Anverwandten, ihn anzuflagen, er babe jeine ‚Srau ermordet. Tags darauf traten fie offen mit ihrer Anklage auf, und drei der Fräftigiten von ihnen erboten ſich, nach der Eitte der damaligen Zeit, durch Zweikampf die Richtigkeit ihrer Ausjage zu erbärten. Am Pfingitmontag fand der Zweikampf jtatt; Schon beim erjten Gange ward Veit zu Boden geworfen, und, des Gegners Fuß auf der Gurgel, mußte er fich für bejiegt erklären. So wurde er denn des Mordes jchuldig befunden und verurteilt, am folgenden Tage gebängt zu werden.
Veit erbat fih als leste Gnade, auf jeinem Todesgange jeine Geige mitnehmen zu dürfen; und jchon jtand er auf der Leiter, am Fuße des Hü— gels, wo beute die Pfarrkirche jich erhebt; der Galgen war umdrängt von zablreiben Zujchauern. Da erfaßte Veit den Fidelbogen und entlodte jeiner Geige jo belle Töne, daß die Menge erjtaunt und tief erjchüttert aufborchte. Auf- die Klagetöne erflang es aus dem wunderbaren njtrumente wie Schluchzen und Thränen, bei denen die Menge wie außer fi geriet, die Hände rang und irre Blide warf. Der Henker, der oben auf der Leiter jtand, wanfte, ließ das verbängnisvolle Seil fallen und mußte, da er fich nicht mebr oben zu balten vermochte, verwirrt berabiteigen.
Indeſſen jpielte Veit immer fort; unter jeinem leicht und raſch dahin:
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gleitenden Fidelbogen ſchienen Funken bervorzufprüben, und die wie ange: wurzelt horchende Menge umber war ganz unter dem Einfluffe des gewal: tigen Geigers, der plötzlich mildere, himmliſche Akkorde bervorzauberte : es war ein Gebet, das aus dem verzauberten Inſtrumente zum Himmel empor: ftieg. Die Zufchauer lagen auf den Knieen; Veits Lippen bewegten fich, er betete, aus jeinen großen, blauen, zum Himmel erhobenen Augen flojjen Thränen. Und Gott erhörte des armen Geigers Gebet, wandte fein Antlik ab von der verbrederiihen Menge und gab ibm feine Ankläger preis. Da plöglih, von wilder Begeijterung ergriffen, raste Veit mit dem Fidelbogen über fein Inſtrument, und hüpfende, binreißende Töne erflangen bezaubernd weithin. Wie von unſichtbarer Hand emporgehoben, jtand alles Bolt aufrecht und begann ſich im Tanze zu beivegen, anfangs ruhig und gemefjen, dann aber immer jchneller und jchneller, bis fich zulegt alles in rajendem Tanze drehte. Männer und Frauen, Greife und Mädchen, Väter und Kinder, alles tanzte. Veit? Verwandte und mit ihnen die Nichter tanzten um die Leiter, der Henker tanzte unter dem Galgen. Die von den Weidepläßen heim: eilenden Haustiere begannen ebenfalls zu tanzen. Alles, was in und um Echternach lebte, ward von der Tanziwut ergriffen.
Da ftieg, immer fivelnd, der Geiger von der Xeiter berab, jchritt dur die Menge, die unvermögend war, ibn feſtzuhalten, und entfernte jich langjam. Noch hörte man eine Zeit lang die Töne der Zaubergeige aus der Ferne erklingen, Veit aber war verſchwunden, und nie mehr bat man ihn in der Gegend wiedergejeben.
Ganz Echternach tanzte bis zum Sonnenuntergang ; die achtzehn Ver: wandten Beit3 aber tanzten, jo lautet die Sage, unabläjlig ein Jahr lang um die Leiter. Schon waren fie bis an die Kniee in die Erde hineingetanzt, als der hl. Willibrord zu Utrecht davon Kunde erhielt, jchnell berbeieilte und fie vom Zaubertanze befreite.
Nah J. Eollin de Plancy, abgedrudt in der Luremburger Zeitung, 1858, Nr. 121.
151. Beit der Zauberer.
Mer fennt nicht den berüchtigten Zauberer Veit, der vor vielen, vielen Jahren in unferen Gauen feinen Spuf trieb? An verjchiedenen Orten des Landes tauchte er auf; auch in der Umgegend von Berdorf joll er gebaust haben. Er trug einen Zaubergürtel um die Lenden, vermittelft deſſen er die verj&hiedenartigiten Verwandlungen vornehmen konnte, jo 3. B. verwandelte er fich bald in einen Baumſtamm, bald in eine Bank u. ſ. w. Eein bejon: deres MWohlgefallen war, den Butterfrauen einen Schabernad zu jpielen. Wenn diejelben ihre mit Butter, Käſe und Eiern gefüllten Körbe zu Markt
trugen, täujchte fie der liſtige Veit, indem er ſich in Gejtalt eines Baum: ſtammes, eines jchweren Steines oder einer Bank dicht an den Weg legte, um die müden Weiber zum Siten einzuladen. Jedoch diefe Nube follte den armen Marktfrauen übel befommen, denn auf einmal purzelten fie jammt ihren Körben zu Boden, und der Inhalt rollte und Eollerte im Staube, wäh— rend Veit ſich mit einem höhniſchen Gelächter entfernte.
Zu verſchiedenen Malen eingefangen und verurteilt, dur Henkershand den Tod zu erleiden, wußte Veit jtets dem Berderben zu entfommen. Hatte man ihn aufs Hochgericht geichleppt und ihm den Strid bereits um den Hals gelegt, jo bing auf einmal ein Bund Stroh da. Schließlich verfiel man auf den Gedanken, den alten Zauberer rüdwärts zum Galgen zu führen und ihn mit feinem eigenen Jaubergürtel zu bängen. Dies gelang, und die Gegend war von dem Unbeiljtifter befreit.
P. Wolff.
152. Der Zauberer von Ernzen.
Zu Ernzen, jo berichtet die Volksjage, lebte vor langer Zeit ein Mann, welcher in der Zauberkunft jebr hewandert war. Derjelbe machte ſich das Vergnügen, die Leute in Echternach dur feine Kenntniffe und Künfte zu neden und zu jchreden.
Bejonders hatte er es auf den Abt der Abtei Echternach abgefeben. Bald rollte er als ſchwarzes Knäuel, bald lief er als flinfer Hafe über die Brüde, der Burgmauer entlang, auf Ummegen der Abtei zu. Hier fraß er, zum größten Nerger des Abtes, die jchönften Blumen des Gartens ab, oder rollte geräufchvoll über die Treppen, um den Abt in jeinem Gebete zu ftören. Nicht zufrieden damit, jprang er.bebende auf das große Doppelfenter, bei welchem der Abt in einem großen Buche las, langte dann mit jeiner Border: pfote durch das balbgeöffnete Fenjter und jchlug dem Abte das Buch zu; war der Abt abmwejend, jo warf er ihm alle Bergamente durcheinander und machte jih dann wieder aus dem Staube.
Des Unfugs müde, jann der Abt auf eine Liit, um des Störenfriedes los zu werden. Eines Abends jtellte er fih, mit einem langen, jcharfen Meier bewaffnet, jcheinbar betend, ans balbgeöffnete Fenfter und erwartete den Hafen. Eben als es vom Turme der Abtei Mitternacht ſchlug, ſah er ihn im Mondichein daher fommen. Seiner Gewohnbeit gemäß, jprang der Haje aufs Feniter, um dem Abte einen Schabernad zu jpielen. Aber kaum batte er jeine Pfote durchs Fenſter geftredt, al3 der Abt ibm dieſelbe mit jeinem Meſſer abbieb. Winfelnd und jchreiend verließ der Haje die Abtei und lief auf Ernzen zu.
Seitdem er aber feine Pfote verloren, muß er ewig Haſe bleiben, und fommt jedes Jahr am 31. Dezember, am Sylveſterabend, in die Abtei, um
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ſeine verlorene Pfote wiederzuſuchen. Manche alte Leute behaupten, den drei— beinigen Haſen an dieſem Tage in den Abteigärten oder an den Burg— mauern geſehen zu baben.*)
153. Der Geiſt im Schulhauſe zu Niederfeulen.
Zu Anfang diejes Jahrhunderts war zu Niederfeulen der Lehrer N. jeiner Unfäbigfeit wegen entfernt und durch den Lehrer Graff erſetzt worden. Als diefer einft mit jeiner Familie und feinen auswärtigen bei ihm wobnen- den Schülern zu Bette gegangen war, entitand plößlih draußen ein Brauſen und Donnern, als jei ein Gewitter im Anzuge. Darauf aing der Spuk im Schulbaufe jelbit los: das Holz auf dem Speicher wurde durcheinander ge: worfen, Gepolter treppauf treppab, Thüren wurden auf: und zugejchlagen ; es, jchien, als jei das Haus mit Heren angefüllt. Das dauerte bis zu einer gewiſſen Stunde des Morgens, wo auf einmal alles ftill wurde. Und jo gings fort, bald dieje, bald jene Nacht, bis ins dritte Jahr binein, jo daß zulegt in Feulen und Umgegend von nichts weiter die Nede war, als vom Geijte im Schulbaus. Angſt und Beforgnis ergriffen Graff und jeine Familie ; die auswärtigen Schüler zogen bis auf drei von ibm weg, unter leteren Peter Klein aus Scheidel, der in jeinen jpäteren Jahren Bürgermeiſter der Ge: meinde Burjcheid war und dem Neferenten die Geſchichte mitgeteilt bat
*) Diefe Sage wird von L’Evöque de la Basse Moüturie, dem die anderen Er- zäbler Iuremburger Sagen meift erweiternd oder verfürzend gefolgt find, auf nachitebende Weije erzäblt:
Der Zauberer fißele.
Die Feldgrotte auf dem Ernzer Berge nächſt Echternacdh , die jpäter fromme Ein- fiedfer bezogen, war früber zuzeiten des Abtes Thiofrid (LOBI— 1110) die Wohnung eine3 berüchtigten heidniſchen Zauberers, des alten Kitzele. Durch jeine hölliichen Künſte war diejer der Schreden der ganzen Gegend geworden : durch Wirbelmwind, Stürme und Hagelſchlag vernichtete er die Hoffnungen des Landmannes, entwurzelte die Obftbäume, verrüftete Wiejen und Felder und zertrümmerte die Wohnungen ; er fchidte Krankheiten über Menichen und Vieh, und zerriß, bald ald Bär, bald als Wolf, Kinder und Herden. Beſonders war er von roll und Haß erfüllt gegen die Mönche der Benediltinerabtei, zumeift aber „gatte Abt Thiofrid durch Kitzele's Zauberfünfte zu leiden: als große, jhwarze Katze miaute diefer im Schornftein und ftörte den Abt in feinen Betrachtungen - und Studien; als Haſe ftieg er nächtlich in den Kloftergarten und richtete dort Ber- wüjtungen an, oder polterte derart an Thiofrids Fenſter, daß diefer nicht Schlafen konnte.
Diejer Unfug miederbolte ſich allnächtlich, bis endlich der Abt durch Lift eine Pfote des Hajen in einer Schlinge erfahte und ſofort abſchnitt. Das Tier enteilte auf drei Beinen. Die abgejchnittene Pfote aber ward verbrannt und die Aiche in den Wind ge- jtreut. So konnte der während feiner Verwandlung verftümmelte Zauberer feine Men- ichengeltalt nicht mehr annehmen und irrt nun als dreibeiniger Haie jedes Nabr zur nämlihen Stunde um die Abtei, um jeine Pfote aufzuſuchen.
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(dieſelbe wird übrigens von vielen Perſonen aus Feulen erzählt). Den zu— rückgebliebenen Schülern machte es am Ende ſogar Spaß, mit dem Spukgeiſt zu kämpfen; denn abgeſehen davon, daß derſelbe einſt Frau Graff derart in den Arm kneipte, daß die Stelle am anderen Morgen noch blau war, that er niemand etwas zuleide; ſie ſpotteten oft des ohnmächtigen Geiſtes, wenn er ſo nachts polternd im Schulhaus umherging, Thüren auf- und zuſchlug, die Schulbänke übereinanderwarf, an den Ofenröhren rappelte u. ſ. w., und ladhten, wenn dann morgens alles wieder in Ordnung war. Sie ſuchten den nächtlichen Gaft auf alle möglihe Weije zu fangen. So jtellten fie mehrmals ein brennendes Licht unter ein Gefäß, um das Zimmer plöglich zu beleuchten, wenn fie ihn in demjelben verjpürten; aber dann betrat er das Zimmer nicht, jondern trieb anderswo im Haufe fein Unweſen. Sobald man aber das Licht auslöjchte, trat er auch in dies Zimmer ein. Streute man Ajche oder Kleie auf die Treppe, jo bemerkte man morgens die Fußitapfen eines gewöhnlihen Mannes; daraus ſchloß man, daß der Geift einen Körper habe.
Als Peter Klein gegen 1819 ſich zu Haufe auf Beſuch befand, mußte er dem Paſtor von Burjcheid, Herrn Meder, haarflein über den Geifterfpuf im Feulener Schulhaufe berichten; er ward von demjelben belehrt, wie man es anzufangen babe, den Geijt blutrünftig zu machen, die einzige Art, feiner babhaft zu werden. An einem Samstagabend, als das Gepolter wieder losging, traten Graff und Klein jeder auf jeinen Poſten, der eine mit einer haarſcharfen Art, der andere mit einem ebenjo ſcharfen Säbel bewaffnet, während Frau Graff Licht bereit bielt. Die beiden Harrenden zählten an der alten krachen: den Treppe die leijen Tritte des vom Speicher herunterjteigenden Geiftes. In dem Augenblide, wo nad) ihrer Berechnung die Thüre fich öffnen mußte, fielen die zum Schlag erhobenen Waffen nieder. Graff verjpürte, daß er ge troffen babe. Bevor noch Licht Fam, warf er fi auf den am Boden Liegen: den und bielt ihn fejt, bis man des Verwundeten Füße gebunden. Graff erfannte in dem Geijte jeinen Vorgänger im Amt, Lehrer N. Diejer offen: barte endlih, auf Graffs Zureden, fein Geheimnis. „Zur Zeit“, ſagte er, „als die Preußen bier durchzogen (1814), laufchte ich einem Soldaten ab, daß er im Belige eines Geheimnifjes ſei, ſich unfichtbar zu machen; als ich vernahm, daß dieſes geheime Mittel in einem Buche und einem auf nackter Haut getragenen Riemen beſtehe, ſtahl ich ihm beides und entfloh in die Wälder, bis die Preußen abgezogen waren. Als ich nun durch Sie aus meinem Amte verdrängt wurde, bediente ich mich des geheimen Mittels, um Ihnen das Verbleiben in Niederfeulen zu verleiden, und ſo wieder in den Beſitz meiner Stelle zu kommen.“ Graff zerriß Buch und Riemen und ver— brannte die Stücke im Ofen; die Metallſchnalle des Riemens aber vergrub er tief in den Garten. N. ſoll dieſen für ihn verhängnisvollen Tag nicht lange überlebt haben und an den erhaltenen Wunden geſtorben ſein.
Lehrer Ahnen zu Niederfeulen.
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154. Die Hate mit drei Pfoten zu Grevenmader.
Zu Grevenmader jtand ebedem ein Klojter (an dejjen Stelle ſich jest ein Haus mit einem Garten befindet), daneben befand ſich ein Kleines Haus, das jebt noch beitebt. In diefem Häuschen wohnte ein Mann, der einen Zauberring beſaß; diejer Ning machte es ſeinem Beſitzer möglich, jede be: liebige Gejtalt anzunehmen. In dem Klofter wohnte ein Abt, der einen Dann beleidigt batte. Der Beleidigte beſchloß, fih am Abte zu rächen, und begab fih zum Eigentümer des Zauberrings mit der Bitte, ihm denjelben zu leiben. Diejer batte anfangs Bedenken, den Ning von fich zu geben, weil er, jobald er denjelben nicht mebr bejaß, in Schlaf verfiel und nicht eber wieder auf: wacte, als bis er den Ning zurüderbielt. Zulegt jedoch willigte er ein. Der andere, nım im Beſitze des Zauberringes, verwandelte ſich in eine Kate, und als es anfing zu dunfeln, begab er jih an das Fenſter des Zimmers, in dem der Abt ftudierte. Er jtredte die Prote durch eine zerbrocene Glasſcheibe binein, öffnete das Fenjter, und der Wind warf alles auf des Abtes Studierzimmer durdeinander. Das that die Hate drei Abende nacheinander. Am dritten Tage aber bemerkte der Abt, daß eine Kate mit menſchlicher Gejchidlichkeit das Fenjter öffnete, und als diejelbe am vierten Tage wieder das Fenſter öffnen wollte, bieb er ihr die Pfote ab und warf diejelbe in den Ofen. Bon der Zeit an gebt die Habe nachts umber, ibre "abgebauene Pfote zu ſuchen, obne welde jie ibre menjchliche Gejtalt nicht wieder annebmen fann. Der Mann im Eleinen Häuschen aber, dem der Zauberring gehört, jchläft noch immer.
155. Der Bauberer zu Bianden.
Ein Mann aus Vianden, namens D., verftand die Schwarze Kunft. Er fonnte jeinen Körper unfichtbar machen, durch alle, jelbit feſtverſchloſſene Thüren, durchs Schlüſſelloch ſchlüpfen. Er ſchien es namentlih auf Entwen: dung von Najchjachen abgejeben zu haben ; denn batte man Eßware in einen Schranf oder jonjt wohin gejtellt, fand man es nicht mehr, wenn man es nehmen wollte. Der Köchin, wenn fie Pfannkuchen buf, fijchte er diejelben im Handumdreben weg, obne daß jie wußte, wer fie genommen, oder wohin fie gefommen. Bejonders häufig juchte D. das Klofter zu beunrubigen. Abends jpät börte man dort Gepolter, und oft glaubte man, es wälze fich ein ſchwerer Körper die Treppen herab; ging man dann bin, um nachzufehen, was es fei, fo war nichts zu finden. Verſchiedenemal batte man einen Schatten an der Wand bemerkt, auch danach gejchojjen, aber umſonſt. Da nahm der alte Mai, der beim Klojter wohnte, eine filberne Kugel und ließ diejelbe vom Klofterprälaten jegnen. As er nun abends einen Schatten an der Wand zu ſehen glaubte, der jih nah dem Uhrkaſten bewegte, ergriff er raſch die Flinte und ſchoß
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diejelbe gegen die „Auerkaſtut“ ab. Der Schuß trifft und — o Schreden, vor ibm im Blute ſchwimmt D. als Leibe. Man ließ jogleich feine Mutter und jeine Gattin rufen, und des Abends ſchaffte man im ftillen den Leichnam nad dem Gösberg. Als man fait oben angefommen war, wollten die Pferde nicht mebr weiter. Sie waren über und über mit Schweiß bevedt. Der Fuhr— mann, der aus Walsdorf war, erklärte, er käme nicht mehr vorwärts. Der Pater aber, der den Yeichnam begleitete, bat, er möge doch nicht jteben bleiben, fondern bis auf die Höbe fahren. Der Fuhrmann jedoch begehrte zu wiſſen, was er geladen babe, jonjt wolle er jeine Pferde nicht aufopfern. Da fagte der Pater: „Nun denn, wenn ihr jtandbaft jeid, jo ſchaut mir über die linfe Schulter, und ibr werdet euere Fracht jehen“. — Was der Bauer dort jab, muß jchredlih gewejen fein, denn als er des anderen Morgens nah Hauſe Fam, waren feine ſonſt dunfelbraunen Haare weiß wie Schnee. Den Leichnam ließ der Pater oben auf dem Berge einjcharren.
Erasmy.
156. Die Sage vom Jekel.
Es iſt noch nicht jo lange ber, da joll in Ettelbrüd ein Mann, namens Jekel, gelebt baben, welcher Zauberkraft bejaß und die Bewohner Ettelbrüds oft foppte. So joll einmal ein Mebger, namens Mai, von Burjcheid ge: fommen jein, wobin er ſich begeben batte, um ein Kalb zu kaufen. Unver: richteter Sache mußte er zurüdfebren. Während er rubig dabinjchritt, jab er auf dem Wege, der durch die Bürderbeden führt, ein Kalb laufen. Da es ihön war, lief er jogleich demjelben nad, nahm es in den Strid und fübrte es vergnügt nah Haufe. Eben war er bei Ettelbrüd angelangt, als ſich plöglih das Kalb in einen Mann verwandelte und fjagte: „Mai, du bajt mich lange genug geführt, jet gebit du nah Haufe und ich“. Das war der Seel. s
Die Fiſcher hatten aber am meiſten vom Jekel zu erdulden. So joll er einem Fiſcher in Geftalt eines großen Hundes nachgegangen jein, und jo oft der Fiſcher einen Fiih gefangen, jei der Hund binzugejprungen und babe den Fiſch im Nu verichlungen. Der Fiſcher gab fih alle Mübe, den Hund fortzutreiben, allein immer vergebens. Einmal aber traf er des Hundes Schatten mit dem Neke, und plöglih war der Hund verſchwunden und fam nie wieder. Der Hund aber war der Jekel.
Bejonders batte Jekel es darauf abgejeben, den Leuten Furdt einzu: jagen, So lag er oft in Geftalt eines Feuerſtrahls quer in dem Wege, der nah Warfen führt (im Efer), bejonders an den Sonntagabenden, wenn die Warker in die Abendandacht kamen. Oft lag er au in Geſtalt einer Kate „abends an einer Straßenede und jpudte Feuer, wenn Leute kamen. Spielten die Kinder auf dem Marktplage, dann wimmelte es oft dajelbit von Kanin—
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hen, wodurch die Kinder in Angit und Schreden gerieten. Das war wieder Jekels Wert.
„jetels böjem Lebenslauf jollte do bald ein Ende gemacht werden. Eines Tages jchlief er nämlich in der Nähe des Hüttenwerfes von Kolmar— Berg. Die Schmiede fanden ihn und fagten: „O Jekel, du baft die Leute genug geplagt und gequält, jegt jollit du deinen Lohn bekommen“. Alsdann nahmen fie ihn und warfen ihn in den Slühofen, wo er jämmerlih umkam.
157. Der Herenmeifter zu Manternad.
Zu Manternach lebte ein Mann, der im Rufe jtand, geheime Künſte zu verjteben. Einjt jaß er vor der Haustbüre, als jemand mit einem Wagen vorbeifubr. Plöglih blieb der Wagen jteben. Man trieb die Pferde an, ' drüdte am Wagen, aber alles vergebens. Da rief einer: „Wart, ich werde belfen !* und ſchlug mit einem Stod an die Speichen eines Nades. Da ſieh! der Wagen ging wieder voran. Der Herenmeifter aber vor der Haustbüre wimmerte und rief: „O mein Bein, o mein Bein, es ijt faft entzwei ge: ſchlagen!“
Lehrer Oswald zu Manternach.
158, Der Zauberer im Eſcher Kanton.
Im Eicher Kanton fuhr ein Mann mit zwei Pferden. Er [ud immer jo jchwer, daß faum drei andere Pferde es auf ebener Straße fortgebracht hätten. Tiefer Dann aber wußte etwas mehr. Bergauf gingen feine Pferde jo leicht wie bergab; auch hemmte er jeinen Weg nicht bergab, wie die anderen Yeute es thun.
Einit fam er an einer Wieje vorbei, mo ein Mann mäbete. Er jab ibn oft wegen und ſprach: „Better, laßt mich euch mal fchleifen (wegen); ich jebe, ibr fünnt nicht“. Der andere wars zufrieden, und der Fuhrmann nahm jeine Beitiche, fuhr mit dem Griff dreimal über die Senje und ſprach: „Da, nun mäbt und wet nicht mehr“. Und ieh, die Senje fchnitt wie ein Bart: meſſer. Der andere ging fort, und der Mäber mäbete bis Abend, und die Senſe ſchnitt eber bejjer als jchlechter.
Diejer Zauberer — denn das war er — begegnete auch einft drei Stu: denten, die, um jich einen Spaß zu machen, ihn dur ihre Künfte „balten thaten“. Der Fuhrmann merkte jchnell, was es wäre, ging zu den dreien und jagte: „Ihr Herren, bört, laßt mich fahren“. Die Studenten aber verftanden es nicht, den Zauber zu heben, und jchwiegen. „Nun, dann belfe ich mir jelbjt“, jagte der Fuhrmann, nahm eine Art, ging zum binteren Nad auf
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der linfen Seite, zäblte elf Speihen und jchlug mit der Art dagegen, daß es krachte. „Au! au!“ jchrie der erfte Student und lag da mit zerjchlagenem Beine. Der Fuhrmann zählte weiter elf Speichen, ein Schlag, und der zweite Student lag am Boden mit zerichlagenem Bein. Wieder elf